BDH-Klinik Elzach

Pflegekräftemangel und neue Verordnung schränkt die Früh-Reha ein

Nikolaus Bayer

Von Nikolaus Bayer

Di, 03. Dezember 2019 um 15:30 Uhr

Elzach

In der Versammlung des Fördervereins der BDH-Klinik Elzach kritisierte Verwaltungschef Charlton den Gesetzgeber für die Vorschriften aus der Pflegepersonaluntergrenzen-Verordnung.

ELZACH. Bei der ordentlichen Mitgliederversammlung der Freunde und Förderer der BDH-Klinik Elzach gab es seitens der Klinikleitung viel Anerkennung für deren ehrenamtliche Arbeit. Eberhard Hirschbolz, der Vorsitzende des Vereins, kündigte für das kommende Jahr ansehnliche Investitionen an. Der ganze Vorstand blieb deshalb im Amt. Es gab aber auch besorgte Töne vom Verwaltungschef zu hören, der angesichts des Pflegekräftebedarfs eine für die BDH-Kliniken nachteilige Gesetzgebung kritisierte.

Spendenpölsterchen angesammelt

Der Förderverein hat zur Zeit eine Rücklage in mittlerer fünfstelliger Höhe aufgebaut, mit der er sich 2020, zum Abschluss der Klinikerweiterung in Elzach, finanziell einbringen möchte. Hirschbolz und die Kassiererin Charlotte Hasenhindl gaben dazu detailliert Auskunft. Sie berichteten von einer 2018 sehr einträglichen Weihnachtsspendenaktion, von einer Zuweisung des Lions Clubs, von oft rührender Spendenbereitschaft ehemaliger Patienten oder Angehöriger sowie von Beiträgen der 51 Mitglieder, die die Haupteinnahmequellen bilden. Davon wurde zuletzt nur wenig ausgegeben. Auf Wunsch der Arbeitsgruppe Palliative Care wurden Gegenstände angeschafft, die für sterbende Patienten und deren Angehörige eine angenehmere Zimmeratmosphäre schaffen helfen; außerdem wurden Ruhesessel gekauft, die ein längeres Verbleiben beim Patienten erleichtern. Rosemarie Bechthold berichtete von der Tätigkeit des Besuchskreises, derzeit fünf Frauen und ein Mann. Auf Zuweisung durch den Sozialdienst oder Seelsorger übernehmen sie den Bringdienst zu Messfeiern und Veranstaltungen, machen für Patienten Besorgungen oder begleiten sie auf Spaziergängen.

Anschaffungen für Palliativversorgung

Die evangelische Klinikseelsorgerin Christine Biehrer nannte das eine "große Hilfe" in dem von hoher Beanspruchung des Pflegepersonals bestimmten Klinikalltag. Als sehr positiv bezeichnete sie, dass mit Steffen Reich jetzt auch wieder ein katholischer Seelsorger ins Haus kommt. Gerade die jüngeren Patienten fänden es gut, dass sie in ihm einen Ansprechpartner ihres Alters finden, wenn er auch nur eine halbe Stelle ausfüllt. Klinik-Verwaltungsleiter Daniel Charlton sprach von einer hohen Wertschätzung der Patienten für den Besuchskreis, der für sie Ablenkung bedeutet und eine Brücke zum Leben außerhalb der Klinik bildet. Das diene ebenso dem Genesungsprozess. Alle Mitglieder des Vorstands erklärten sich bereit, vor der großen Klinikerweiterung 2020 noch einmal zu kandidieren. Sie wurden einstimmig wiedergewählt: Eberhard Hirschbolz als Vorsitzender, Siegfried Hug als Stellvertreter, Charlotte Hasenhindl als Kassiererin und Helga John als Schriftführerin. Außerdem gibt es weiterhin den fünfköpfigen, vom Vorstand bestimmten Beirat.

Pläne für Kinderspielplatz und Gehschule

Im nächsten Jahr wird der Förderverein die vorgesehene Begegnungsstätte mit Kinderspielplatz und integrierter Gehschule mitfinanzieren. Außerdem möchte man Wege unterhalb des Neubaus neu anlegen und die Bepflanzung erneuern. Dies müsse natürlich rollstuhlgerecht geschehen, verlangte Hirschbolz. Am besten sei dies durch Asphaltierung zu erreichen. Dabei ärgerte er sich, dass die Asphaltierung durch Bauauflagen, die versickerungsfähiges Pflaster verlangen, möglicherweise verhindert werden könnte. Man müsse im direkten Umfeld einer Klinik jedoch zuerst an die optimale Nutzbarkeit für die Patienten denken.

Probleme durch Vorschriften für Personaluntergrenzen

Verwaltungschef Daniel Charlton kündigte die Inbetriebnahme des Erweiterungsbaus für September 2020 an. Das weitere Wachstum werde durch den Mangel an qualifiziertem Pflegepersonal gebremst. Speziell für die Früh-Reha komme noch ein Erschwernis hinzu: Charlton sprach hier die neue Pflegepersonaluntergrenzen-Verordnung des Bundes an. Danach müssen künftig 90 Prozent der Pflegekräfte eine dreijährige Ausbildung vorweisen. In der Elzacher Klinik seien es derzeit aber "nur" etwa 60 Prozent, weshalb in der neurologischen Früh-Rehabilitation mit dem Schweregrad B nicht mehr alle Patienten aufgenommen werden können.

Intensivbehandlung wechselt in den Neubau

Charlton kündigte weiter an, dass die Intensivbehandlung vollständig in den neuen, hochmodern ausgestatteten Klinikbau verlagert wird und – in den Hauptgebäuden – dann wieder mehr Rehabilitation für C- und D-Patienten betrieben werde. Angesichts immer kürzerer Belegzeiten in den Uni-Kliniken und wachsenden Bedarfs an Früh-Reha-Plätzen maß er der Verordnung, die eigentlich eine generell bessere Patientenversorgung erreichen wolle, eine kontraproduktive Wirkung bei: "Statt Pflege zu erweitern, wird sie noch verknappt." Eine Weiterqualifizierung der Pflegekräfte mit einjähriger Ausbildung, die zwar vom Arbeitsamt gefördert werde, hielt er für nötig, aber für keine ausreichende Lösung. Zu wenige Personen seien zu dieser Qualifikation bereit. Der Elzacher BDH-Klinik mit ihren 600 Bediensteten und einer jährlichen Fluktuation von bis zu 40 Kräften wäre damit nicht gedient.