Fluchtpunkt

Sturmspotting auf Vancouver Island

Stephan Brünjes,

Von Stephan Brünjes &

Sa, 25. Januar 2020

Reise

Zugegeben, man muss sich einen Ruck geben: Aufstehen, weg vom wohlig warmen Kamin im Ferienhaus zwischen den schützenden Dünen. Rein in die Daunenjacke, Kragen hoch, Mütze auf, Handschuhe an. Nicht schön im ersten Moment, wenn der eisige Wind wie Schleifpapier mit 120er-Körnung die Haut schmirgelt. Gewöhnungsbedürftig diese Kälte. Trotzdem: Das alles ist am Winterstrand von Tofino auf Vancouver Island schnell vergessen. Wie startende Jumbo-Triebwerke klingt der Wintersturm, sagen die Leute dort. Und weil dieser Sound nicht alltäglich ist, übertragen sie ihn mit eigens installierten Mikros in Hotels wie "The Wickaninnish Inn", eine Lodge direkt am Pazifischen Ozean. Da drücke ich mir mit Sturmspottern aus aller Welt meine Nase hinter den orkanfesten Panoramafenstern des Restaurants platt und beobachte, wie Pazifikwellen auf den Strand und die Felsen donnern und angeschwemmte Baumstämme wie Streichhölzer zerknicken. Sobald sich der Sturm gelegt hat, muss ich raus – zu einer deftigen Strandwanderung.
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