Konzert

Pianist Michael Leuschner hat auch nach Jahrzehnten noch Lampenfieber

Markus Zimmermann

Von Markus Zimmermann

Di, 04. Februar 2020 um 19:37 Uhr

Denzlingen

Denzlingen ist die Wahlheimat des emeritierten Klavierprofessors Michael Leuschner. Am Samstag spielt er eine Auswahl seiner Lieblingsstücke auf dem Konzertflügel im Kultur- und Bürgerhaus.

"Lieblingswerke" wird Michael Leuschner am Samstag beim Klavierabend des Kulturkreises im Denzlinger Kultur- und Bürgerhaus (KuB) zu Gehör bringen. "Immer die Werke, die ich für ein Programm einstudiere, sind meine Lieblingsstücke, sonst würde ich sie nicht spielen", erklärt der emeritierte Professor für Klavier und macht damit durch die Blume klar, dass das Publikum sich nicht nur auf das Konzert eines Könners freuen kann, sondern auch auf einen Musiker, der mit Herzblut dabei ist.

Der Flügel kam mit dem Kran

Das Konzert wird ein Heimspiel. Leuschner ist 1990 nach Denzlingen gezogen. "Wir kannten es nicht, es war in und um Freiburg nur schwer, etwas zu finden, und wir haben es nie bereut", erklärt er. In Erinnerung ist vielen noch, dass sein Flügel mit einem Kran von außen in das Übungszimmer unterm Dach des Doppelhauses gehievt wurde. Ein Jahr später übernahm Leuschner den Vorsitz des Kulturkreises , seit der Eröffnung 2003 kennt er das Kultur- und Bürgerhaus und den dortigen Konzertflügel. "Ich bin vertraut mit der Situation", sagt er und weiß dennoch, dass er "auch am Samstag bestimmt wieder so etwas wie Lampenfieber haben wird". Eine gewisse Spannung gehöre für ihn zu jedem Konzert dazu, auch wenn er mit dem Dreisam-Trio und als Solist schon zigfach auf der Bühne des KuB stand. "Als ich 2012 den Vorsitz des Kulturkreises abgab, waren es schon mehr als 50 Konzerte – und seither sind noch einige dazugekommen", erklärt der erste Denzlinger Kulturpreisträger.

"Ein Konzertflügel ist etwas Lebendiges."

Michael Leuschner

Mit dem Hausinstrument, einem Bösendorfer-Konzertflügel, ist er vertraut, auch wenn der nicht immer gleich klinge. "Ein Konzertflügel ist etwas Lebendiges", betont Leuschner. Für den Klang des Instruments im Konzertsaal gebe es sehr viele Faktoren, beginnend bei der Intonation durch den Stimmer Berthold Hess. "Die seit Bach temperierte Stimmung bedingt aber auch, dass ein Flügel immer Unsauberkeiten hat", erklärt Leuschner. Dafür könnten auf so einem Instrument alle und nicht nur bestimmte Tonarten gespielt werden. Großen Einfluss auf den Klang habe auch das Wetter und nicht zuletzt die Zahl der Besucher. Lassen viele Gäste die Kasse klingeln, sei das für den Klang nicht unbedingt förderlich. "Das ausverkaufte Konzert zur Eröffnung des Kultur- und Bürgerhauses war nicht schön, die Akustik war regelrecht trocken."

"Frei vom regelmäßigen Unterrichten zu sein", genießt der emeritierte Professor. Ab und an fragten ihn ehemalige Studenten um Rat, und in China seien seine Meisterkurse gefragt. Regelmäßiges Klavierspielen, täglich drei Stunden, gehört für Leuschner dennoch zum Alltag. Er genießt es, sich "in Ruhe nie gespielten oder neuen Werke, die ich nicht kannte, zu erarbeiten". Neuem aufgeschlossen war er schon immer. Bei der Ausarbeitung von Konzertprogrammen habe er immer versucht, mindestens ein noch nie von ihm gespieltes Werk einzubauen.

Mit Worten nicht zu fassen

Solche Stücke sind dann auch für ihn Anlass, einmal Musik von einem Tonträger zu hören. Wenn er mit einem Stück oder einem Stil nicht vertraut sei, lege er eine CD auf, ansonsten komme das weniger vor, und Musik nebenher zu hören, ist gar nicht seins. Abgesehen vom Autofahren, bei dem er den Sender SWR 2 hört und dabei auch gelegentlich Jazz. "Das klingt teils sehr spannend", sagt der ansonsten reine Klassikfreund, der mit zehn Jahren begonnen hat, Klavier zu spielen. "Für heute ein relativ später Zeitpunkt", sagt er. Entscheidend sei jedoch für den Start in ein Musikerleben nicht das Alter, sondern das Interesse. Bach, Beethoven, Debussy, Schubert und Schumann zählt er als die für ihn wichtigen Komponisten auf. Dass 2020 das 250. Geburtsjahr Beethovens gefeiert wird, ist für ihn weniger von Bedeutung, vielmehr ist es das Werk des Komponisten. "Eine wichtige Säule in meinem Repertoire", betont er. Sämtliche 32 Sonaten habe er schon mehrfach als Zyklus gespielt.

Auf dem Programm stehen Bach und Beethoven

Am Samstag wird er Bachs Partita in G, eine klingende Europareise, "Image I" und "L’isle joyeuse" von Debussy und die Beethoven-Sonaten Op. 31,2 (Sturm) in D sowie Op. 81a (Les Adieux) in E spielen. Die Beziehung der Werke zueinander, den roten Faden des Programms, sieht er darin, dass die Komponisten ihren Werken "Titel" gaben. Ungewöhnlich sei das für Musiker und weniger üblich als bei Malern. Denn: Die Stücke sprächen für sich, Titel lenkten ab, findet Leuschner. "Musik drückt etwas aus, was man mit Worten nicht fassen kann."
Klavierabend am Samstag, 8. Februar, 20 Uhr, im Denzlinger Kultur- und Bürgerhaus. Gespielt werden Werke von Johann Sebastian Bach, Claude Debussy und Ludwig van Beethoven. Tickets kosten 18 Euro, ermäßigt 16 Euro und sind erhältlich bei bz-ticket.de, in den BZ-Geschäftsstellen, unter Tel. 0761/ 496 8888 sowie über die Buchhandlung Losch, Tel. 07666/2153. Kinder und Jugendliche bis zu 16 Jahren haben freien Eintritt.