Berlin

Prozess im Fall Weizsäcker verzögert sich

dpa

Von dpa

Di, 19. Mai 2020 um 19:27 Uhr

Panorama

Kaum begonnen, schon vorbei. Ganze sieben Minuten dauert der Auftakt des Prozesses um die tödliche Messerattacke gegen Fritz von Weizsäcker am Dienstag am Berliner Landgericht.

Auf den Tag genau sechs Monate zuvor soll ein 57-Jähriger den Chefarzt aus Hass erstochen und einen Polizisten, der dazwischen ging, schwer verletzt haben. Der Angeklagte will sich zu den Vorwürfen äußern. Doch das geht nicht, weil der psychiatrische Sachverständige verhindert ist. In dem Prozess geht es auch um die Schuldfähigkeit des Mannes aus Andernach in Rheinland-Pfalz.

Mord an dem Mediziner sowie versuchter Mord an dem Polizisten sind angeklagt. Der Angreifer habe den Mediziner heimtückisch und aus niederen Beweggründen getötet, heißt es in der Anklage. Die Staatsanwaltschaft geht bislang davon aus, dass der Mann bei den Taten psychisch krank gewesen sei, sie hält den ledigen Deutschen für vermindert schuldfähig. Der Tod des 59-Jährigen hatte bundesweit Erschütterung ausgelöst. Langjähriger Hass auf die Weizsäcker-Familie sei das Motiv gewesen, so Staatsanwältin Silke van Sweringen.

Der frühere Packer in einem Logistikzentrum lässt sich vor Beginn fotografieren, deckt sein Gesicht nicht ab, er will offensichtlich erkannt werden. In seiner Box aus Panzerglas wirkt er grau und hager. Ihm gegenüber haben Beatrice von Weizsäcker – die Schwester des toten Arztes – sowie der damals verletzte Polizist Platz genommen. Sie sind zwei der vier Nebenkläger. Zwei Kinder im Teenageralter werden von Anwalt Roland Weber vertreten. Sie seien schwer getroffen, sagt Weber. "Sie haben ihren Vater von einer Sekunde auf die andere verloren." Fritz von Weizsäcker ist auf dem Berliner Waldfriedhof neben seinem Vater, dem ehemaligen Bundespräsidenten, der im Alter von 94 Jahren starb, begraben. Der Prozess wird am 26. Mai fortgesetzt.