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Pro und Contra Privatschule: Stimmen zur Debatte ums Heitersheimer Malteserschloss

BZ-Redaktion

Von BZ-Redaktion

Fr, 19. Juli 2019 um 15:21 Uhr

Heitersheim

Die Debatte um das Heitersheimer Malteserschloss bewegt weiter die Gemüter. Drei Leserzuschriften, die sich kritisch, aber auch wohlwollend mit den Plänen für eine Privatschule beschäftigen.

Impuls im Sinne der Geschichte

Das Malteserschloss in Heitersheim trägt wie der Eigentümer einen großen Namen. Die Malteser, Nachfolger der Templer durch Namensänderung und weil sie nach der Vertreibung aus Palästina durch Saladin vor 700 Jahren im Malta eine neue Zuflucht fanden, haben große geschichtliche Relevanz für das Abendland. Auf sie geht die Gotik zurück, der bargeldlose Zahlungsverkehr, Sicherung der Handelswege, viele beispielhafte soziale Gründungen und Zusammenhänge und das bedingungslose Eintreten für die Grundwerte christlicher Lebensweise. Leider konnten sie ihre Mission nicht vollständig umsetzen, weil ein habgieriger König und falsche Päpste dies unterbunden haben. Die Bürgerinitiative versucht dies unvergleichliche Erbe auf der Gemarkung Heitersheim in die Gegenwart zu retten, Bürgermeister Löffler argumentiert wirtschaftskonform mit Rendite und Kosten. Es lässt sich wieder einmal darauf reduzieren: " Entweder man will etwas oder man hat Gründe."

Das heutige Denken ist ausgelegt auf Rendite. Das heißt, man investiert und arbeitet nicht selbst, sondern lässt andere arbeiten und steckt deren erarbeitete Früchte ein. Ein verbogenes Rechtssystem machts möglich. Hätten unsere Vorfahren genau so gedacht, es wäre nie ein Kloster gebaut worden, eine Universität gegründet. Die heutige, zum Teil noch erhaltene Kultur wäre erst gar nicht erstanden. Darwin wäre die Realität und ehrlich, lohnt es sich dafür zu leben?

Als gebürtiger Heitersheimer möchte ich an Bürgermeister Löffler appellieren: Erkennen Sie die Gunst der Stunde und geben sie dem Malteserschloss einen neuen Impuls im Sinne des geschichtlichen Templer/Malteserordens: eine in die Zukunft strahlende kulturelle und soziale Funktion zum Wohle und Beispiel für Heitersheim und Umgebung. Armin Liebisch, Badenweiler

Kulturerbe gehört in öffentliche Hand

Als frisch gebackene Psychologin fing ich 1979 bei der Elternvereinigung Lebenshilfe in der Psychologisch-Therapeutischen Praxis an zu arbeiten, voller Enthusiasmus für die Arbeit mit behinderten Kindern und deren Familien – im Malteserschloss im Haus Lambert . Nach meinem Eindruck haben besonders auch schwer behinderte Kinder die schöne Atmosphäre der Räume und der Umgebung – die Linde im Hof! – wahrgenommen und sich dort wohl gefühlt. Neben meiner eigentlichen Arbeit gehörte damals an Samstagen auch die Reinigung der Praxis, eine Aufgabe die ich sehr gerne übernommen habe, weil ich die geschichtsträchtigen Gebäude, die besondere Atmosphäre geliebt habe und mich privilegiert fühlte, an einem solchen Ort arbeiten zu dürfen. Besonders schön fand ich es, sozusagen als persönlichen Beitrag zur Denkmalpflege, die Flurböden aus etwa 20 Meter langen, durchgehenden breiten Eichenbalken mit Bohnerwachs und Blocker zu bearbeiten. Ein meditatives Vergnügen, bei dem man über Vorpflegerinnen sinnieren und auf Zeitreise gehen konnte...

