Martin Luther, der Hussit

Thomas Kaufmann

Von Thomas Kaufmann

Sa, 26. April 2014

Panorama

Der verbrannte Kirchenkritiker Jan Hus prägte den Reformator – ein protestantischer Blick auf das Konstanzer Konzil.

Gelegentlich begegnet einem das Bild des böhmischen Theologen und Prager Magisters Jan Hus, der auf dem Konstanzer Konzil verhört, zum Tode verurteilt und am 6. Juli 1415 verbrannt wurde, noch heute in lutherischen Kirchenräumen. Die Erinnerung an ihn als einen Vorläufer Luthers ist lebendig geblieben. Sie geht vor allem auf den Wittenberger Reformator selbst zurück.

Nach dem Bruch mit der Papstkirche, den Luther infolge der Bannandrohungsbulle Exsurge Domine im Sommer 1520 öffentlich vollzog, bekannte sich der Ketzer Luther freimütig zu dem Ketzer Hus. Er berichtete, dass er schon in der Erfurter Klosterzeit von seinem Novizenmeister gehört habe, dass Hus "on unterricht, on beweisung, on ubirwindung" verurteilt worden sei. Dem Prager Magister war also widerfahren, was dem Wittenberger Doktor nun selbst drohte.

In Luthers Orden, bei den Augustinereremiten, erinnerte man sich auch deshalb an die Causa Hus, weil einer der früheren Brüder, der Erfurter Theologieprofessor Johannes Zachariae, eine maßgebliche und sehr fragwürdige Rolle im Prozess gegen den böhmischen Theologen gespielt hatte. Er soll ihn in Konstanz durch ein gefälschtes Bibelwort und eine manipulierte Ausgabe der Vulgata, der lateinischen Übersetzung der Bibel, in Bedrängnis und schließlich zu Fall gebracht haben. Zachariae ist im Kreuzgang von Luthers Erfurter Kloster begraben; der spätere Reformator kannte das Epitaph und erfuhr von der Geschichte durch seinen Lehrer Johannes von Staupitz.

Im Rückblick erzählte Luther, dass er in der Erfurter Klosterbibliothek einen Band mit Huspredigten entdeckt und gelesen habe. Diese, vom Verdacht der nachträglichen Stilisierung nicht freien Erinnerungen, mögen zutreffen, selbst wenn Luther nach seinem Bruch mit Rom daran lag, sich in ...

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