Projekt Zukunft

Jakob Schönhagen

Von Jakob Schönhagen

Mo, 14. Oktober 2019

Volleyball

Volleyballerinnen des VC Offenburg zeigen beim 3:0-Erfolg über Ulm, wohin es noch gehen kann.

OFFENBURG. Beim ersten Heimspiel nach dem Rückzug aus der Zweiten Bundesliga deutet der VC Offenburg an, wohin die Reise dieses Jahr noch führen kann: Der 3:0-Sieg (25:19, 25:17, 25:20) über den VfB Ulm zeigt, dass mit dem jungen und hochveranlagten Team in der Dritten Liga zu rechnen ist.

Als der zweite Satz gerade einmal ein paar Ballwechsel alt war, rieb sich der eine oder andere der rund 250 Zuschauer, die sich am Samstagabend in der Nordwesthalle zur ersten Heimpartie der Drittliga-Volleyballerinnen des VCO eingefunden hatten, erstaunt die Augen. Die Einheit, die Trainerin Richarda Zorn nach dem souveränen ersten Satzgewinn aufs Parkett beordert hatte, dürfte so ziemlich die jüngste VCO-Auswahl des letzten Jahrzehnts gewesen sein.

"Wir haben uns den Spaß gemacht und einmal durchgerechnet", frohlockte denn auch hinterher der gut aufgelegte sportliche Leiter Florian Scheuer, der stolz verkündete: "Das Durchschnittsalter lag bei 18,3 Jahren." Die 25-jährige Zuspielerin Johanna Ewald – die zu dem Zeitpunkt einzige Spielerin mit Bundesligaerfahrung – wirkte da fast schon alt.

Eine gesunde Mischung aus Talenten und Erfahrenen

Auch wenn die 32-jährige Trainerin kurze Zeit später die erfahrene Lisa Solleder zur Stabilisierung der Annahme brachte und später noch die ebenfalls bundesligaerprobte Isabelle Herp: Das Konzept, auf das die Verantwortlichen nach dem Rückzug aus der Zweiten Bundesliga setzen, funktioniert. Beim VCO bauen sie auf eine gesunde Mischung aus jungen Talenten und einem Kern an erfahrenen Spielerinnen. Diese liefern die spielerische Sicherheit, die den Jungspunden die Freiheit bietet, ohne Druck aufzublühen.

In Mariella Bouagaa spielte fast zwei Sätze lang eine gerade einmal 14-jährige im Diagonalangriff, auf der Position also, auf deren Schultern die Hauptlast des Angriffsspiels lastet. Und auf Außenannahme, dem bisherigen Prunkstück, stellen Louisa Seib (18) und Svenja Rodenbüsch (16) ein erstaunlich stabiles Duo. Und zu guter Letzt wäre da noch Pia Buttgereit: Das 19-jährige Talent, das auf der psychologisch wie koordinativ anspruchsvollen Position der Libera gegen Aufsteiger VfB Ulm durchspielte.

A propos Ulm: Die Münsterstädterinnen präsentierten sich am Sonnabend letztlich als arg überforderte Einheit. "Wir schlagen eben sehr druckvoll auf", lobte Zorn. Immer wieder gelangen Serien, die Ulm derart unter Druck setzten, dass sie ihrerseits nicht ihr Angriffsspiel aufbauen konnten. Hinzu kam eine gehörige Portion Einsatz: "So wie ich mir das gewünscht hatte – mit viel Emotionen und Kampfgeist", freute sich Scheuer, der froh war, dass auch in Sachen Zuschauerandrang und Eventcharakter gegenüber den Bundesligapartien der letzten Jahre kein allzu großer Bruch stattfand. Durch den dritten Sieg im dritten Spiel rücken die Offenburgerinnen auf den dritten Tabellenplatz vor. Überbordende Jubelarien wollten sie dennoch nicht anstimmen. "Jetzt haben wir ein bisschen frei, dann aber geht’s ans Eingemachte", blickte der 39-Jährige Teammanager direkt nach vorn.

In Beiertheim, Bad Soden und Sinsheim trifft das Zorn-Team auf die drei Hauptkonkurrenten um den Titel. Denn ob sie wollen oder nicht: In der aktuellen Verfassung muss sich auch Offenburg zu den ernstzunehmenden Anwärtern auf die Meisterschaft zählen.