Lockruf der Wildnis

Petra Krimphove

Von Petra Krimphove

Sa, 01. Oktober 2011

Reise

Ihre Nationalparks sind den Amerikanern heilig. Hier versuchen sie der Welt des Turbokapitalismus zu entfliehen.

Ein Grizzly, der in den frühen Morgenstunden auf dem Campingplatz herumstreunt – das ist der jungen Familie aus Indiana dann doch zu viel des wahren Naturerlebnisses. Nach zwei Tagen im Grand Teton National Park in Wyoming hat sie ihre Zelte vorzeitig abgebrochen und steht nun vor ihrem beladenen Auto. "Wenn niemand seine Lebensmittel herumliegen lässt, wird der Bär wahrscheinlich nicht wiederkommen", erklärt die freundliche Rangerin des National Park Service, die wie jeden Morgen auf dem Platz nach dem Rechten schaut, der besorgten Mutter. Doch das Wort "wahrscheinlich" ist nicht eben überzeugend, wenn man Angst hat, einem 2,50 Meter großen und bis zu 350 Kilogramm schweren, hungrigen Bären zu begegnen. Die Eltern mit ihren drei Kindern werden sich ein anderes Quartier suchen – und fahren in ihrem blauen Kombi davon.

Dabei gibt es kaum einen schöneren Ort, um sein Zelt aufzuschlagen. Der Campingplatz liegt im Herzen des Parks direkt am Seeufer des Jenny-Lake. Wer Glück hat – oder lange genug im Voraus reserviert – erwischt eine der schönsten Parzellen mit direktem Zugang zu einem schmalen Sandstrand. Hier schweift der Blick ungestört über das glasklare Wasser auf die erhabenen, mit seinen scharfen Zacken an die Dolomiten erinnernden Gipfel des bis zu 4200 Meter hohen Teton-Gebirges. Anders als auf den überfüllten Campingplätzen in Europa ist hier das Zelt der Nachbarn kaum zu sehen, deren Gespräche abends am Feuer sind nur als leises Murmeln vernehmbar und die Nacht ist so still, als wäre man alleine auf der Welt.

Ist man aber nicht. Darum steht auf jedem der geräumigen Areale neben Picknicktisch, Feuerstelle, Grill auch eine große Metallbox, um die Lebensmittel zu verstauen. Bären haben eine feine Nase und werden sogar vom Deo oder von den parfümierten Cremes der Camper angezogen. Erst vor kurzem hat eine hungrige Bärenmutter einen Touristen im angrenzenden Yellowstone Nationalpark getötet. Die Medien waren voll davon.

Und doch ist es möglich, entspannt die Natur zu genießen oder hinter einer dünnen ...

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