Promi-Spaziergang auf dem Friedhof

Gregor Tholl

Von Gregor Tholl (dpa)

Di, 24. November 2020

Panorama

Die Gräber von Berühmtheiten zu besuchen, hat einen morbiden Reiz für viele Menschen – insbesondere im Corona-Jahr.

"Wen suchen Sie denn?" – "Manfred Krug." "Der liegt da hinten." So klingt ein Gespräch in diesem Herbst auf dem Südwestkirchhof Stahnsdorf bei Berlin. Dutzende laufen hier mit einem Plan, der einen Euro am Eingang kostet, die Gräber von Prominenten ab. Darunter sind etwa die Ruhestätten des Schauspielers Manfred Krug ("Liebling Kreuzberg") und von Moderator Dieter Thomas Heck ("ZDF-Hitparade"). Weltberühmt wurde der Friedhof auch durch die Netflix-Serie "Dark", in der die Holzkapelle im Norwegen-Stil als Motiv zu sehen ist.

Doch nicht nur vor den Toren Berlins blüht im Corona-Jahr die für manchen makaber klingende Freizeitbeschäftigung des Friedhofstourismus. Das Phänomen ist pandemiegeeignet, denn auf einem Friedhof an der frischen Luft verhalten sich alle pietätvoll, reden wenig und halten Abstand.

Politiker
Der mit 91 Jahren gestorbene Konrad Adenauer wurde 1967 im Familiengrab auf dem Waldfriedhof in Rhöndorf bei Bonn beigesetzt. Kurt Georg Kiesinger liegt auf dem Stadtfriedhof Tübingen, Willy Brandt auf dem Waldfriedhof Berlin-Zehlendorf. Helmut Schmidt wurde 2015 in Hamburg auf dem Ohlsdorfer Friedhof bei seiner Frau Loki bestattet, Helmut Kohl 2017 hingegen in Speyer auf dem Friedhof des Domkapitels. Der langjährige Außenminister Hans-Dietrich Genscher liegt auf dem Rheinhöhenfriedhof in Ließem in Wachtberg bei Bonn. Der ehemalige Bundespräsident Theodor Heuss ist auf dem Waldfriedhof Stuttgart (Degerloch) bestattet. Der einzige Präsident der DDR, Wilhelm Pieck, wurde auf dem Berliner Zentralfriedhof Friedrichsfelde im Rondell der Gedenkstätte der Sozialisten begraben, wo sich unter anderem auch die Gräber von Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht befinden.

Köln
Auf dem unübersichtlichen Melaten-Friedhof, dem Zentralfriedhof von Köln, wurde unter anderem 2016 der mit 54 Jahren gestorbene Ex-Außenminister Guido Westerwelle beigesetzt. Außerdem liegen hier der Komiker Dirk Bach, und die Schauspielerin Hildegard Krekel.
München
Der idyllische Friedhof Bogenhausen an der spätbarocken Kirche St. Georg am rechten Isar-Hochufer ist rasch umrundet. Dort befinden sich die Gräber von Schriftsteller Erich Kästner, Filmemacher Rainer Werner Fassbinder, Filmproduzent Bernd Eichinger, Regisseur Helmut Dietl sowie neuerdings auch von SPD-Politiker Hans-Jochen Vogel. Die Urne von Filmstar Heinz Rühmann wurde hingegen in Aufkirchen in Berg am Starnberger See nahe München bestattet.

Frankfurt
Auf dem Frankfurter Hauptfriedhof sind unter anderem die Philosophen und Vordenker Theodor W. Adorno und Arthur Schopenhauer, die Schriftstellerin Ricarda Huch, der Arzt und Forscher Alois Alzheimer, die Psychologen Margarete und Alexander Mitscherlich, Autor Heinrich Hoffmann und der berühmte Autor und Literaturkritiker Marcel Reich-Ranicki bestattet.
Berlin
In der Hauptstadt gibt es besonders viele Ziele. Die in Paris gestorbene Marlene Dietrich wurde auf dem Friedhof Schöneberg III (Stubenrauchstraße) beigesetzt. Die Grabinschrift des Berliner Hollywood-Stars: "Hier steh ich an den Marken meiner Tage." Loriot (eigentlich Bernhard-Viktor von Bülow) liegt wie Klausjürgen Wussow auf dem Friedhof Heerstraße (Westend). Auf dem Waldfriedhof Dahlem sind die Gräber etwa von Harald Juhnke und Gottfried Benn. Auf dem Waldfriedhof Zehlendorf ruhen Hildegard Knef, Edith Hancke und Wolfgang Neuss.

Auf dem Friedhof Zehlendorf wurde Schauspieler Götz George begraben. Auf dem Alten St.-Matthäus-Kirchhof (Schöneberg) fanden die Brüder Jacob und Wilhelm Grimm sowie Sänger Rio Reiser ihre letzte Ruhe. Auf dem Dorotheenstädtischen Friedhof befinden sich zum Beispiel die Gräber von Schriftsteller Bertolt Brecht, Schauspielerin Helene Weigel, Egon Bahr, Christa Wolf, Georg Wilhelm Friedrich Hegel, Otto Sander und der beliebte Gegenwartsautor Wolfgang Herrndorf.

Hamburg
Der Friedhof Ohlsdorf ist mit etwa vier Quadratkilometern fast doppelt so groß wie der Stadtstaat Monaco an der Côte d’Azur und hat sogar eine eigene Buslinie. Seit der Eröffnung 1877 wurden rund anderthalb Millionen Menschen dort beigesetzt. Viele Prominente haben dort ihre letzte Ruhe, wie die Schauspielerinnen Inge Meysel, Monica Bleibtreu, aber auch Hans Albers und Gustaf Gründgens sind hier bestattet, zudem die Journalistin Wibke Bruhns, "Tagesschau"-Sprecher Karl-Heinz Köpcke, Kritiker Hellmuth Karasek, Autor Harry Rowohlt, der Publizist, TV-Talk-Moderator und Intellektuelle Roger Willemsen, Pop- und Jazz-Musiker Roger Cicero und Komiker Heinz Erhardt. Das Grab von Hamburg-Ikone Heidi Kabel befindet sich dagegen auf dem Nienstedtener Friedhof.