Berliner Straße

Polizei ermittelt nach tödlichem SEK-Einsatz in Kehl

BZ-Redaktion, Valentin Heneka

Von BZ-Redaktion & Valentin Heneka

Mo, 26. Oktober 2020 um 13:59 Uhr

Kehl

Nachdem am Sonntag ein 53-Jähriger bei einem SEK-Einsatz in Kehl erschossen wurde, ermitteln Polizei und Staatsanwaltschaft. Fest steht derzeit: Der Mann war allein in seiner Wohnung.

Wie Staatsanwaltschaft Offenburg und Polizeipräsidium Offenburg in einer gemeinsamen Pressemitteilung schreiben, dauern die Ermittlungen zum genauen Ablauf der Geschehnisse am Sonntagnachmittag in der Berliner Straße in Kehl an.

"Er war alleine in der Wohnung", sagt Wolfgang Kramer, Sprecher des Polizeipräsidiums Offenburg. Bevor das SEK die Wohnung am Sonntag gegen 16.30 Uhr betreten habe, habe die Polizei über mehrere Stunden intensiv versucht, Kontakt zu dem 53-Jährigen aufzunehmen. Auch eine speziell geschulte Verhandlungsgruppe sei vor Ort gewesen. Da der Mann, ein afghanischer Staatsangehöriger, kein oder wenig Deutsch gesprochen habe, seien auch Dolmetscher hinzugezogen worden, so Kramer.

Bereits gegen 10 Uhr soll ein Zeuge per Notruf gemeldet haben, dass ein Mann mit einem Messer auf der Straße herumlaufe. Daraufhin soll sich dieser in seine Wohnung in der Berliner Straße zurückgezogen haben. Mehrmals sei der Mann ans Fenster getreten, wobei den Beamten eine blutende Wunde aufgefallen sei. Nach Einschätzung der Polizei soll er sich diese selbst zugefügt haben.

Die Polizei habe schließlich entschieden, die Wohnung zu betreten. Für den Mann habe eine Eigengefährdung bestanden, eine Fremdgefährdung habe nicht ausgeschlossen werden können, so die Polizei.

Keine Anhaltspunkte für politischen Hintergrund

Nach bisherigen Erkenntnissen ist der mutmaßliche psychische Ausnahmezustand des afghanischen Staatsangehörigen möglicherweise auf eine entsprechende Erkrankung zurückzuführen. Bereits vor etwa einem Monat (24. September) sei er in ähnlicher Weise und in vergleichbarem Zustand auffällig geworden, so die Pressemitteilung der Polizei . Damals habe er mit einem Küchenmesser einen Nachbarn bedroht und sei in der Folge in eine Fachklinik gebracht worden.

Anhaltspunkte für einen politischen Hintergrund des Vorfalls liegen laut Polizei und Staatsanwaltschaft aktuell nicht vor.

Laut Innenministerium Baden-Württemberg sind seit 2019 vier Menschen durch Schusswaffengebrauch bei Polizeieinsätzen gestorben.