Umsicht ist gefragt

Katja Fischer

Von Katja Fischer (dpa)

Sa, 21. März 2020

Haus & Garten

Wenn Eigentümergemeinschaften energetisch modernisieren wollen / Langfristig planen.

Was schon für den Einzelnen nicht ganz einfach ist, ist für eine Gemeinschaft oft noch schwieriger: Immobilien energetisch zu modernisieren. Die Eigentümer müssen das gut und langfristig planen.

Es ist schon für den einzelnen Hausbesitzer nicht leicht, die energetische Sanierung seines Eigenheims zu planen. Aber er kann immerhin allein entscheiden, welche Arbeiten ausgeführt werden sollen. Wohnungseigentümer in Gemeinschaften, die sich mit vielen weiteren Eigentümern auf einen Fahrplan einigen müssen, haben es schwerer. Sie müssen alle Schritte in der Gemeinschaft abstimmen. Da kann es Jahre dauern, bis ein Projekt realisiert wird.

In der Tat liegen Gemeinschaften beim Thema Energieeffizienz zurück. "Knapp 25 Prozent der Wohnungen in Deutschland befinden sich in der Hand von Wohnungseigentümergemeinschaften (WEG)", weiß Anne Hillenbach von der Energieagentur Regio Freiburg, die das bundesweite Pilotprojekt "WEG der Zukunft" mitträgt. "70 Prozent davon gelten als unsaniert."

Die größten Probleme in gemeinschaftlichen Wohnanlagen: veraltete Heizungen, schlecht isolierte Fenster, ungenügend gedämmte Fassaden und sanierungsbedürftige Dächer. Zudem werden selten erneuerbare Energien zum Beispiel aus Photovoltaikanlagen genutzt.

Nun ist es zwar nicht so, dass sich Eigentümer in WEG per se weniger als andere um Umwelt- und Klimaschutz kümmern. "Das Problem liegt im System", meint Gabriele Heinrich vom Verband "Wohnen im Eigentum" in Bonn. "Entscheidungen, die von vielen Eigentümern gemeinsam getroffen werden, müssen gründlich diskutiert und mit den im WEG-Gesetz vorgeschriebenen Mehrheiten beschlossen werden."

Anders als Notreparaturen oder laufende Instandsetzungen, die auch eigenständig von den Verwaltungen in Auftrag gegeben werden können, bestehen für Modernisierungsprojekte hohe Hürden. "Modernisierungen, also Bestandsverbesserungen ohne Reparaturanlass, müssen mit der doppelt qualifizierten Mehrheit der Eigentümer, also 75 Prozent aller Eigentümer und mehr als 50 Prozent der Miteigentumsanteile, beschlossen werden", erklärt Heinrich.

Eine umfassende energetische Modernisierung mit Fensteraustausch und Fassadendämmung ist ein Prozess, der sogar mehrere Beschlüsse benötigt. Das fängt mit dem Vorbereitungsbeschluss an, bei dem die Eigentümer erst einmal abstimmen, ob sie eine energetische Sanierung überhaupt wollen. Dann müssen ein Sanierungsfahrplan erstellt, Aufträge an die Verwaltung gegeben und die Kosten geplant werden.

Informationen und Tipps bietet zum Beispiel eine Broschüre von "Wohnen im Eigentum". Hilfe bekommen WEG auch bei Energieagenturen und anderen Energieberatern sowie von Verbraucherzentralen.