Astronomie

Das ist der Sternenhimmel im Mai 2020

dpa

Von dpa

Sa, 25. April 2020 um 00:00 Uhr

Umwelt & Natur

Der Weltraum, unendliche Weiten: Nicht nur Science-Fiction-Fans fasziniert das Weltall – auch Hobby-Astronomen sind begeistert. Hier ist der Sternenhimmel des Monats Mai 2020.

Venus gibt ihre Abschiedsvorstellung. In den vergangenen Monaten hat sie als auffällig helles Gestirn hoch am Westhimmel schon in der frühen Abenddämmerung die Blicke auf sich gezogen. Anfang Mai glänzt der sogenannte Abendstern mit maximaler Helligkeit hoch über dem Nordwesthorizont. Im Laufe des Monats nimmt sein Glanz merkbar ab, die Sichtbarkeitszeit verkürzt sich ebenfalls. Geht Venus am 15. noch um 23.42 Uhr unter, so erfolgt ihr Untergang am 28. bereits um 22.14 Uhr. Nach diesem Datum wird man vergeblich nach ihr Ausschau halten. Sie nähert sich rasch der Sonne, die ihr im Tierkreis entgegenkommt.

Bereits am 3. Juni überholt Venus auf der Innenbahn die Erde. Sie befindet sich dabei zwischen Sonne und Erde, hält sich somit am Taghimmel auf und bleibt nachts unsichtbar unter dem Horizont. Nachdem sie die Seiten gewechselt hat, erscheint sie bereits Mitte Juni als Morgenstern kurz vor Tagesanbruch knapp über dem Nordosthorizont. Über das Jahresende hinaus bleibt Venus Morgenstern.

Der Merkur kommt im letzten Maidrittel

Merkur bietet im letzten Maidrittel zum zweiten Mal in diesem Jahr eine Chance, ihn am Abendhimmel zu sehen. Am 20. geht der flinke Planet um 22.30 Uhr unter, am letzten Maitag kurz nach 23.15 Uhr. Ab 21.30 Uhr ist es dunkel genug, um Merkur in der Abenddämmerung zu erkennen. Am 22. zieht Merkur knapp südlich an Venus vorbei. Die wesentlich hellere Venus kann helfen, Merkur tief am Nordwesthimmel zu finden. Ende Mai verschwindet Merkur wieder vom Abendhimmel.

In der zweiten Nachthälfte erscheinen die Riesenplaneten Jupiter und Saturn. Sie gehen nun immer früher auf. Anfang Mai steigen sie gegen halb drei Uhr morgens über den Südosthorizont, zu Monatsende schon eine halbe Stunde nach Mitternacht. Jupiter ist dabei der wesentlich hellere der beiden großen Gasplaneten. Nach Venus, die bereits untergegangen ist, wenn Jupiter aufgeht, ist er der hellste Planet. Saturn leuchtet in einem fahlen, gelblichen Licht. Der schnellere Jupiter rückt immer näher an Saturn heran. Ende des Jahres wird Jupiter dann den langsameren Ringplaneten überholen.

Der Mars zeigt sich am Morgenhimmel

Am Morgenhimmel macht sich der rötliche Mars bemerkbar. Seine Helligkeit nimmt deutlich zu. Ende Mai ist er dann so hell wie die Fixsterne Arktur und Wega. Im Teleskop erkennt man nur wenig auf dem Mars. Unser Wissen vom Roten Planeten ist den zahlreichen Raumsonden zu verdanken, die an ihm vorbeigeflogen sind, ihn umkreisten oder weich auf ihm landeten. Zu den jüngsten erfolgreichen Missionen zählt die Sonde Insight (Einblick) der US-Raumfahrtagentur Nasa. Sie setzte im November 2018 sanft in den Elysium-Ebenen nahe dem Marsäquator auf dem Marsboden auf. Nach einer Testphase begann das Seismometer der Sonde Marsbeben zu registrieren, um Rückschlüsse auf den inneren Mars-Aufbau zu ziehen. Bisher wurden rund 500 Beben aufgezeichnet, dies ist fast jeden Marstag eines. Ein Marstag ist nur vierzig Minuten länger als ein irdischer Tag. Die Marsbeben sind allerdings erheblich schwächer als Erdbeben und dauern zwischen zehn und zwanzig Minuten. Verursacht werden die Marsbeben durch tektonische Spannungen in der Marskruste.

