Stellenspezial Gesundheit

Pfleger mit ganzem Herzen

BZ-Redaktion

Von BZ-Redaktion

Fr, 08. November 2019 um 12:28 Uhr

Anzeige Steven Jones lässt sich in der Pflege ausbilden – mit 47

Steven Jones ist Auszubildender an der Fachschule für Pflege der Klinikum Hochrhein GmbH. In einem Punkt unterscheidet er sich maßgeblich von allen anderen.

Lachende junge Menschen, gemeinsam in den Club am Wochenende und pauken, pauken, pauken, diese oder ähnliche Gedanken werden mit einer Ausbildung verbunden. Doch was, wenn ein Auszubildender älter als seine Lehrkräfte ist, mit beiden Beinen im Leben steht und seine Mitschülerschüler theoretisch seine Kinder sein könnten? Dies ist der Alltag von Steven Jones, seines Zeichens Auszubildender im Beruf des Gesundheits- und Krankenpflegers an der Fachschule für Pflege.

Steven Jones ist alles, nur nicht Standard, heißt es in einem Pressetext der Klinikum Hochrhein GmbH. Als Siebenjähriger zog der gebürtige Engländer mit seinen Eltern nach Deutschland, da diese sich hier eine bessere Zukunft versprachen. Die Sprache bereitete ihm zu Anfang noch Mühe, heute spricht er akzentfrei. Aufgewachsen im schwäbischen Pfullendorf, zog es den bereits in frühen Jahren sozial Engagierten nach der Schule zurück nach England, wo er sich beim Militär als Sanitäter verpflichten ließ. "Auf einmal war ich der Deutsche unter meinen Kollegen, wo ich doch all die Jahre in Deutschland der Engländer war", sagt Jones. Das Militär brachte ihn überall hin, in den Golfkrieg, nach Bosnien und nach Somalia. Orte, an die er sich heute noch gut erinnert, aber auch Situationen, die ihn heute noch in seinen Träumen verfolgen.

Stillstand ist nicht sein Ding

"Disziplin und Leistung, das war das oberste Credo. Manches konnte ich nicht gut heißen, dennoch hat mir diese Art der Ausbildung sicher nicht geschadet", so Jones, der betont, dass es auch Schatten gab, beispielsweise das Aufsammeln von Toten in Bosnien, wo zwei seiner Kollegen von Scharfschützen erschossen wurden. "So etwas verfolgt einen ein Leben lang." Mit der Liebe folgte der Umschwung, denn als Jones seine Frau kennenlernte, war schnell klar, dass er sich nach einem Zuhause sehnte.

Nur ein Jahr später quittierte er den Dienst und arbeitete fortan in der Gastronomie und später als Vollzugsbeamter. Als die Ehe scheiterte, verließ Jones England und kehrte nach Deutschland zurück, wo er in einem medizinischen Unternehmen arbeitete. Doch der Drang, sich wieder einem heilenden Beruf zu verschreiben, wurde größer und Jones versuchte, sich seine Jahre als Sanitäter für das Militär anerkennen zu lassen. Erfolglos, die deutsche Bürokratie verweigerte die Anerkennung seiner praktischen Jahre. "Dabei kann man mehr praktische Erfahrung wohl schwerlich sammeln", so der heutige Auszubildende.

Da Stillstand noch nie sein Ding war, absolvierte Jones erst die Ausbildung zum Gesundheits- und Krankenpflegehelfer an der Fachschule für Pflege der Klinikum Hochrhein GmbH, um im Anschluss die dreijährige Ausbildung zum Gesundheits- und Krankenpfleger anzuhängen, wo er sich zwischenzeitlich im zweiten Jahr befindet.

Altersunterschied nur kurz spürbar

"Der Altersunterschied war für mich nur an den ersten Tagen spürbar, heute sind wir alle Lernende, die das gleiche Ziel haben. Nur wenn der Rest der Truppe am Wochenende feiern geht, dann merke ich, dass ich mit meinen 47 Jahren doch irgendwie raus bin."

Da Jones als Azubi im Klinikdienst arbeitet, trifft er immer wieder erstaunte Patienten, wenn er sich vorstellt. "Viele fragen verwundert, und ich erkläre dann kurz und stoße hierbei immer auf Respekt. Für mich ist es inzwischen die Chance, mein bereits vorhandenes Fachwissen auf den aktuellen Stand zu bringen. Diese Gelegenheit hat nicht jeder."

Neben ihm gibt es noch weitere Auszubildende jenseits der 30 in der Fachschule für Pflege und alle sind sich einig: Ist die Hemmschwelle überwunden, bestehen keine Probleme mehr. Lediglich finanziell ist dieses Leben eine Umstellung für Jones.

Wenn es seine Zeit zulässt, dann jobbt er zusätzlich bei der Caritas als Pflegehelfer. "Da ist mein Vorwissen ganz dienlich, denn der Lernaufwand ist für mich etwas geringer." In seiner Zukunft sieht sich Jones am ehesten in der Kardio- oder Neurologie. "Schauen wir mal, wo mich das Leben noch hinführt."