Raffiniert verwoben

Udo Andris

Von Udo Andris

Mi, 16. Oktober 2019

Rock & Pop

Das Konzert des Sun Ra Arkestras im Freiburger Jazzhaus.

Schon der Bandname ist ein gelungener Einfall: Arkestra kombiniert das englische Wort für Arche (Ark) mit dem für Orchester (Orchestra). Denn Sun Ra, dieser extravagante US-amerikanische Musiker, Komponist, Poet und Space-Philosoph, verstand seine Formation auch als eine Arche, die bessere Welten erreichen möge. Sun Ra (1914–1993), eigentlich Herman "Sonny" Blount, war nicht nur ein innovativer Instrumentalist an Piano, Orgel und Synthesizer sowie ein Wegbereiter des Free Jazz, sondern bekannte sich auch zum Afrofuturismus, der Science-Fiction, Afrozentrizität und eine (nichtwestliche) Kosmologie verknüpfte.

Sun Ra gründete in den 1950ern sein avantgardistisches Arkestra, das sich auch als Reaktion auf den allgegenwärtigen Rassismus verstand. Die Auftritte dieser Band waren Gesamtkunstwerke, welche unerhörte Musik mit mystischen Texten und bizarrer Verkleidung verbanden.

Seit 1995 leitet Altsaxophonist Marshall Allen, er gehört seit 60 Jahren dazu, das Arkestra. Die Tournee zu seinem 95. Geburtstag führte die Band nun auch nach Freiburg. Zusammen mit den elf anderen gelang es Allen, den Geist, die Ästhetik und Utopie eines Sun Ra weiterzuführen. Im gutbesuchten Jazzhaus ein eindrückliches akustisch-optisches Erlebnis, das Tradition und Moderne, Swing und Avantgardismen, groovenden Blues und unerwartete Wendungen arrangiert. Der hohe Bläseranteil gibt dieser Formation eine reiche Klangpalette. Attraktiv auch, wie hier geduldige, fein abgestufte Unisoni von lebhaften Improvisationen überlagert und durchsetzt werden.

Bei dieser 12-köpfigen Crew stimmt auch das Mischungsverhältnis aus melodisch-harmonischen und perkussiven Anteilen. Zur Tradition des Arkestra gehört auch, dass Musiker ihre eigentlichen Instrumente mal beiseite legen, Congas und weitere Perkussion handhaben. Beachtlich auch, wie dieses Ensemble mit akustischen, "herkömmlichen" Instrumenten die Atmosphäre einer Space-Music erzeugt.

Ein Höhepunkt dieses mit stehenden Ovationen gefeierten Konzerts war wohl die Komposition "Angels and Demons at Play": Drive, vielschichtige Rhythmen und raffiniert verwobene Texturen schaffen eine geradezu psychedelische, tranceartige Qualität.