Zischup-Interview mit Schulleiter Gerd Günther

"Selbstständig, individuell und kooperativ"

Alina Kaltenbach, Alia Steger, Klasse 8b, Jengerschule, Ehrenkirchen

Von Alina Kaltenbach, Alia Steger, Klasse 8b, Jengerschule & Ehrenkirchen

Di, 26. Februar 2019 um 14:27 Uhr

Schülertexte

Gerd Günther ist Rektor an der Jengerschule in Ehrenkirchen. Im Interview mit den beiden Schülerinnen Alina Kaltenbach und Alia Steger, beide Klasse 8b, erzählt er, was genau selbstorganisiertes Lernen ist.

Zischup: Wie funktioniert das selbstorganisierte Lernen?
Günther: Bislang funktioniert das System gut. Das könnt ihr vielleicht auch selbst besser einschätzen, weil ihr ja die Betroffenen seid. Aber für mich als Schulleiter stelle ich fest, dass die Kinder, die lernen wollen, mit dem System ganz gut zurechtkommen. Kinder, die da überfordert sind oder null Bock haben, die haben natürlich Schwierigkeiten. Da stellt sich dann die Frage, was man für diese Kinder tun kann, beziehungsweise ob es eine andere Schule gibt, die für sie dann besser geeignet wäre?
Zischup: Warum gibt es das selbstorganisierte Lernen?
Günther: Das selbstorganisierte Lernen soll dazu führen, dass die Kinder selbstständig, individuell und kooperativ lernen können und dass sie in dieser Phase nach ihrem individuellen Lerntempo Mathematik und Deutsch lernen können.

Zischup: Wer kam auf die Idee dieses Systems?
Günther: Die Idee ist im Kollegium entstanden. Wir wollten den Schülern und Schülerinnen ein Zeitfenster anbieten, in dem sie in ihrem Lerntempo arbeiten können. Wir haben dann überleget, wie wir das umsetzen können. Und ihr wisst, dass ihr beispielsweise das Klassenzimmer, den Computerraum und den Raum des kooperativen Lernens in dieser Zeit zur Verfügung habt. Nach einigen Jahren haben wir festgestellt, dass es auch einen Raum braucht, in dem man Nachweise oder Tests durchführen kann. Und dies sollte ein Raum sein, in dem man absolute Ruhe hat. Dieser Raum ist dann im BK-Raum entstanden.
Zischup: Gibt es dieses System noch auf anderen Schulen?
Günther: Es gibt das System auch auf anderen Gemeinschaftsschulen, beispielsweise auf der Gemeinschaftsschule in Wutöschingen. Es gibt Gemeinschaftsschulen, die ein anderes Zeitfenster wählen oder andere Formen der Differenzierung.

Zischup: Wo sehen Sie die Vor-und Nachteile des selbstorganisierten Lernens?
Günther: Ein Vorteil ist sicherlich, dass die Kinder sich sehr viel bewegen können und selbst einschätzen lernen, wann sie einen Gelingensnachweis schreiben können. Ein Nachteil ist natürlich, wenn beispielsweise Lehrkräfte auf Vorbildung sind. Dann haben wir natürlich Schwierigkeiten, die verschiedenen Räume zu besetzen.
Zischup: Was ist Ihre persönliche Meinung zum selbstorganisierten Lernen?
Günther: Wir sind ja jetzt im fünften Jahr der Gemeinschaftsschule. Mittlerweile kommt es sehr gut an, dass die Schülerinnen und Schüler hier nach ihrem Lerntempo arbeiten können. Aber wir stellen auch fest, dass manche Schüler und Schülerinnen sich nicht an die Regeln halten und in dieser Zeit gerne das Klo aufsuchen oder andere Nischen finden, wo sie sich zurückziehen können. Wir würden es uns eher wünschen, dass die Zeit sinnvoll genutzt wird. Ein weiterer Vorteil ist, dass die Schülerinnen und Schüler in Vertretungsstunden beispielsweise mit dem Material aus dem selbstorganisierten Lernen weiterarbeiten können, da sie selbst wissen, was sie in Deutsch und Mathematik brauchen und ihnen alles frei zur Verfügung steht. Was ebenfalls toll ist, dass das Material über DiLer, die digitale Lernumgebung, online immer verfügbar ist, weil man da die Möglichkeit hat, auch zu Hause Arbeitsmaterialien herunterzuladen. Das gab es in meiner Schulzeit zum Beispiel nicht.
Zischup: Vielen Dank Herr Günther für dieses Interview.