Verzögerung

Planungsfehler stoppt Bauarbeiten an Hinterzartener Schanze

Dieter Maurer

Von Dieter Maurer

Mi, 14. Oktober 2020 um 14:24 Uhr

Hinterzarten

Das Stahlgerüst, das die Anlaufspur tragen soll, passt nicht zum bestehenden Treppenturm der Rothaus-Schanze, die Bauarbeiten ruhen. Die Fertigstellung könnte sich um Monate verzögern.

Seit Tagen macht der Begriff "worst case" in Hinterzarten die Runde. Gemeint ist die unterbrochene Erneuerung des Anlaufs der Rothaus-Schanze im Adler-Skistadion. Beim Aufbau der ersten Teile des neuen Stahlgerüsts Ende vergangener Woche stellten die Verantwortlichen Maßdifferenzen zum bestehenden Treppenturm fest. Stahlträger und Turm kamen nicht zusammen. Die Arbeiten wurden sofort eingestellt, die Suche nach der Ursache begann. Die Fertigstellung der Sprunganlage dürfte sich voraussichtlich um Monate verzögern.
"Das ist ein herber Schlag für unseren Bundesstützpunkt und die Gemeinde Hinterzarten." Klaus-Michael Tatsch
"Das ist ein herber Schlag für unseren Bundesstützpunkt und die Gemeinde Hinterzarten", zeigte sich Bürgermeister Klaus-Michael Tatsch bestürzt, als ihn das für den Umbau zuständige Architekturbüro Renn aus Fischen über die technischen Probleme informierte. Die Mehrkosten sind derzeit noch nicht abzuschätzen.

Frauen-Weltcup wird abgesagt

Am Donnerstag treffen sich Vertreter des Allgäuer Architekturbüros sowie eines Vermessungsbüros mit der Gemeinde als Eigentümerin der Sportanlage zu einem ersten klärenden Gespräch. Dabei geht um Ursachenforschung sowie die Tragweite des Fehlers. Tatsch: "Erst dann kann ich Konkretes zu Ursachen, Folgen, Lösungen und Kosten sagen."

Fakt ist laut einer Pressemitteilung der Gemeinde: "Es werden Anpassungen notwendig sein, die einer entsprechenden Umplanung bedürfen und im Anschluss nochmals die Prüfstatik durchlaufen müssen." Erst danach können die Arbeiten fortgesetzt werden.

Die für Dezember geplanten Trainingslehrgänge am nordischen Bundesstützpunkt im Hochschwarzwald sind damit ebenso abgesagt wie der für das letzte Januarwochenende 2021 geplante Frauen-Weltcup. Dieser soll möglichst in einen Skiort in der Region verlegt werden.

Alternative Austragungsorte werden geprüft

Das Organisationskomitee Hinterzarten prüft in enger Abstimmung mit dem Deutschen Skiverband und dem Weltskiverband alternative Austragungsorte.

Von der Schreckensnachricht geschockt zeigte sich auch die Vorsitzende des Skiclubs, Tanja Metzler: "Erst im September haben ehrenamtliche Helfer die einige hundert Meter lange Bande im Auslauf erneuert und damit eine Vorgabe des Weltskiverbands erfüllt." Darüber hinaus habe es freiwillige Einsätze gegeben: "Unsere Planungen für die Trainingslehrgänge und den FIS-Weltcup mit Einweihung der erneuerten Sportanlage liefen auf Hochtouren", so Metzler. Die Lehrgänge auf der nebenan gelegenen K-70-Europapark-Schanze finden planmäßig statt.

Der Gemeinderat hatte den Auftrag für die Stahl- und Metallbauarbeiten in der öffentlichen Sitzung am 28. April für 535 348 Euro an eine Fachfirma aus Muldau vergeben. Der jetzige Baustopp an der Rothaus-Schanze wird das Gremium in seiner öffentlichen Sitzung am kommenden Dienstag, 20. Oktober, im Kurhaus beschäftigen. Dort sollen der international renommierte Architekt Hans Martin Renn und Projektleiter Andreas Fauter die Ergebnisse der Expertenrunde vom Donnerstag erläutern. Die Übernahme der Mehrkosten für das Drei-Millionen-Projekt dürfte sich nach dem Verursacherprinzip richten.