Pflegeheim

Passt ein Flachdachbau in die historische Altstadt Kenzingens?

BZ-Redaktion

Von BZ-Redaktion

Mi, 20. Januar 2021 um 19:00 Uhr

Kenzingen

Das AWO-Pflegeheim soll erweitert werden – mit einem Anbau an das ehemalige Franziskanerkloster. Die Aktion Historische Altstadt kritisiert die Architektur und die fehlende Debatte.

Das AWO-Pflegeheim in Kenzingen soll erweitert werden. Dazu ist ein neuer Anbau an das ehemalige Franziskanerkloster geplant. Das Bauvorhaben steht auf der Tagesordnung der Sitzung des Technischen Ausschusses am heutigen Donnerstag. Kritik an dem Vorhaben kommt von der Aktion Historische Altstadt Kenzingen (AHA). Sie betont in einer am Dienstag verbreiteten Pressemitteilung zum Franziskanergarten: "Ja zum Anbau – Nein zum Flachdach" und bemängelt, dass es keine öffentliche Debatte über das Vorhaben gegeben habe.

Eine der zentralen Stellen der historischen Altstadt

Der Bereich des alten Franziskanerklosters sei eine der zentralen Stellen der historischen Altstadt mit viel bemerkenswerten, alten Gebäuden. Der jetzt geplante Anbau soll als Erweiterung des AWO-Pflegeheims genutzt werden. Geplant ist laut AHA ein Gebäude mit drei vollen Stockwerken, fast 500 Quadratmeter Grundfläche, einer Gebäudehöhe von knappen elf Metern und einem Flachdach. 25 neue Pflegeplätze sollen laut den Sitzungsunterlagen der Stadtverwaltung durch den Anbau geschaffen werden.

Initiative vermisst öffentliche Debatte

"Die Stadtverwaltung empfiehlt die Zustimmung für ein Gebäude, welches absolut nicht in eine historische Altstadt passt und das Erscheinungsbild massiv negativ beeinflussen wird", kritisiert die Aktion Historische Altstadt in ihrer Pressemitteilung. Eine öffentliche Debatte habe es nicht gegeben. "Wir sind der Meinung, dass solch große Einschnitte in das Erscheinungsbild unserer historischen Altstadt eine breite öffentliche Debatte erfordert", so die AHA weiter.

Projekt ist mit Denkmalbehörde abgestimmt

Laut Verwaltungsvorlage wurde das Bauvorhaben bereits im Mai 2020 dem Gemeinderat in nichtöffentlicher Sitzung vorgestellt. Zudem sei das Projekt mit der Denkmalbehörde abgestimmt.

Die AHA-Vertreter kritisieren allerdings Fehler in der Beschlussvorlage für den Technischen Ausschuss. Dort sei die Rede davon, dass der Anbau im hinteren Grundstücksbereich angeordnet sei, "so dass dieser kaum vom öffentlichen Verkehrsraum einsehbar ist". Das sei falsch, betont die AHA. Tatsächlich wäre der Anbau laut AHA "sehr weiträumig einsehbar". So wäre das Objekt nach Angaben der Initiative vom Unteren Zirkel aus auf einer Länge von 135 Metern, von der Schulstraße auf einer Länge von 119 Meter und von der Eisenbahnstraße auf einer Länge von 22 Metern einsehbar. "Dies sind in einer eng bebauten historische Altstadt sehr große Werte", betont AHA.

AHA-Vertreter befürchten rechtliche Folgen

Was den Plan aus der Sicht der Aktion Historische Altstadt noch problematischer macht, ist die rechtliche Situation. "Sobald ein Gebäude mit Flachdach in der historischen Altstadt genehmigt wurde, können sich andere Bauherren darauf berufen. Diese dürfen dann ebenfalls Gebäude mit Flachdach in der historischen Altstadt bauen. Das Beispiel Wonnental sollte eine Mahnung sein."

AHA bittet in der Pressemitteilung daher um die Ablehnung des jetzigen Plans, "mindestens jedoch eine Vertagung der Entscheidung und eine Besprechung des Vorhabens im Gemeinderat".

Dass es mit Anbauten an historische Gebäude auch anders gehe, zeigt nach Überzeugung der AHA-Vertreter ein Beispiel andernorts in der Kenzinger Innenstadt, wenn auch nicht an einem ganz so alten Gebäude: "Der Anbau an die Sparkasse in der Freiburgerstraße macht uns Freude."