Häusliche Gewalt

Quälende Fragen nach dem Tod zweier Menschen in Teningen

Holger Knöferl

Von Holger Knöferl

Mo, 20. November 2017 um 10:06 Uhr

Südwest

BZ Plus Am 28. Juli 2017 wurden Anne M. und ihr Sohn Noah in Teningen Opfer einer furchtbaren Gewalttat: Getötet von Annes Ex-Partner Farid D. Hätte seine Gewalttat verhindert werden können?

Könnten Anne M. und ihr Sohn Noah noch leben? Es gibt Fragen, auf die es keine Antworten gibt. Oder unzählige. Marianne M. geht sie alle immer wieder durch. Ihre Tochter Anne und ihr vierjähriger Enkel Noah starben am 28. Juli in Teningen. Getötet vom ehemaligen Lebensgefährten der 39-Jährigen. Er hat die Frau und das Kind mit zahllosen Messerstichen umgebracht.

"Hätte ich nicht viel früher stärker darauf einwirken müssen, dass sie diesen Mann verlässt?" Marianne M. Marianne M. ist sehr gefasst. Ganz selten fängt ihre Stimme an zu zittern, wenn sie über das Leben ihrer Tochter erzählt. Doch Pausen braucht sie dabei immer wieder. Sie schaut dann aus dem Fenster und schweigt. Marianne M. lebt in Norddeutschland. Sie ist gekommen, um die Wohnung ihrer Tochter aufzulösen. Die Wohnung in Teningen, die der Vater gekauft hatte, damit der Start in ein Leben ohne Farid W. (52, Name geändert) gelingen könnte. Nicht einmal drei Monate lebte Anne M. in dieser Hoffnung. Dann passierte die furchtbare Tat. "Wir konnten euch nicht schützen", schreibt die Familie in der Todesanzeige.

Marianne M. klagt an. Für sie ist Farid W. ein Mörder, für den es nur die denkbar härteste Strafe geben kann. Doch sie stellt auch Fragen. Die Katastrophe hat sich abgezeichnet, sagt sie. War sie zu verhindern? "Habe ich meine Tochter so erzogen, dass sie sich zur Wehr, dass sie Grenzen setzen konnte? Hätte ich nicht viel früher stärker darauf einwirken müssen, dass sie diesen Mann verlässt? Hätten wir die Gefahren dieser unterschiedlichen Kultur intensiver diskutieren müssen?" Aber auch: Muss sich die Gesellschaft nicht viel stärker vor die Schwachen stellen? Ist das Sicherheitsnetz durch Behörden, Polizei und Gesetzgebung dicht genug geknüpft? "Geht individuelle Freiheit über Opferschutz?", fragt Marianne M. Und in ihrer Stimme schwingt Kritik mit. ...

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