Gastbeitrag

Mit dem Perspektivenrad fällt es leichter, Entscheidungen zu treffen

Thomas Kölblin-Herzig

Von Thomas Kölblin-Herzig

Sa, 08. Februar 2020 um 20:51 Uhr

Beruf & Karriere

Die Entscheidungsbelastung wächst stetig. Wie sind Entscheidungen leichter zu fällen? Tipps, wie es leichter fällt, mit dem Blick auf verschiedene Perspektiven Entscheidungen zu treffen

Entscheidungen treffen ist heute komplexer geworden. Denn Entscheidungen haben mit der digitalen Geschwindigkeit oft eine kurze Halbwertzeit. Die nächste Entscheidung landet so prompt wieder auf der stets langen To-do-Liste. Resultat: Die Entscheidungsbelastung wächst stetig. Wie sind Entscheidungen leichter zu fällen?

Was sind eigentlich Entscheidungen? Jede Entscheidung zielt darauf ab, einen unklaren Zustand zu beenden. Aber: Wer sich enscheidet, legt sich fest. Laut der Internetseite karrierebibel.de treffen Menschen täglich rund 20 000 Entscheidungen, viele unbewusst. Wichtige Entscheidungen führen zu Stress, sodass die nächste Entscheidung erst einmal hintangestellt wird. Allerdings blockiert diese Art und Weise, Entscheidungen lassen ambivalente Gefühle entstehen. Argumente fallen eher sprunghaft oder wir drehen uns mit der Entscheidung im Kreis. Schlimmstenfalls ist der Entscheider handlungsunfähig und hat Gefühle von Unlust oder Überforderung.

Warum ist das so? Wir sehen uns häufig einem hohen emotionalen Stress ausgesetzt, weil wir konkrete Ergebnisse liefern müssen. Es gibt jedoch in unsicheren, volatilen und komplexen Rahmenbedingungen viele Optionen. In diesem Dilemma hilft brachiale Komplexitätsvereinfachung. Denn Entscheiden heißt buchstäblich scheiden, trennen, und zwar von anderen möglichen Alternativen.
Thomas Kölblin-Herzig ist Online-Coach und Strategieentwickler. Als Arbeits- und Organisationspsychologe hat er sich auf die Themenfelder (Krisen)-Entlastung, (Ziel)-Strategie und (Selbst)-Führung spezialisiert.

Dabei sind Entscheidungen keine Meilensteine für die Ewigkeit. Vielmehr hilft die Sichtweise: Es gibt kein Richtig oder Falsch, es gibt nur gute und bessere Entscheidungen. Die guten Entscheidungen, zeigen rückblickend, wie es besser laufen kann. Das Risiko einer fehlenden Entscheidung, nämlich Stillstand, wird oft vergessen. Denn keine Entscheidung ist auch eine Entscheidung. In der Praxis für Job und Alltag bei schwierigen Entscheidungen hilft hier ein sogenanntes Perspektivenrad.

Das Perspektivenrad ordnet widersprüchliche Einstellungen und Gefühle, oft mit einer spürbaren emotionalen Entlastung; eine wichtige Voraussetzung für die Umsetzung von konkreten Entscheidungsschritten. Das Perspektivenrad basiert auf der Methode der "Sechs Denkhüte", vom Denk- und Kreativitätsforscher Edward de Bono entwickelt und 1999 veröffentlicht. Das Perspektivenrad kann für Projekte, Vorhaben oder Ziele pragmatisch weiterhelfen. Mit dem Einnehmen unterschiedlicher Perspektiven werden eine gelassene Betrachtung erreicht sowie unterschiedliche Aspekte für die Entscheidung beleuchtet. Mit einem Blatt Papier, Stift und Textmarker geht es los:
» Sprechen Sie den Entscheidungskonflikt offen aus und schreiben diesen mit einer Ich-Formulierung in die Mitte des Zettels "Ich nehme die Stelle in München an" (Beispiel im Bild):
In die vier Ecken rund um die Aussage werden nun die unterschiedlichen Perspektiven geschrieben:
- Gestartet wird mit den Fakten: Notiert werden neutrale Informationen, Zahlen, Daten, Hintergründe. Ohne emotionale Äußerungen.
- Es folgen die Emotionen wie Zweifel, Unsicherheiten, Begeisterung, Freude.
- Mit dem Optimismus kommt das positive Denken ins Spiel, etwa Vorteile oder Möglichkeiten.
- Die letzte Perspektive für ihre Entscheidung, ist die Kreativität. Hier wird quergedacht und assoziiert, etwa Phantasie und Chancen.

Anschließend werden mit dem Textmarker jeweils die zwei wichtigsten Argumente in den vier Kategorien markiert.

Fast geschafft, nun kommt der Zieleinlauf. Mit etwas zeitlichem Abstand betrachtet:
- Bei welcher Perspektive habe ich mich am wohlsten gefühlt?
- Welche war mir unangenehm?
- Welche Sichtweise ist mir wirklich wichtig?

Dieses Perspektivenrad kann dazu beitragen, dass eine Entscheidung nun nicht mehr belastend wirkt. Ein Blatt Papier und ein paar Minuten Zeit können helfen, die verschiedenen Perspektiven zuordnen und klarer zu sehen.