Kranker Landwirt gegen Agrarchemie-Unternehmen

Katharina Zeckau

Von Katharina Zeckau (KNA)

Mi, 12. Juni 2019

Computer & Medien

"House of Cards" auf Französisch: Arte sendet ab Donnerstag die sechsteilige Serie "Giftige Saat" über politische Intrigen.

Ein Pestizid, das wohl Krebs erzeugt. Ein Unternehmen, das dieses Gift herstellt, durch Klagen unter öffentlichen Druck gerät und im Kampf gegen seine Kritiker zu unlauteren Mitteln greift. Und dazwischen all die Politiker und Lobbyisten, die für die eine oder andere Seite kämpfen. Ein Schelm, wer bei diesem Plot nicht an Bayer/Monsanto und das Herbizid Glyphosat denkt. Der Zeitpunkt für die Miniserie "Giftige Saat", die Arte ab Donnerstag wöchentlich jeweils um 21.45 Uhr ausstrahlt, könnte kaum günstiger gewählt sein: Die Aufmerksamkeit für das Thema ist groß, seitdem immer mehr Gerichtsverfahren von an Krebs erkrankten Menschen, die das Unkrautbekämpfungsmittel Glyphosat verwendet hatten, zugunsten der Kläger entschieden werden.

Und auch wenn die Pestizid-Gegner im echten Leben glücklicherweise nicht tot in der Seine landen, sorgte doch die Enthüllung, dass das Bayer-Tochterunternehmen Monsanto eine Liste mit unliebsamen Kritikern führe, für reichlich Wirbel. In der sechsteiligen Serie erkrankt der Landwirt Michel an Blutkrebs. Da er zuvor regelmäßig das Pestizid Limitrol auf seinen Feldern ausbrachte, vermuten er und sein enger Freund Guillaume (Laurent Stocker), ein Abgeordneter, einen Zusammenhang. Weshalb der idealistische Guillaume es sich zum Ziel setzt, ein Verbot bestimmter Pestizide durchs Parlament zu bringen. Zusammen mit seinem umtriebigen Assistenten Romain (Pierre Perrier) macht er sich daran, Kollegen auf seine Seite zu ziehen.

Doch die Lobbyisten des mächtigen Agrarchemie-Unternehmens Saskia bringen sich ebenfalls in Stellung: Der Anwalt Bowman (Jean-Francois Sivadier) engagiert die Investigativ-Journalistin Claire (Alix Poisson), um den Pestizid-Kritikern stets einen Schritt voraus zu sein. Bei Saskia fällt derweil Marketingchef Didier Forrest (Marc Citti) durch unzuverlässiges Verhalten auf – und treibt schließlich tot in der Seine. Suizid heißt die offizielle Todesursache. Doch Forrests Tochter Chloe (Marilou Aussiloux) will das nicht glauben und fängt an, auf eigene Faust zu recherchieren.

Es hat so einiges von "House of cards", wenn in den Räumen und Gängen der französischen Nationalversammlung an Mehrheiten gebastelt wird und Politiker, Lobbyisten und Journalisten ihre Deals aushandeln. Allerdings reicht die französische Produktion "Giftige Saat" deutlich nicht an die US-amerikanische Erfolgsserie beziehungsweise deren gleichnamiges britisches Vorbild heran – beides zugegebenermaßen ziemlich hohe Messlatten. Zwar hat sich Autor Elliot Perlman ein spannendes Setting sowie interessante Figurenkonstellationen ausgedacht, und Regisseur Jean-Xavier de Lestrade hat daraus mit überzeugenden Schauspielern einen elegant anzusehenden, durchaus fesselnden Politthriller gedreht. An was es "Giftige Saat" jedoch mangelt, ist Zeit: Zeit, um die Figuren und ihre Milieus zu entwickeln, um Atmosphäre zu erzeugen, Zeit für Irrwege und Stolpersteine auf den Pfaden der Protagonisten.

Zumindest in der ersten Folge geht alles sehr schnell: Im ersten Bild bringt der Landwirt das Pestizid aus, im zweiten bricht er bereits krank zusammen. In diesem Tempo geht es weiter: Der integre Guillaume tritt auf und ist bereits nach wenigen Minuten bereit, sich in die Mammutaufgabe Pestizidverbot zu stürzen. Ebenso wie die Journalistin, die sich, bevor der Zuschauer noch irgendetwas über sie erfahren könnte, bereits von – dem etwas sehr dämonischen – Bowman kaufen lässt.

Heutige Serienzuschauer aber sind durch all die horizontal und herausfordernd erzählten Serien verwöhnt, wollen – und brauchen – mehr Zwischentöne, mehr Geheimnis, mehr Subtilität. Tatsächlich funktioniert dies ab der zweiten Folge auch deutlich besser: Nach der etwas hastigen Einführung von Personal und Story wird es nun ruhiger und zugleich komplexer, schillernder. Und entwickelt sich doch noch in Richtung der hochwertig produzierten, intelligenten Drama-Serie, die "Giftige Saat" offensichtlich auch sein will.

"Giftige Saat": (Regie: Jean-Xavier de Lestrade). Arte, ab Do 13.6., 21.45 bis 22.50 Uhr sowie 22.50 bis 23.55 Uhr, Do, 20.6., Do, 27.6., jeweils ab 21.45 Uhr.