Nachweis daheim

Praxistest: So funktionieren Corona-Tests per Video

Tom Nebe

Von Tom Nebe (dpa)

Do, 21. Oktober 2021 um 14:01 Uhr

Panorama

Statt ins Corona-Testzentrum zu gehen, braucht es nur das Smartphone? Anbieter von Online-Schnelltests versprechen gültige Nachweise auf unkomplizierte Weise. Aber klappt das eigentlich?

Immer mehr Testzentren machen dicht. Wie und wo kommt man jetzt als Nicht-Geimpfter und Nicht-Genesener an einen zertifizierten Coronavirus-Testnachweis? Wäre doch bequem, wenn das daheim ginge. Tatsächlich gibt es hierfür Anbieter. Das Prinzip: Man besorgt sich einen zugelassenen Selbsttest und macht ihn vor der Smartphone-Kamera. Geschulte Menschen beobachten, ob alles richtig läuft, prüfen das Ergebnis und senden einem das Testzertifikat zu. Wie viel ein Videotest-Zertifikat wert ist, darüber haben die Anbieter und das Bundesgesundheitsministerium unterschiedliche Ansichten.

Kosten

Beim Anbieter "covidtestonline" kostet eine Überwachung 14,90 Euro, bei "Freetogo" 19,99 Euro. Die Kosten für den Selbsttest kommen hinzu, sind aber überschaubar: Tests gibt es bei Discountern teilweise für weniger als einen Euro.

Praxistest I: Video aufnehmen

Bei "covidtestonline" ist das Zertifikat rasch gekauft, per Mail kommt ein Code, mit dem sich der Test starten lässt. Nach der Eingabe persönlicher Daten und der Ausweisnummer folgt ein digitaler Identitätscheck. Bei diesem Anbieter muss man den kompletten Ablauf des Tests filmen, vom Auspacken des Test-Kits über den Abstrich bis zur Entwicklung der Teststreifen. Am Ende hält man die Kassette mit dem Ergebnis vor die Kamera. Die Aufnahme dauert rund 20 Minuten.

Schaut sich das wirklich jemand komplett an? Ja, allerdings würden die 15 Minuten Wartezeit bis zum Testergebnis schneller abgespult, sagt Timo Scharpenberg, Geschäftsführer der Firma Coteon, die das Portal "covidtestonline" betreibt.

Eine gute Viertelstunde nach dem Test kommen Ergebnis und Zertifikat per E-Mail. "Wir winken nicht jeden durch", sagt Scharpenberg. Bei sechs bis neun Prozent liege die Ablehnungsquote. Dann gibt es einen kostenlosen Zweitversuch.

Praxistest II: Mit Anleitung

Einen anderen Ansatz wählt die App "freetogo", hinter der ein Start-up der Uni Potsdam steckt. Hier erfolgt der Test teils unter Aufsicht: Man telefoniert per Video mit einer Person, die assistiert und beobachtet. Kurz nach Testende kommt das Zertifikat per Mail. Auch diese Variante funktioniert gut, wenngleich die Durchführung in der App manchmal hakte.

Fazit

Im Vergleich zum Testzentrum dauert das Testen mit Videoaufzeichnung länger. Dafür entfällt aber der Weg ins Testzentrum. Bei "covidtestonline" kann man sich die Zertifikate in verschiedenen Sprachen zusenden lassen. Mitgründer und Chef der App "freetogo", Matthias Weingärtner, sieht den Nutzen für Urlauber, aber auch an anderer Stelle: zum Beispiel, wenn jemand kein Testzentrum in der Nähe habe.



Das Bundesministerium für Gesundheit sieht die digitalen Testmöglichkeiten kritisch. Per Video sei eine gründliche Überwachung der Testung nur eingeschränkt möglich, heißt es auf Anfrage. Nach Ansicht des Ministeriums gehen die Zertifikate der Anbieter auch nicht als offizielle Zertifikate durch.

Die Anbieter sehen das anders. So stützt sich die hinter "covidtestonline" stehende Gesellschaft Coteon auf eigene Rechtsgutachten durch die Kanzlei Fieldfisher und die Rechtsanwaltsgesellschaft KPMG Law. Diese kommen zum Ergebnis, dass die Nachweise der Ausnahmeverordnung entsprächen.