Interview mit dem Sonderpädagogen Torsten Hofstetter

Vom Zivildienst zum Traumberuf

Celine Hofstetter, Klasse W8a, Emil-Dörle Schule

Von Celine Hofstetter, Klasse W8a, Emil-Dörle Schule (Herbolzheim)

Mi, 27. März 2019 um 12:38 Uhr

Schülertexte

Torsten Hofstetter arbeitet als Sonderpädagoge. Seine Nichte Celine Hofstetter, Schülerin der Klasse W8a aus der Emil-Dörle-Schule in Herbolzheim, hat ihn zu seinem Beruf befragt.

In der achten Klasse steht das Thema Berufsorientierung im Vordergrund. An der Emil-Dörle Schule in Herbolzheim machen die achten Klassen ein einwöchiges und ein zweiwöchiges Praktikum. Im Vorfeld wurde bereits ein Sozialpraktikum in Klasse sieben im Rahmen von 30 Stunden in einer sozialen Einrichtung absolviert. In der neunten Klasse findet dann ein weiteres einwöchiges Praktikum statt. Da der Sonderschullehrer von körperlich behinderten Kindern und Jugendlichen ein sehr interessanter Beruf ist, habe ich mit dem Sonderpädagogen Torsten Hofstetter ein Interview geführt.

Zischup: Herzlichen Dank, dass du dieses Interview mit mir führst. Ich stelle mir den Beruf des Sonderpädagogen als sehr schwierig vor. Wie bist du auf die Idee gekommen, Lehrer für Kinder und Jugendliche mit körperlichen Behinderungen zu werden?
Hofstetter: Ich habe meinen Zivildienst an einer Schule für Körperbehinderte in Emmendingen gemacht. Und bereits damals schon hat es mir Freude bereitet, mit Menschen zu arbeiten, die körperliche Beeinträchtigungen haben.
Zischup: Wie verlief dein Berufsweg und die damit einhergehende Ausbildungsphase?
Hofstetter: Nach dem Abschluss der mittleren Reife an der Emil-Dörle-Realschule in Herbolzheim und einer Ausbildung zum Mediengestalter kam der Zivildienst. Wie bereits zuvor erwähnt, hat mir die Arbeit mit behinderten Kindern und Jugendlichen im Rahmen meines Zivildienstes sehr gut gefallen. Dann habe ich das Abitur auf dem zweiten Bildungsweg gemacht und in Freiburg sowie in Reutlingen studiert. Bevor ich Lehrer sein konnte, musste ich für anderthalb Jahre ein Referendariat machen.

Zischup: Wie war dein erster Arbeitstag im Referendariat?
Hofstetter: Ich war unglaublich aufgeregt, aber die Kollegen und die Schüler waren ganz toll. Ich habe mich gleich zu Beginn sehr wohl gefühlt in meiner Rolle als Sonderpädagoge und an meiner Schule. Bei uns arbeiten immer mehrere Leute in einer Klasse.
Zischup: Ich stelle es mir schwierig vor, wenn körperbehinderte Kinder, die ihre Hände nicht benutzen können oder im Rollstuhl sitzen, gleichzeitig unterrichtet werden sollen. Wie gehst du mit den behinderten Schülerinnen und Schülern um?
Hofstetter: Ich versuche ihnen ganz normal und mit viel Humor zu begegnen. Bei uns ist es aber auch so, dass die Schüler spezielle Aufgaben je nach ihren Fähigkeiten bekommen. Während die einen zum Beispiel Rechenaufgaben lösen, lernt ein anderes Kind mit dem Kopf einen Computer zu bedienen.


Zischup:
Was gefällt dir besonders gut an deinem Beruf?
Hofstetter: Die Arbeit ist sehr vielfältig und macht einfach großen Spaß.
Zischup: Gibt es auch negative Seiten oder Dinge, die dir nicht so gut an deinem Beruf gefallen?
Hofstetter: Manchmal müssen wir uns mit sehr viel Bürokratie und Vorschriften herum schlagen.
Zischup: Ich kann mir immer noch nicht richtig vorstellen, wie der Unterricht und die Pausen an einer Schule mit behinderten Kindern abläuft. Gibt es auch die typischen Alltagsprobleme wie an Regelschulen, Mobbing zum Beispiel oder Streit zwischen den Schülerinnen und Schülern?
Hofstetter: Natürlich kommt das auch vor, aber recht selten. Dann rede ich mit den beteiligten Kindern und frage sie nach einer Lösung. Oft schließen wir dann einen Vertrag, wie sich alle in Zukunft verhalten wollen.

Zischup: Kannst du als Sonderpädagoge auch an einer Werkrealschule arbeiten?
Hofstetter: Ja, wenn Schüler mit Behinderungen inklusiv beschult werden, kommen Sonderpädagogen an die Schule und beraten Lehrer und Eltern. Zusätzlich bieten sie teilweise besondere Gruppenangebote an oder begleiten Kinder in den Regelunterricht.
Zischup: Das hört sich alles sehr spannend an. Noch einmal herzlichen Dank für das Interview.