Razzia nach geplantem Eklat am Gemüseregal

dpa

Von dpa

Do, 14. Mai 2020

Panorama

Gewalt gegen Polizisten.

TROISDORF/BONN (dpa). Einsätze wegen Verstößen gegen den Corona-Schutz gibt es für die Polizei immer wieder. Daher sind die beiden Beamten der Polizei in Troisdorf bei Bonn zunächst geduldig, als sie in einem Supermarkt vor einem Gemüseregal von einem Mann (38) ohne Mund-Nasen-Maske angeblafft werden, der sie gleichzeitig filmt und keinen Ausweis zeigen will. Plötzlich eskaliert die Situation: Ein weiterer, 35-jähriger Mann gerät mit den Beamten aneinander. Schläge, Tritte, Schreie – am Ende sind beide Polizisten schwer verletzt. Schnell vermuten die Ermittler: Die Provokation der beiden Männer war geplant.

Am Mittwoch, vier Tage später, hat die Polizei die Wohnungen der Männer in Troisdorf und Bonn nach Beweisen durchsucht. In Troisdorf fanden sie eine Bodycam und Schlagwaffen. Einiges deutet darauf hin, dass mindestens einer der Männer Bezüge zur Reichsbürgerszene hatte oder hat. Das Video des Vorfalls tauchte unmittelbar nach der Aktion im Internet und im Messenger-Dienst Telegram auf, in dem sich zurzeit viele Corona-Skeptiker tummeln. Die Wortwahl der Männer im Video ähnelt der Sprache sogenannter Reichsbürger. Die Ermittlungen wechselten so zum Staatsschutz.

Nach Angaben der Staatsanwaltschaft wurden bei den Razzien mutmaßliche Beweismittel gesichert. Ob die beschlagnahmte Kamera die aus dem Supermarkt ist, blieb zunächst offen. Die Tatverdächtigen blieben zunächst auf freiem Fuß. Gegen sie wird wegen vorsätzlicher schwerer Körperverletzung und tätlichen Angriffs auf Polizeibeamte ermittelt. Der Vize-Chef der Gewerkschaft der Polizei in NRW, Michael Maatz, sagte, der Vorfall sei ein Skandal. "Dass die Polizeibeamten offensichtlich in eine Falle gelockt und schwer verletzt wurden von Menschen, die die Corona-Krise politisch ausschlachten wollen, ist nicht tolerierbar ."