Reise in die Vergangenheit

Paul Eischet

Von Paul Eischet

Mo, 22. November 2021

Schopfheim

Friedhofsführung.

Am Samstag hatte die VHS zu einer "Historischen Friedhofsführung" geladen. 21 Interessenten waren der Einladung gefolgt. Zugelassen waren nur geimpfte oder genesene Personen. Nach ausgiebiger Kontrolle am Haupteingang nahm die ehemalige Museumsleiterin und Stadtarchivarin Ulla K. Schmid die Teilnehmergruppe mit auf eine Reise in die Vergangenheit. An 17 Grabstätten gab sie Einblicke in Leben und Wirken von Schopfheimer Persönlichkeiten.

"Der Friedhof Schopfheim war nicht immer hier", wusste Ulla K. Schmid zu berichten. Im Mittelalter wurden Friedhöfe in Kirchennähe angelegt. In Zeiten der Pest reichte der Platz nicht mehr aus, und so wurde der Friedhof dorthin verlegt, wo er sich bis heute befindet.

Zunächst ging es zur Ruhestätte des Fabrikanten, Landtagsabgeordneten und einstigen Schopfheimer Bürgermeisters Ernst Friedrich Gottschalk. Dessen Großvater Johann Friedrich Gottschalk hatte den Drahtzug in Schopfheim gegründet, der in den 1830er Jahren in eine Baumwollspinnerei umgewandelt wurde.

Weiter ging es von Grab zu Grab. Familie Sutter war vielen Anwesenden ein Begriff, und auch Anna Kym, Fabrikbesitzer, Verleger und Zeitungsgründer Georg Arnold Uehlin, Industriedesigner Hans Theo Baumann und Hans Vetter waren den meisten Anwesenden keine Unbekannten.

Anrührendes gab es über Cäsar Sironi zu erfahren. In den 1880er Jahren war der Maurermeister aus Italien nach Schopfheim gekommen. Am Grab der Familie Sironi verwies die Friedhofsführerin auf eine Besonderheit: Es ist das Einzige auf dem Schopfheimer Friedhof, unter dem sich eine Gruft befindet. "Diese hat Herr Sironi anfertigen lassen, als seine Tochter starb. Sie soll wunderschön gewesen sein. Es war für den Vater ein unerträglicher Gedanke, bei der Beerdigung Erde auf ihr Gesicht fallen zu lassen."

Die Tour endete am Grab der Familie Waldi: Katharina Waldi war Jüdin und hatte drei Kinder. Auf ihrer Flucht vor der zweiten Deportation wurde sie 1944 von der Gestapo gefasst und in die Arrestzelle des Schopfheimer Rathauses verbracht, wo sie sich mit einer Überdosis Schlafmittel das Leben nahm.