Ausbildung im Handwerk: die Steinmetze

Mal richtig zuhauen mit viel Gefühl

Sarah Schädler

Von Sarah Schädler

Sa, 12. Oktober 2019 um 00:00 Uhr

Beruf & Karriere

Klopfen, hämmern, meißeln, die Arbeit als Steinmetz benötigt Kraft, aber auch Hingabe, Geduld. Und nicht zu vergessen: einen Sinn für Ästhetik.

Maya Thyssen hat im vergangenen Jahr ihre Ausbildung zur Steinmetzin in der Münsterbauhütte in Freiburg begonnen, ist mittlerweile im zweiten Lehrjahr und hat viel Freude an ihrem Beruf. Zu Beginn sei die Arbeit sehr anstrengend gewesen. "Ich war abends wirklich erschöpft, doch das Gefühl, etwas geschafft zu haben, ist einfach toll", betont Maya. "Außerdem habe ich nachts geschlafen wie ein Stein."

Maya ist mit zwei Geschwistern in England aufgewachsen, nachdem die Eltern dorthin ausgewandert waren. Nach der Schule stand die Abiturientin vor der Frage, welchen beruflichen Weg sie einschlagen möchte. Im Gespräch mit den Klassenkameraden sei nur das Studium eine Option gewesen. "Ich wollte jedoch nicht einfach drauflosstudieren", sagt Maya. Als Handwerkertochter lag es für sie nahe, eine Ausbildung zu ergreifen. "Mein Vater ist Goldschmied, bereits in jungen Jahren habe ich in der Werkstatt geholfen und ihm bei der Schmuckherstellung über die Schulter geschaut."

Den ersten Kontakt mit dem Beruf des Steinmetzes bekam Maya während eines Praktikums in der Bauhütte der Kathedrale von Canterbury. Seitdem hat der Beruf die 20-Jährige nicht mehr losgelassen. "Für mich war klar: Wenn ich eine Ausbildung mache, dann in Deutschland." Dort sei das Ausbildungssystem gut organisiert, findet Maya. Beworben habe sie sich dann gezielt in Steinmetzbetrieben. "Mich reizt die Mischung aus Geschichte, Handwerk und körperlicher Arbeit."

Der Beruf des Steinmetzes ist einer der ältesten Handwerksberufe und laut Maya sehr vielseitig. Räumliches Denken, Hand-Augen-Koordination, Geduld, alles Eigenschaften, die ein guter Steinmetz mitbringen sollte. So sei es nicht sinnvoll, sich zu hetzen. "Jeder Arbeitsschritt ist besonders und sollte mit Sorgfalt ausgeübt werden", stellt die Steinmetzin klar. Fehler nehme sie sportlich, sie sei ja noch am Anfang ihrer Ausbildung. "Trotzdem ist es schmerzhaft, wenn eine Ecke ungeplant abbricht." Immerhin investiere man jedes Mal viel Zeit.

Maya ist glücklich mit ihrer Berufsentscheidung, versteht sich gut mit ihrem Ausbilder und den Kollegen in der Münsterbauhütte. Dort arbeiten insgesamt 15 Handwerker. "Vier davon sind Frauen", sagt Maya. Der Beruf des Steinmetzes sei für Frauen genauso geeignet wie für Männer. "Wir haben Maschinen, die Männer wie Frauen beim Tragen der schweren Gegenstände unterstützen, keiner soll und muss zu schwer tragen."

Wie man den richtigen Beruf findet? "Am besten so viele Praktika wie möglich machen, um verschiedene Betriebe anzuschauen." So könne man auch rausfinden, ob der potenzielle Arbeitsort zu einem passt. Und dann? Bewerbungen schreiben, einen Lebenslauf verfassen und Fotos von Stücken beilegen, die sie während ihres Praktikums gefertigt hat. "Ich habe damals direkt bei der Münsterbauhütte angerufen und nachgefragt, wie der Bewerbungsvorgang abläuft, was ich beachten sollte und wo ich die Unterlagen hinschicken muss." Außerdem könnten offene Fragen durch ein kurzes Gespräch ganz schnell geklärt werden.

Als Maya ihren künftigen Arbeitsplatz das erste Mal sah, sei sie beeindruckt gewesen, von der Werkstatt, von der Stadt Freiburg und von den Kollegen. Gerade die Arbeit am Münster ist für Maya was ganz Besonderes: "Über viele Jahrhunderte haben Generationen an diesem Bauwerk gearbeitet. Zu wissen, dass ich hier mitarbeite, erfüllt mich mit Stolz."

Zurzeit hilft die Auszubildende dabei, die Lilienköpfe des Münsters zu restaurieren. "Wenn man dranbleibt und geduldig ist, kommt man am Ende auch zu einem guten Ergebnis." Morgens ist sie meist in der Werkstatt, nachmittags arbeitet sie auf dem Gerüst im Freien. Manchmal werden die Handwerker beim Arbeiten von den Klängen der Orgel begleitet. "Wenn ich mich dann umdrehe und über den Münsterplatz schaue, bin ich total dankbar, dass ich so eine tolle Arbeit machen darf."

» Die Tätigkeit im Überblick: Steinmetze und Steinbildhauer der Fachrichtung Steinmetzarbeiten stellen Boden- und Fassadenplatten, Treppen oder Grabsteine aus Natur- und Kunststein her und verlegen versetzen die Erzeugnisse vor Ort. Außerdem führen sie Instandhaltungs- sowie Restaurierungsmaßnahmen an der Steinsubstanz von Bauwerken und Denkmälern aus.
» Die Ausbildung im Überblick: Steinmetz der Fachrichtung Steinmetzarbeiten ist ein dreijähriger anerkannter Ausbildungsberuf im Handwerk.
Typische Branchen: Steinmetze und Steinbildhauer der Fachrichtung Steinmetzarbeiten finden Beschäftigung in Betrieben der Naturwerkstein- sowie Natursteinbe- und -verarbeitung, etwa in Steinmetz- und Grabsteinwerkstätten, in Restaurierungsbetrieben für historische Gebäude und Steindenkmäler, in Museumswerkstätten oder in Kirchenbauämtern.