Instant-Falten

Faceapp lässt Nutzer alt aussehen – und es gibt Datenschutzbedenken

Daniel Laufer, dpa

Von Daniel Laufer & dpa

Fr, 19. Juli 2019 um 21:32 Uhr

Computer & Medien

Es ist ein großer Spaß – wirft aber auch Fragen auf: Mit Faceapp kann man ein Gesicht um 30 Jahre altern lassen. Datenschützer warnen vor der Smartphone-App. Sind die Bedenken gerechtfertigt?

Faceapp ist derzeit extrem beliebt. Millionen Menschen teilen in Sozialen Medien mit Hilfe der App um Jahrzehnte gealterte Bilder von sich. Auch bekannte Stars wie der kanadische Rapper Drake oder der US-Komiker Kevin Hart befeuern mit Opa-Konterfeis den Hype.

Die Anwendung bearbeitet mit Hilfe von Künstlicher Intelligenz Bilder von Nutzern und zeigt mit einem Filter auch, wie diese Menschen einmal aussehen könnten. Es gibt sie eigentlich schon seit 2017, für Android und Apple-Handys. Auch die Haarfarbe oder das Geschlecht lassen sich verändern.

Persönliche Daten könnten in die falschen Hände geraten

Unterdessen werden jedoch vermehrt Sicherheitsbedenken laut. So warnte etwa der Bundesdatenschutzbeauftragte Ulrich Kelber vor der Nutzung. Es gebe die Besorgnis, "dass wichtige persönliche Daten in die falschen Hände geraten könnten", sagte Kelber (SPD) dem SWR.

Auch Oliver Buttler von der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg äußert sich kritisch. Ein Grund hierfür sind die Nutzungsbedingungen: Das Unternehmen Wireless Lab, das die App betreibt, räumt sich darin umfassende Rechte an den Fotos ein. "Es ist nicht geklärt, was mit ihnen passiert", so Buttler. "Der Anbieter könnte damit eigentlich alles machen, die Bilder womöglich sogar für Werbung nutzen." Buttler rät davon ab, Faceapp zu installieren: Die Anwendung greife auf zahlreiche Daten zu, die sich auf dem Smartphone befinden. "Was davon abfließt, muss geklärt werden."

Ein IT-Sicherheitsforscher, der sich hinter dem Pseudonym "fs0c131y" versteckt und nach eigenen Angaben aus Frankreich stammt, hat die Datenströme untersucht. Sein Fazit, das er bei Twitter geteilt hat: Wireless Lab übertrage tatsächlich nur wenige Daten an eigene Server. Auch würden nur Fotos, die Faceapp-Nutzer bearbeiten, hochgeladen. Das betont der Anbieter auch selbst. Wie das Magazin Forbes berichtet, landen die Fotos auf Servern von Amazon und Google in den USA.

Das Unternehmen sitzt in Russland

Wirelass Lab allerdings sitzt in Sankt Petersburg. Ein ranghoher US-Politiker hat deshalb schon das FBI aufgefordert, Faceapp zu untersuchen. Er befürchtet offenbar, der russische Staat könnte Zugang zu den Daten erlangen und sie missbrauchen.

Staatliche Akteure setzen seit einigen Jahren vermehrt auf Technik zur Gesichtserkennung. Das mache Porträtfotos, wie sie Faceapp in großer Zahl zur Verfügung stehen, problematisch, sagt Stefan Brink, Landesbeauftragter für den Datenschutz und die Informationsfreiheit in Baden-Württemberg. Die Bilder könnten als Trainingsdaten genutzt werden, um die Massenüberwachung auszubauen.

Was an der App kritisiert wird, trifft auch auf Instagram zu

Viele der Bedenken, die nun im Bezug auf Faceapp geäußert werden, treffen grundsätzlich auch auf Soziale Medien wie etwa Instagram zu. Auch dort laden Nutzer bereitwillig Fotos hoch und teilen bereitwillig Informationen. "Datensparsamkeit ist heute kein hilfreicher Rat mehr", sagt der Datenschützer Brink. "Aber Facebook ist nicht der Maßstab, sondern die Datenschutzgrundverordnung." An diese habe sich nun auch Wireless Lab zu halten – solange das Unternehmen personenbezogene Daten von EU-Bürgern bearbeitet. Brink zufolge müsste etwa das Alter der Nutzer überprüft werden, um sicherzustellen, dass diese nicht jünger als 13 Jahre alt sind.

Wie Forbes berichtet, ist selbst unklar, wie viel Zugriff Faceapp-Mitarbeiter auf die hochgeladenen Bilder haben. Firmengründer Jaroslaw Gontscharow betonte dem Magazin gegenüber, die meisten Fotos würden innerhalb von 48 Stunden nach dem Upload von den Servern gelöscht. Er beteuerte zudem, dass sein Unternehmen Nutzerdaten weder verkaufe noch an Dritte weitergebe.

Den Kopf zerbrechen dürften sich darüber die wenigsten Nutzer. Auch in Deutschland haben bereits viele Promis die Medienwirksamkeit ihrer durch die App gealterten Gesichter erkannt und reihen sich in den Begeisterungsstrudel ein. Auf Twitter und Facebook befeuern spezielle "Herausforderungen" den Hype. Es gibt inzwischen eine #FaceAppChallenge.