Handball

Reserve des TuS Schutterwald zahlt Lehrgeld beim TuS Schuttern

Wolfgang Künstle

Von Wolfgang Künstle

Mo, 28. Oktober 2019 um 16:40 Uhr

Landesliga Nord

In einer turbulenten Landesliga-Partie mit teils chaotischen Zügen zahlte der Aufsteiger aus Schutterwald Lehrgeld. Beim 30:26 war der TuS Schuttern in der Offohalle das konzentriertere Team.

In der ersten Hälfte fand auf beiden Seiten lediglich rudimentäre Abwehrarbeit statt und die Torhüter standen auf verlorenem Posten. Beide Teams legten ein immenses Tempo an den Tag und nutzten ihre zahllosen Torgelegenheiten großteils. Nach einer Viertelstunde stand es bereits 10:10. Beide Teams zeigten einen ansehnlichen Kombinationshandball und die Schutterner waren immer wieder über den Kreis erfolgreich. Auf der gegenüberliegenden Seite schlossen auch die Schutterwälder ihre Angriffe konsequent und überlegt ab. Zwanzig Minuten lang war die Partie vollkommen ausgeglichen, dann verloren die Gäste aus rätselhaften Gründen den Faden. Der TuS Schuttern zog von 13:14 auf 20:14 davon und entschied hiermit – was zu diesem Zeitpunkt natürlich noch niemand wusste – die Partie.

Im zweiten Abschnitt zeigte sich ein gänzlich anderes Bild. Bei beiden Teams überwogen Wille und Entschlossenheit das handballerische Potential nun deutlich. So ging es in gleichem Tempo weiter, doch die Abschlüsse wurden zunehmend haarsträubender, besonders auf der Schutterwälder Seite, die neben vielen guten Chancen auch fünf Siebenmeter verwarfen, vier davon in dieser zweiten Hälfte. Trotzdem, und das sagt vieles aus, gewannen die Gäste diesen zweiten Abschnitt mit 12:10.

Zwölf Minuten vor dem Ende lagen die Schutterner mit vier Toren vorne, trotzdem hatte man immer das Gefühl, dass der Vorsprung am seidenen Faden hängt. Zu fahrig wirkten die Aktionen beider Kontrahenten. Letztlich war Torwart Sascha Rauer der Matchwinner auf Schutterner Seite. Er zog mit glänzenden Paraden der Gästeoffensive den Zahn und ließ in den letzten zwanzig Minuten bloß noch vier Schutterwälder Treffer zu.

Torwart Sascha Rauer war der Mann des Tages

"Es war heute nicht unser Tag", stellte der Schutterwälder Simon Seigel nach Schlusspfiff fest. "Normalerweise können wir unsere Leistung über 60 Minuten abrufen, nur heute hat es irgendwie nicht geklappt." Dass die Mannschaft von Trainer Axel Schmidt den Sieg einfach mehr wollte, glaubt Seigel allerdings nicht: "Wir waren ebenfalls alle heiß auf die Begegnung. Als Aufsteiger ist jedes Spiel etwas Besonderes. Unsere Chancenauswertung am Ende des Spiels ist schon ärgerlich. Da war echt mehr drin."

Sascha Rauer hieß der Mann des Tages, und er durfte auch die euphorischen Glückwünsche seiner Mitspieler Sekunden nach dem Schlusspfiff entgegennehmen. Nach längerer Pause stand er wieder zwischen den Pfosten. "Ich hatte in der Vorbereitung Knieprobleme, und der TuS Schuttern verfügt mit Kevin John und Chris Krajnc über zwei starke Torhüter. So war ich halt die Nummer drei. Natürlich will man immer spielen, aber wenn die beiden für die Mannschaft eine gute Leistung zeigen, bin ich der Letzte, der sich beklagt."

Am Samstag war Kevin John nicht mit dabei, und so durfte Sascha Rauer in der Schlussphase auf die Linie. Der 25-Jährige stand seit der E-Jugend im Kasten des TuS Ottenheim, wechselte die vergangene Saison für ein Jahr zum TuS Altenheim und ist nun in Schuttern gelandet. "Ich habe hier viele Freunde und ihnen versprochen, dass ich einmal bei ihnen spielen werde, bevor ich aufhöre", erklärt Rauer, der sich trotz jungen Jahren notgedrungen mit dem Karriereende auseinandersetzen muss. Denn er brachte das Kunststück fertig, zu verpassen, dass er sich nach einem unsanften Zusammenprall mit dem Torpfosten die linke Kniescheibe gleich zweifach gebrochen hatte. Bis mit dem linken Bein gar nichts mehr ging, war die Patella schon schief zusammengewachsen. Die Arthrose ließ nicht lange auf sich warten. Und im rechten Knie macht die Patellasehne Probleme. Wenn es beim Gehen in den Knien knirscht, dann erinnert sich Rauer daran, dass er idealerweise noch etliche Jahrzehnte auf zwei Beinen durchs Leben spazieren möchte. Dennoch schiebt er das Unvermeidliche noch ein Stückchen vor sich her: "Ich habe bisher keinen Termin, wann ich aufhören werde. Ich habe vor, die kommende Saison in Schuttern im Tor zu stehen – wenn alles gut läuft."

TuS Schuttern: Rauer, Krajnc; J. John 1, Kopf 8/5, Schrempp 4, Lederer 3, Welle 2, Lischke, Nienstedt 2, Dittrich 4, Silberer 5, Weißer, de Weijer 1. TuS Schutterwald II: Wegner, Schnebelt; Schulz 9/6, Hug 3, Herzog 4, Zind, Fautz, Seigel 3, Behmann 1, Oertel 1/1, Bindner 1, Wiedenmann, Gieringer , Strosack 4. Spiel-Film: 2:0, 3:2, 5:3, 5:5, 7:5 (10.), 8:7, 9:10, 11:11, 13:13 (20.), 13:14, 20:14, 20:15 – 22:16, 23:19, 24:22 (40.), 27:22, 29:23 (51.), 29:25, 30:26. Zuschauer: 150.