Fleet Foxes

POP: Der lichte Charme des Optimismus’

Stefan Franzen

Von Stefan Franzen

Do, 15. Oktober 2020

Rock & Pop

Es war ein hübscher Coup, mit dem die Seattler Folkrockband ihr viertes Album veröffentlichte: Pünktlich zur Tagundnachtgleiche streamten sie "Shore", ihr Album zur Pandemie, die Bandleader Robin Pecknold mit dem Rückzug in seine Küche, der gelegentlichen Teilnahme an Black-Lives-Matter-Demos und natürlich mit Songschreiben bewältigte. Paradoxerweise öffnete Corona dem zu nagenden Selbstzweifeln neigenden Pop-Poeten neue musikalische Türen. Denn mehr als alle Fleet-Foxes-Alben zuvor, allen voran dem düster-mythischen Vorgänger "Crack-Up", verströmt "Shore" den lichten Charme des Optimismus. Die 15 Songs fließen oft in majestätischen Dur-Tonarten: "Jara" erinnert an die strahlenden, verhallten Hymnen der Byrds, "Featherweight" kleidet sich mit leicht verstimmten Schrammelgitarren als verträumter Schlafzimmer-Folk ein, "Quiet Air" schichtet Pecknolds Stimme zu einem fast sakralen Chor. Mit "Maestranza" besitzt das Album eine muskulös trabende Rocknummer, mit "Cradling Mother…" eine strahlende Apotheose, in der sich der ohnehin voluminöse Bandsound zu Blechbläsern weitet. Und trotz der mächtigen Sounds bleibt "Shore" intim und empfindsam mit Widmungen an zu früh gegangene Musikerkollegen und an die Laute der Natur, die zwischen den Songs aufscheinen.

Fleet Foxes: Shore (Anti/Indigo), derzeit nur digital erhältlich, CD/Vinyl ab 5.2.21.