Am 7. Mai ist Vollmond

Bei seiner monatlichen Runde durch den Tierkreis passiert der Mond in der Nacht vom 1. auf 2. Mai Regulus, den Hauptstern des Löwen. Am 6. kommt der Mond mit 359 650 Kilometer in Erdnähe. Bereits einen Tag später tritt um 12.45 Uhr die Vollmondphase ein, wobei der Mond im Sternbild Waage steht. Am 12. und 13. zieht der abnehmende Mond zuerst an Jupiter und anschließend an Saturn vorbei. Zwei Tage später sieht man den abnehmenden Halbmond nahe Mars. In Erdferne begibt sich der Mond am 18., wobei ihn 405 580 Kilometer von uns trennen. Am 22. um 19.39 Uhr wird die Neumondposition erreicht.

Steil über unseren Köpfen steht der Himmelswagen während die Kassiopeia knapp über dem Nordhorizont leicht übersehen werden kann. Wie ein überdimensionaler Zeigefinger deutet die gebogene Wagendeichsel auf den orangen Arktur, den Bärenhüter, Hauptstern im Bild des Bootes. Arktur gehört zu den zehn hellsten Sternen. Er markiert das eine Eck des Frühlingsdreiecks, zu dem noch Regulus im Löwen und Spica in der Jungfrau gehören. Das Frühlingsdreieck beherrscht nun den Südhimmel, wobei die Jungfrau gerade den Meridian durchschreitet.

Südlich der Jungfrau stößt man auf das Sternentrapez des Raben. Der Rabe ist ein kleines aber gut einprägsames Sternbild. Einst hatte der Rabe ein weißes Gefieder und konnte wunderschön singen. Zeus beauftragte ihn einmal, mit einem Becher frisches Wasser für die Göttergesellschaft auf dem Olymp zu holen. Der säumige Rabe verspätet sich und kommt ohne Wasser zurück. Er behauptet, eine Wasserschlange hätte die Quelle leergesoffen. Zur Strafe erhält er ein schwarzes Gefieder und kann nur noch krächzen statt singen.

Im Nordosten strahlt die blauweiße Wega im Sternbild Leier. Mit Arktur gehört Wega zu den beiden hellsten Sternen des Nordhimmels.

Neben dem Bootes fällt ein kleiner Halbkreis von Sternen auf. Er ist gut zu erkennen, auch wenn seine Sterne nicht besonders hell sind. Er markiert das antike Sternbild Nördliche Krone, lateinisch Corona Borealis. Der Sage nach handelt es sich um die Juwelenkrone der Ariadne, Tochter des Königs Minos von Kreta, die sie bei ihrer Hochzeit mit Dionysios trug. Der etwas hellere Stern in der Mitte der Krone heißt Gemma, der Edelstein. Gemma strahlt ein blauweißes Licht aus und ist hundertmal leuchtkräftiger als unsere Sonne. Mit 10 000 Grad Celsius Oberflächentemperatur ist Gemma auch deutlich heißer als unsere Sonne mit 5510 Grad.

Die Sonne strebt dem Gipfelpunkt ihrer Jahresbahn entgegen, den sie im nächsten Monat erreicht. Am 14. wechselt sie frühmorgens aus dem Sternbild Widder in das Sternbild Stier. In das Tierkreiszeichen Zwillinge tritt sie am 20. nachmittags. Im letzten Maidrittel passiert die Sonne das Goldene Tor der Ekliptik. Die Mittagshöhen der Sonne nehmen um sieben Grad zu, die Tageslänge wächst für die Mitte Deutschlands um eine Stunde und zwanzig Minuten.