Die Nutzung des Schlosses war für viele Jahrzehnte vielfältig,die "Schwöschtere" und der geistliche Herr lebten dort, Schule und Werkstatt für geistig und lernbehinderte Menschen hatte dort eine Heimstatt. Die Gebäude waren der Öffentlichkeit nicht voll, aber doch teilweise zugänglich, das Schloss gehörte einfach zu Heitersheim dazu!

Mein beruflicher Blick und meine Interessen haben sich in den letzten 40 Jahren geweitet auf unsere Lebenswelt, unsere Umwelt und die kulturellen Gegebenheiten. Nicht nur die Offenhaltung der Weiden sind mir wichtig geworden, auch die Offenhaltung von kulturellem Weideland. Wie wollen wir unseren Kindern und Jugendlichen etwas von unserer kulturellen Identität und ihren spirituell- geistigen Werten vermitteln, wenn wir so sorglos und achtlos mit ihnen umgehen, gerade in Zeiten der Globalisierung? Heimat beginnt immer vor der Haustüre, ist regional hat mit anfassen, begreifen, erleben zu tun, damit wir berührt werden und uns verbinden können. Einer Heimattümelei soll hier nicht das Wort geredet werden, denn es spricht ja nichts dagegen in die Welt zu ziehen. "Gib Deinen Kindern Wurzeln, dann wachsen ihnen Flügel"

Ein Kulturdenkmal und Kulturerbe von der Bedeutung und Größenordnung des Malteserschlosses gehört meines Erachtens in öffentliche Hand. Wie kann es sein, dass diese historisch wichtige Anlage nicht mehr ideelle und finanzielle Unterstützung von staatlicher, von Landesseite und von kommunaler Seite erhält? Wie kann es sein, dass für Nutzungskonzepte offenbar kaum Ideen da sind – außer vonseiten der Bürgerinitiative – und die Stadt ein Vorkaufsrecht möglicherweise ungenutzt verfallen lässt?

Was ein Ausverkauf kulturhistorisch bedeutsamer, Ortsgeschichte und Ortsbild prägender Gebäude bedeuten kann, erleben wir in Badenweiler gerade schmerzlich mit dem Verkauf des Hotel Römerbad an thailändische Investoren.Das Hotel steht seit bald vier Jahren ungenutzt leer. Ingeborg Lambert-Sennrich, Badenweiler

Historisch einmalige Chance

Liebe Heitersheimer, die ins Auge gefasste Einrichtung eines internationalen Internats im Malteserschloss ist die Chance Ihres Lebens. Verspielen Sie sie nicht!

Ich kann all die idealistischen Vorstellungen von der "Oase der Ruhe", vom Weinkeller, vom Luxushotel und von Hochzeiten in der Schlosskirche gut nachvollziehen. Auch Arztpraxen, Cafés sind gute Ideen, erfordern heute aber auch größere Umbauten. Und wo sollen eigentlich die vielen Autos des "Publikumsverkehrs" später alle parken? Im Innenhof des Schlosses?

Ich selbst habe mich schon vor über 40 Jahren, um 1975, für die Einrichtung eines Maltesermuseums im Schloss engagiert und kann mich noch gut an die erste Begehung der düsteren Kellerräume zusammen mit meinem Vater und dem Architekten Heinz Sütterle erinnern. Auch ich habe eine emotionale Bindung an "unser" Schloss. Aber man muss in einem solchen historischen Augenblick die Dinge realistisch und in Ruhe durchdenken und dann auch geschickt verhandeln, nicht die Sache von vornherein niedermachen.

