Vernetzung

Rechte Hooligangruppen: Die große Klammer

Christoph Ruf

Von Christoph Ruf

Sa, 02. April 2016

1. Bundesliga

Rechte Hooligangruppen haben ihr Mobilisierungsthema gefunden und vernetzen sich international.

FREIBURG. Rechte Hooligangruppen habe ihr Mobilisierungsthema gefunden und vernetzen sich international. Die Randale von Brüssel wird als Fanal gefeiert.

Als am vergangenen Sonntag 400 Hooligans die Gedenkfeier für die Brüsseler IS-Opfer störten, Trauergäste schlugen und rechte Parolen grölten, war die Überraschung groß. Tatsächlich war es ja das erste Mal seit der aus dem Ruder gelaufenen Großdemonstration der "Hooligans gegen Salafisten" 2014 in Köln, dass eine gewalttätige Menschenmenge, die fast ausschließlich aus Hooligans bestand, im Zentrum einer europäischen Großstadt Angst wütete.
Für Kenner der Szene wie den Berliner Fanforscher Robert Claus sind allerdings weder der Zeitpunkt noch der Anlass für die Randale überraschend. Seit gut zwei Jahren beschäftigten sich viele europäische Hooliganszenen stark mit Zuwanderung und Islamismus, sagt er. "Das ist das beherrschende Thema."
Längst sind dabei Allianzen über Landesgrenzen hinweg entstanden. Mit den Brüsseler Ausschreitungen solidarisierten sich dutzende europäische Gruppen. Selbst in den USA posteten Ultras des Erstligisten New York City Football Club Bekenntnisse gegen den Islamischen Staat. In Deutschland tummeln sich derweil viele Ultra- und Hoolgruppen auf einer Seite mit dem Titel "Ultras not reds".

Randale von Brüssel als Fanal gefeiert

Nun sind Bekenntnisse gegen den IS natürlich kein rechtes Statement. Sympathien für die Mörderbanden hat schließlich in Europa kein politisches Lager. Doch bei den "nicht-roten" Ultras braucht man nicht lange zu rätseln, aus welchem Spektrum die Unterstützer kommen. Keltenkreuze, Reichsfahnen, Yr-Runen und "Refugees-not-welcome"-Buttons finden sich dutzendweise in den Postings aus dem In- und Ausland, vor allem aus Osteuropa. Fußballschläger aus Polen, Russland, der Ukraine, Tschechien oder Ungarn machen dabei keinerlei Unterschiede zwischen den IS-Schlächtern und Flüchtlingen.

Parallel hört man in mehreren deutschen Ultraszenen derzeit die Klage, dass vor allem Jüngere den Gewaltkick suchen und immer mehr Zeit in den Mixed-Martial-Arts-Studios ihrer Städte verbringen. Parallel werden ältere Hooligans wieder aktiver und haben im Islam-Thema ihr Mobilisierungsfeld gefunden: "Viele extrem rechte Hooligangruppen gucken mit einem fast schon neidischen Blick auf die Szenen in Osteuropa, vor allem in Russland", sagt Robert Claus. "Die dortige Szene gilt als sehr hart und hat keine Probleme, mit Hakenkreuzen aufzutauchen."

Doch auch die gewaltbereite Fußballszene in Deutschland begreift sich zunehmend als politischer Akteur. In Leipzig-Connewitz, einer Hochburg der linken Szene, hinterließen im Januar 250 Hooligans eine Spur der Verwüstung. Auch bei den Pegida-Demos und ihren Ablegern sind Hooligans eine tragende Säule – bei den Angriffen auf Flüchtlingsunterkünfte in Freital oder Heidenau wurden zahlreiche Fußballschläger in vorderster Front erkannt. Und Anfang des Jahres musste die Polizei gleich an mehreren Orten "Bürgerwehren" auflösen, die rechte Hooligans gebildet hatten: In Köln und Mönchengladbach löste die Polizei die alkoholisierten und bewaffneten Gruppen auf, in Bielefeld fand sie Sturmhauben, Messer, Fackeln und Quarzsandhandschuhe.

Um die Gruppierung "Hooligans gegen Salafisten", die 2014 fast 5000 Anhänger mobilisierte, ist es derweil ruhig geworden. Stattdessen werden im Forum "Hooltras Deutschland" Gewaltorgien wie die von Connewitz offen abgefeiert. Die Organisationsformen der rechten Hooligans haben sich also gewandelt. Doch nach Ansicht von Claus hat die Szene längst das Thema gefunden, mit dem sie auch in den kommenden Jahren mobilisieren werden: "Isis und Islam werden in den nächsten Jahren die große Klammer sein."