Bei Rastatt

Open-Air-Konzert von Kiss in Iffezheim nach Gewitterwarnung abgebrochen

Patrik Müller, Peter Disch, Stand: So, 7. Juli, 12 Uhr

Von Patrik Müller, Peter Disch, Stand: So, 7. Juli & 12 Uhr

So, 07. Juli 2019 um 01:12 Uhr

Rastatt

Beim Song "Calling Dr. Love" war Schluss: Das Konzert der Band Kiss in Iffezheim ist um 21.47 Uhr nach einer Unwetterwarnung abgebrochen worden. Der Grund: Starkregen und Gewitter.

Nach einer Gewitterwarnung mit "kurzer Vorlaufzeit" hätten sich Polizei, Rettungskräfte und Veranstalter beraten und sich "einvernehmlich" darauf geeinigt, das Konzert wegen der "Gefahrenlage" zunächst zu unterbrechen, sagte ein Sprecher der zuständigen Polizeidirektion Offenburger der Badischen Zeitung am Sonntagvormittag. Da das schlechte Wetter angehalten habe, sei dann letztendlich entschieden worden, die Veranstaltung abzubrechen. Eine Rolle habe auch gespielt, dass Fans, die mit Bussen und Zügen angereist seien, Probleme bekommen hätten, wieder nach Hause zu kommen – ursprünglich sollte der Auftritt um 23 Uhr enden.

Das Konzert hatte gegen 21 Uhr begonnen – mit Feuersäulen, mit Raketen und der typischen Ansage "You wanted the best, you got the best" aus den Lautsprechern. Rund 45 Minuten und neun Songs später war es wieder zu Ende. Die vier Kiss-Bandmitglieder Gene Simmons, Paul Stanley, Tommy Thayer und Eric Singer wurden per Golfcaddy im Eiltempo von der Bühne in den Backstagebereich in den Räumlichkeiten der Galopprennbahn transportiert.

"We have to stop the show!", rief Gitarrist und Sänger Paul Stanley kurz davor ins Mikrofon. Gegen 21.40 Uhr hatte es zu regnen begonnen. Bereits im Vorfeld hatte es in der Entfernung des Open-Air-Geländes in Iffezheim geblitzt. Auf der Bühne ging das Licht aus. Eine ganze Heerschar von Helfern machte sich eilig daran, das Equipment auf der Bühne mit Planen abzudecken.

Fans reagieren mit Pfiffen und Gelächter

Dann war eine deutschsprachige Durchsage zu hören. Der Sprecher verwies auf die Unwetterwarnung und forderte die rund 13.000 Besucher auf, das Gelände zu räumen. Die Menschen, sagte er, sollten im eigenen Auto Schutz suchen - und auch andere Konzertbesucher aufnehmen. Die meisten Besucher, die Plätze auf den überdachten Tribünen hatten, blieben dort sitzen, auch Konzertbesucher, die zuvor im Innenraum standen, fanden dort Unterschlupf.

Die Fans reagierten zunächst mit Pfiffen und Gelächter auf die Ankündigung, dass das Konzert unterbrochen werden solle. Dann verließen sie das Gelände, drängten sich unter Dächern zusammen oder setzten sich in ihre Fahrzeuge. Einige feierten weiter – und sangen mit Kiss-Hits wie "Lick it up" oder "I was made for loving you" gegen den Regen an.

Der Veranstalter hatte zunächst von einer Unterbrechung gesprochen

Der Veranstalter Vaddi Concerts hatte auf seiner Facebookseite zunächst von einer Unterbrechung gesprochen. Aktuell, hieß es gegen 22 Uhr, werde geprüft, ob eine Fortsetzung möglich sei. Kurz darauf verkündete der Veranstalter dann aber das endgültige Ende: "Das Konzert mit Kiss ist leider abgebrochen. Eine Fortsetzung ist nicht möglich", hieß es. Im Moment bestehe noch Blitzgefahr. "Bitte bleibt in euren Schutzräumen, bis das Unwetter vorüber ist."

Das Echo auf der Facebookseite war unterschiedlich. Im Netz wurde teils Kritik an der Kommunikation laut: "Keiner wusste ob es pausiert oder abgebrochen ist", schrieb ein Nutzer zum Beispiel. Einige Fans äußerten Verständnis für die Entscheidung, andere fragten nach einem Ersatztermin oder einer finanziellen Entschädigung. "Wir bitten um Verständnis, dass zum jetzigen Zeitpunkt noch keine Aussage zum Ticketing gemacht
werden kann", erklärte Veranstalter Vaddi Concerts in einer Pressemitteilung, die gegen 0.30 Uhr am Sonntag verschickt worden war.

Schon während der Phase, in der noch offen war, ob es weiter geht oder nicht, machten sich eine spürbare Menge von Konzertbesuchern auf den Weg nach Hause. Nach der definitiven Absage, als dann alle, die direkt am Gelände geparkt hatten, in ihre Autos stiegen, um sich auf den Heimweg zu machen, schien es auf der schmalen Straße von der Rennbahn zur Landstraße 78b zwar langsam, aber stetig und in gesitteten Bahnen voranzugehen.

Die Räumung des Konzertgeländes lief ruhig ab

Nach ihrem Kenntnisstand habe es während der Räumung der Galopprennbahn keine besonderen Vorkommnisse gegeben, sagte die Polizeidirektion Offenburg der Badischen Zeitung. Es sei alles in geordneten Bahnen abgelaufen. Kiss-Bassist Gene Simmons hat sich mittlerweile via Twitter zu Wort gemeldet. "Ihr habt gerockt. Aber plötzlich näherte sich ein gefährliches Gewitter mit Blitzen und die Polizei hat das Konzert gestoppt. Gute Entscheidung. Wir bitten vielmals um Entschuldigung", kommentierte der Musiker die Ereignisse.



Für Kiss geht der europäische Teil der "End of the Road Tour" am 9. Juli in Birmingham weiter und endet nach Konzerten in London, Manchester und Newcastle am 16. Juli in Glasgow. Nach einer Pause ist die Band dann vom 6. August an in ihrer amerikanischen Heimat unterwegs. Im November und Dezember stehen Auftritte in Australien, Neuseeland und Japan an. Wann die Abschiedstournee endet, ist offen. Die Band selbst hoffe, mindestens noch bis Ende 2020 unterwegs zu sein, sagte Sänger Paul Stanley vor einigen Wochen in einem Interview mit der Badischen Zeitung.