1. Das Schloss gehört seit über 120 Jahren einem "privaten Investor". Welch ein Glück! Keine öffentliche Hand hätte diese Gebäude und Parks zu so einem Schmuckstück machen können. Wie heruntergekommen war denn der Innenhof vor 50 Jahren! Die Kosten für die Instandhaltung der Gebäude, die gärtnerische Pflege (Hausmeister, Gärtner, Heizkosten etc.) belaufen sich auch in der Zukunft auf jährlich mindestens eine Million Euro. Die müssten Sie als Bürger im Zweifel jedes Jahr aus Ihren Steuern bezahlen. Vor allem auch, falls einige der Gebäude leer stehen sollten und nicht vermietet werden können, was doch sehr wahrscheinlich ist. Wer immer schon einmal mit dem Denkmalschutzamt zu tun hatte, der weiß, dass von dort kein Geld kommen wird. In Deutschland haben wir schon viel zu viele leerstehende und verfallende Schlösser. In Badenweiler sehen wir täglich was die "öffentliche Hand" bewirkt: das Markgräfliche Palais steht leer und das Renommé-Hotel Römerbad steht seit vier Jahren still und verfällt, weil die Denkmalschutz- und die Brandschutzbehörden sich mit widersprüchlichen Auflagen gegenseitig bekriegen.

2. Ein internationales Internat, das langfristig Geld verdienen will, muss sich um ausgezeichnete Lehrer und einen hohen Standard, sowohl baulich als auch pädagogisch, bemühen. Auch die Schüler werden eher aus wohlhabenden (und "vernünftigen") Familien kommen, die international in der Wirtschaft tätig sind und daher von ihren Firmen ins Ausland versetzt werden. Internatskosten pro Schüler: zirka 30 000 bis 40 000 Euro pro Jahr. Auch wenn diese Familien nicht in Heitersheim (sondern eher in Freiburg, Basel, Karlsruhe, Straßburg oder Frankfurt) wohnen werden, so werden sie bei Besuchen ihrer Kinder zusätzliche Übernachtungen in Heitersheim generieren und den Tourismus insgesamt fördern. Vielleicht sollte der Gemeinderat mal einen Ausflug nach Schloss Salem am Bodensee unternehmen, um sich dort nach den indirekten und direkten finanziellen und sozialen Auswirkungen einer solchen Schule zu erkundigen.

3. Vor fast 40 Jahren wurde in Kaysersberg im Elsass eine japanische Schule gegründet, die von 1986 bis 2005 existierte. Fast parallel mit der Planung der Schule durch einen Elsässer entschlossen sich mehrere japanische Firmen wie z. B. Sony im Elsass zu investieren und schufen über 700 neue Arbeitsplätze. Sie wussten, dass die Kinder ihrer entsandten Angestellten dort ihren Unterricht erhalten würden, so dass sie nach ihrer Rückkehr nach Japan keine Schulzeit verloren. Das Elsass wurde zum bevorzugten Investitionsstandort der Japaner. Heute gibt es in Straßburg ein Institut zur Zusammenarbeit französischer und japanischer Universitäten. Auch dies ein Beispiel, das man in Ruhe studieren sollte, natürlich auch die Gründe, warum die Schule heute nicht mehr existiert.

4. Durch kluges und geschicktes Verhandeln lässt sich auch ein chinesischer Investor dazu bringen, nicht nur die Instandhaltung und Pflege der historischen Anlage des Malterschlosses dauerhaft zu übernehmen und das Maltesermuseum weiter zu beherbergen, sondern auch der Heitersheimer Bevölkerung einen geregelten Zugang zu der "Oase der Stille" zu gewähren, einschließlich Sommerkonzerte des Musikvereins unter der Gerichtslinde, vielleicht auch zusammen mit dem Internatsorchester? Und schließlich gibt es ja mit dem Schlosspark in unmittelbarer Nähe für die Bürger noch eine weitere Oase der Stille mit vielen Bänken zum Ausruhen, einem Café, einem Museum und sogar einem Platz zum Schach spielen. Ich sehe dies als historisch einmalige Chance, das Malteserschloss in seiner Gänze zu erhalten. Sie sollte nicht vertan werden. Willi Späth, Badenweiler