BZ-INTERVIEW

Psychologin erklärt, warum Wölfe häufig heftige Reaktionen auslösen

Susanne Gilg

Von Susanne Gilg

Di, 10. Oktober 2017 um 21:00 Uhr

Schluchsee

BZ-Plus Für die einen stehen Wölfe für eine intakte Natur, für andere sind sie Problemtiere. Die Psychologin Uta Maria Jürgens erforscht die Mechanismen, die hier greifen. Warum Wölfe wie der Schluchseewolf so polarisieren, erklärt sie im Interview.

Nach dem Fund des erschossenen Wolfs im Schluchsee reißen auch die Diskussionen, Spekulationen und Gerüchte im Hochschwarzwald nicht ab. Die Psychologin Uta Maria Jürgens erforscht die Mechanismen, die hier greifen und was man besser machen kann, um Konflikte mit Wildtieren von vornherein zu vermeiden. Auch der Wolf gehört zu den Tieren, die sie genauer betrachtet. Susanne Gilg wollte von der Forscherin wissen, warum etwa der Schluchseewolf derart polarisiert.

BZ: Da wandert ein Wolf 600 Kilometer von Niedersachsen in den Hochschwarzwald, wird erschossen und sein Kadaver in den Schluchsee geworfen. Warum löst ein Tier, das niemandem auf seinem Weg hierher etwas getan hat, so eine heftige Reaktion aus?
Jürgens: In der öffentlichen Wahrnehmung kommt es häufig nicht auf das Individuum an. Wenn man sich die Art und Weise anschaut, wie über Wölfe geredet wird, dann spricht man meist über den Wolf, also über ein Abstraktum und nicht über diesen konkreten Wolf, der da durch den Schwarzwald streift.

BZ: Warum ist das so?
Jürgens: In unseren Vorstellungen von dem Wolf werden all die Dinge gespeichert, die wir als typisch für Wölfe erachten. Wenn dann ein konkreter Wolf auftaucht, rufen wir all diese Annahmen ab, die wir über Wölfe allgemein haben. Da stecken zum einen Berichte über Wölfe drin, die tatsächlich auffällig geworden sind, zum anderen unsere ganzen kulturellen Erfahrungen, aber auch Mythen und Märchen.

BZ: Kommt da Rotkäppchen ins Spiel?
Jürgens: Ja, zum Beispiel hat ein kluger Feuilletonist einmal vom Rotkäppchen-Syndrom gesprochen. Denn wir treffen niemals nur auf ein Tier, sondern wir Menschen bringen schon ganz viel Interpretationen und Anschauungen mit, die das konkrete Tier dann aufruft. So hat das einzelne Individuum sich vielleicht gar nichts zuschulden kommen lassen, es steht aber archetypisch für das, wovor wir uns fürchten – oder aber auch für das, worüber wir uns freuen.

"Über Konkretes zu reden ist oft nicht möglich, weil so viele Emotionen im Spiel sind."
BZ: Wenn man sich hier im Hochschwarzwald umhört, scheint die ...

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