Nicht mit Füßen treten

Jana Illhardt

Von Jana Illhardt (dpa)

Do, 12. September 2019

Haus & Garten

Vom Boden an die Wand: Teppiche sind wieder beliebt und Wohnaccessoires mit viel Dekopotenzial.

Noch vor wenigen Jahren ging es beim Kauf von Bodenbelägen in erster Linie darum, dass sie funktional und langlebig sind. Das hat sich geändert:

"Der Boden ist Designelement, er inspiriert, gibt Orientierung, verbindet uns miteinander", findet Sonia Wedell-Castellano, Projektleiterin der Weltleitmesse für Teppiche und Bodenbeläge Domotex, die Mitte Januar in Hannover Neuheiten und Trends vorstellte. Allen voran stand auf der Messe eine Belagart im Blickpunkt: "Man kann durchaus von einer Renaissance des Teppichs sprechen", sagt der Designer Sebastian Herkner. Und keine Polstergarnitur auf der Domotex, unter der nicht wenigstens Auslegeware lag.

Zugleich kann sich dadurch die Wahrnehmung des Zimmers verändern: Nicht etwa die Couch, ein Schrank oder Gemälde, sondern zunehmend der Teppich bestimme die Optik eines Raums, sagt Herkner, der auch als Sprecher auf der Messe auftrat. "Er kommt nicht mehr so unauffällig blass daher, sondern in kräftigen, kontrastreichen Farben." Man könne davon auch mehrere im Raum kombinieren.

Die Alternative seien Teppiche mit grafischen Elementen. "Sie basieren auf gedeckten Farben, allen voran Anthrazit, in die Muster eingearbeitet sind, die endlos wirken", erklärt Martin Auerbach, Hauptgeschäftsführer des Verbandes der Deutschen Heimtextilien-Industrie. Er hat einen Grund für die Rückkehr des Teppichs ausgemacht: "Die Leute haben sich am Laminat sattgesehen." Der Teppich habe zugleich "etwas heimeliges, höchst angenehmeres. Danach sehnen sich die Menschen". Einher geht diese Renaissance mit neuen Optionen bei Teppichböden: Kunden können mehr und mehr ein individuelles Textil produzieren lassen. "Wir bewegen uns weg vom Massendesign und bestimmen lieber selbst über Farbe und Form."

Dem Wunsch nach Heimeligkeit folgend sind längere, fransige Teppiche im Trend. Designer Herkner erklärt das mit der besonderen Haptik der langhaarigen Bodenbeläge, die das Erleben und Fühlen beim Menschen ansprechen, "weshalb der Flokati wieder äußerst gefragt ist".

2019 gibt es vermehrt auch Produkte mit der sogenannten Hoch-Tief-Technik. "Bei dieser Herstellungstechnik sind die Schlingen mal höher, mal tiefer gearbeitet, und sogar noch mit Velours kombiniert, was tolle Struktureffekte erzeugt", erklärt Auerbach. Zudem werde immer häufiger Digitaldruck auf Teppichboden angeboten, also fotorealistische Darstellungen. Aktuell gefragt seien Holzoptiken – und zwar auf Teppichboden. "Aber da ist die Bandbreite der Möglichkeiten noch lange nicht ausgeschöpft", findet Auerbach. Der Teppich kehrt sogar an die Wand zurück: "Wir sehen eine Tendenz, dass insbesondere jene mit grafischen Mustern Fotowänden oder Kunstwerken Konkurrenz machen", sagt Sebastian Herkner. Das hat sogar praktische Vorteile: Ein Wandteppich schluckt Schall und begünstigt so die Raumakustik.