Syrien-Krieg

Ratsam wäre es, auf internationaler Ebene das Gespräch zu suchen

Walter Urbancik

Von Walter Urbancik (Ortenberg)

Do, 01. April 2021

Leserbriefe

Zu: "Ein Land im Elend", Reportage von Cedric Rehman (Die dritte Seite, 16. März)

Seit zehn Jahren herrscht in Syrien ein fast vergessener Krieg. Zurzeit aber befassen sich Medien wieder mit dessen Folgen – doch ohne sich mit den Ursachen auseinanderzusetzen. Damals wie heute herrscht dort eine Clan-Diktatur der Assad-Familie wie auch in Saudi-Arabien. Trotz einer zuvor relativ zivilen Situation kam es wegen wirtschaftlicher Probleme und Korruption zu Unruhen, gegen die das Regime gewaltsam vorging.

In der Folge bemächtigten sich die Islamisten des Islamischen Staats (IS) eines Teils des Landes. Dagegen kämpften zunächst Syrer und auch Kurden, die aber seither zwischen die Fronten geraten sind. Ausländische Staaten mischten sich ein, wodurch sich dies zu einem internationalen Stellvertreterkrieg entwickelt hat. Diesem sind inzwischen eine halbe Million Menschen zum Opfer gefallen, 13 Millionen seien geflohen. Situation heute: USA und Russland bombardieren immer noch, die Türkei und Israel annektieren Teile des Landes, ohne dass es dagegen nennenswerte Proteste des Westens gibt, Iran mischt sich ein.

Assad hat Russland zu Hilfe gerufen, welches Militärstützpunkte gebildet hat. Die Terroristen des IS halten immer noch die Enklave Idlib besetzt. Das Volk lebt in Ruinen und hungert. Und bisher gibt es keine Aussicht auf Besserung. Es scheint mir aber zu einfach, für all das allein das Assad-Regime verantwortlich zu machen. Dieses deswegen mit Embargo zu boykottieren und Zugänge zu sperren, schadet nur den 16 Millionen der verbliebenen Bevölkerung.

Das umso mehr, als die USA und auch die EU mit anderen Diktaturen bestes diplomatisches Einvernehmen pflegen. Es ist daher nicht unvernünftig anzuregen, dennoch mit diesem Regime auf internationaler Ebene das Gespräch zu suchen, um durch Kompromisse eine Stabilisierung der Lage und vielleicht auch die Rückführung von Flüchtlingen zu erreichen. Damit könnte dort Frieden und auch dazu ein Wiederaufbau initiiert werden. Walter Urbancik, Ortenberg