Ramona Straub hebt wieder ab

Annemarie Zwick

Von Annemarie Zwick

Fr, 21. August 2020

Skispringen

Die Skispringerin des SC Langenordnach ist nach knapp eineinhalb Jahren zurück im Sprungtraining / Ziel Heim-WM in Oberstdorf.

. Im Februar lag die Rückkehr auf die Schanze für Ramona Straub in weiter Ferne. Dann kam Corona und beeinflusste auch den Leistungssport massiv. Im Sommer war es jetzt soweit: Die Skispringerin des SC Langenordnach hebt wieder ab zu Trainingsflügen. Das große Ziel der 26-Jährigen: die Heim-Weltmeisterschaft in Oberstdorf vom 23. Februar bis 7. März 2021. Dort steht für die deutschen Skispringerinnen die Mission Titelverteidigung im Mannschaftswettbewerb an. Beim Titelgewinn in Seefeld 2019 war Ramona Straub die Tagesbeste.

Ob die weltbesten Skispringerinnen am Freitag, 26. Februar, tatsächlich zum Teamspringen von der modernisierten Normalschanze am Schattenberg abheben werden, das weiß Ramona Straub so wenig wie ihre Kolleginnen, wie die Trainer, die Organisatoren der WM sowie der Internationale Skiverband FIS. Ob und wie im kommenden Jahr die dritten Weltmeisterschaften in der Allgäuer Marktgemeinde ausgetragen werden können, wird maßgeblich vom weiteren Verlauf der Corona-Pandemie abhängen, von einer möglichen zweiten oder gar dritten Welle im Herbst und Winter. Weil Spekulationen nicht weiterhelfen, trainiert die Hochschwarzwälderin wie wohl alle anderen potentiellen WM-Starter auf den Saisonhöhepunkt hin – was auch sonst?

Natürlich mit den Corona-bedingten Einschränkungen. So dürfe in Hinterzarten derzeit nur jeder zweite Platz im Aufzug besetzt werden. Die Trainingseinheiten müssen vorher von den Betreuern angemeldet werden, Michael Lais koordiniert vor Ort die Terminwünsche. Die mit Matten belegte 70-Meter-Schanze "war gut zum Eingewöhnen", sagt Ramona Straub. Nach bald eineinhalb Jahren Pause habe sie in der Anlaufspur "erst wieder die richtige Sitzposition finden müssen". Grund für die lange Zwangspause war ihr Kreuzbandriss im rechten Knie am 10. März 2019 beim Weltcup in Oslo (Norwegen), als sie in herausragender Form war.

Die Langenordnacherin startete mit dosiertem Einsatz: zwei bis drei Trainingseinheiten pro Woche mit Landestrainer Rolf Schilli, wobei sie pro Einheit drei bis fünf Sprünge machte. Um einer Überlastung vorzubeugen, pausierte sie danach vier Wochen mit dem Springen und beschränkte sich auf Krafttraining. Nach dem zweiten Kreuzbandriss – den ersten erlitt sie 2014 im linken Knie – sei die Rückkehr ein bisschen schwieriger, auch für den Kopf, bekennt Ramona Straub. "Die Frage ist, was nimmt man in Kauf?" Die Einstellung ändert sich mit dem Alter, hat sie an sich festgestellt: "Man ist nicht mehr so unvorsichtig wie vorher." Mit ihrer langjährigen Erfahrung versucht die reflektierte Weltklassespringerin, mögliche Ursachen von Stürzen abzustellen. Dabei beschäftigt sie sich mit dem Material ebenso wie mit Trainingsinhalten. Ramona Straubs Problemzone ist wegen der Vorschädigung der Landeanflug, daran arbeite sie jetzt konsequenter.

Dankbar ist sie für das Verständnis von Bundestrainer Andreas Bauer, wenn sie sich mal gegen die Teilnahme an einem Lehrgang entscheidet, weil sie auf die Signale ihres Körpers hört. Ihre übermittelten Kraftwerte von der Messplatte würden ihm zeigen, dass es vorwärts geht. Während das Ski-Internat Furtwangen geschlossen war, trainierte die Langenordnacherin häufig am Olympiastützpunkt Freiburg, meist mit Trainingswissenschaftler Walter Rapp an Geräten, teilweise noch mit Kollege David Siegel. Auch der Baiersbronner befindet sich nach einem Kreuzbandriss im Aufbautraining.

Anfang August nutzte Ramona Straub bei einem Lehrgang des Frauenkaders in Oberstdorf die Gelegenheit zu Sprüngen von der nächstgrößeren Schanze (K 90). "Gar nicht so schlecht", kommentiert sie ihre fünf Sprünge in drei Tagen. Je besser sie sich fühlt, desto mehr Spaß hat sie wieder an ihrem Sport, erzählt die Sportsoldatin lächelnd. In diesen unsicheren Zeiten ist sie froh, bei der Bundeswehr abgesichert zu sein. Was das Training angeht, sei sie "gerade tiefenentspannt".

Jede Menge Spannung erwartet sie freilich, je näher die Heim-WM rückt. Einen zusätzlichen Motivationsschub brachte die kurzfristige Aufnahme des Großschanzen-Wettbewerbs (3. März) ins Programm der Frauen. Um diese WM-Premiere hatten gerade auch die deutschen Springerinnen um Olympiasiegerin und Ex-Weltmeisterin Carina Vogt jahrelang gekämpft. "Das wäre für mich der Jackpot", sagt Ramona Straub und strahlt. Die Großschanzen liegen ihr mehr. Ihren bislang einzigen Weltcup-Podiumsplatz in einem Einzelspringen schaffte sie mit Rang zwei auf der K 140 in Lillehammer (Norwegen) im Dezember 2018. Abgesehen vom Erfolg (er-)lebt man den Traum vom Fliegen auf großen Anlagen halt einfach ein bisschen länger und intensiver.