Auf ein Neues, altes Haus

BZ-Redaktion

Von BZ-Redaktion

Sa, 31. August 2019

Haus & Garten

Nachkriegshäuser haben einen spezifischen Sanierungsbedarf / Teil I – die 50er- bis 70er-Jahre.

Mehr als 40 Prozent der Wohnungen in Deutschland wurden zwischen 1950 und 1977 erbaut – und damit vor der ersten Wärmeschutzverordnung. Das Institut der deutschen Wirtschaft (IW Köln) hat in einer Untersuchung herausgefunden: Diese Wohngebäude bieten bei einer Sanierung ein besonders großes Energieeinspar-Potenzial. In dieser Ausgabe nehmen wir die 50er- bis 70er-Jahre in den Fokus, die 80er und 90er-Jahre folgen.

Von energetischen Modernisierungs- und Sanierungsarbeiten profitieren Wohneigentümer gleich mehrfach: Sie erhöhen den Wohnkomfort und senken die Verbrauchskosten. Architekt Sven Haustein von der Bausparkasse Schwäbisch Hall nennt typische Schwachstellen bei Immobilien der verschiedenen Baujahrgänge und gibt Hinweise, wo welche Maßnahmen angezeigt sind – allgemein und im Hinblick auf die energetischen Aspekte.

Die 50er-Jahre

Beim Wiederaufbau musste es vor allem schnell gehen. Oft sind die Grundrisse aus der Nachkriegszeit beengt, die Bauweise ist sehr einfach. Häufig wird mit mangelhaften Baumaterialien gearbeitet. Die Ofenheizung ist noch die Regel. Auch die Elektrik ist nach heutigem Maßstab unzureichend. Schall- und Wärmedämmung spielen noch keine Rolle. Beides wurde später nur unzureichend nachgerüstet oder fehlt nach wie vor. Auch Wärmebrücken innerhalb der Konstruktion treten häufig auf. Die Folgen: ein zu hoher Energiebedarf und zu viel Feuchtigkeit, was auch zu Schimmel führen kann.

Immobilieneigentümer sollten deshalb die verarbeiteten Materialien genau überprüfen und bauliche Mängel sorgfältig beheben lassen. "Besondere Aufmerksamkeit müssen Bauherren bei diesen typischen Siedlungshäusern auf Feuchtigkeitsschäden, Haustechnik und Dacheindeckung richten. Weitere wichtige Punkte sind Heizungssystem, Tritt- und Schallschutz", sagt Umbau-Experte Sven Haustein. "Entscheidend ist die Qualität der Bausubstanz, denn unter Umständen sind eine komplette Erneuerung sowie ein Anbau notwendig, um auf heutige Standards zu kommen."

Die 60er-Jahre

Für die Hausgeneration der 60er-Jahre ist ebenfalls die unzureichende Wärme- und Schalldämmung charakteristisch. Hinzu kommt die Verarbeitung mangelhafter, veralteter oder schadstoffbelasteter Baustoffe. Ebenso treten in dieser Baugeneration Schwachstellen bei konstruktiven Bauteilen auf. Dazu zählen zum Beispiel tragende Wände, Treppen, Brüstungen und Geländer. Die Sanitär-, Elektro- und Heizungsanlagen aus diesem Jahrzehnt sind in der Regel technisch veraltet. "Insgesamt ist die Qualität der Wohnbauten schon gut. Die Räume sind großzügiger geschnitten, sie bieten Fensterfronten und entsprechen oft heutigen Maßstäben. Abstriche gibt es bei den Sanitärräumen: Wir finden mehr Nasszellen, weniger Wellness-Oasen", erklärt der Architekt.

Wichtige Prüfpunkte für Hausbesitzer sind daher: Optimieren des Energieverbrauchs durch Dach- und Fassadendämmung, Prüfen von Schäden an konstruktiven Bauteilen, Ersetzen der Wasser- und Entwässerungsleitungen, Austauschen der Heizanlage und der Fenster.

Die 70er-Jahre

Die 60er- und noch mehr die 70er-Jahre sind Jahrzehnte des Baubooms. Gebaut wird vor allem mit Beton. Die Elektro- und Sanitärinstallationen seit den 70er-Jahren sind aus heutiger Sicht noch zeitgemäß. In Deutschland wächst das Bewusstsein für den Wärmeschutz, wenngleich die Wärmedämmung nach der ersten Wärmeschutzverordnung von 1977 nicht mehr den heutigen Standards entspricht. Häufig gibt es Probleme mit Feuchtigkeit im Bodenbereich. Wenig komfortabel bleiben meist die Bäder: Sie sind aus heutiger Sicht zu klein und rücken verstärkt ins Innere der Häuser, weg vom Tageslicht. Die Schadstoffproblematik nimmt zu.

"Käufer sollten bei dieser Baugeneration auf Schadstoffe wie Asbest und Holzschutzmittel sowie Feuchtigkeitsschäden achten", meint Haustein. Häufig gibt es Schwachstellen an Dach und Außenwänden. Daher stehen auch hier oft Dach- und Fassadendämmung sowie die Erneuerung der Heizanlage an. "Erstaunlicherweise sind die damals häufig verbauten Mahagoniholzfenster bei guter Wartung und bereits verwendeter Zweifachverglasung oft noch nicht am Ende ihres Lebenszyklus. Ein Austausch ist nicht automatisch notwendig", so Architekt Haustein.