Praxisschließung

RHEINGEFLÜSTER: Chance wurde nicht genutzt

Agnes Pohrt

Von Agnes Pohrt

Sa, 30. November 2019

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Dass die medizinische Versorgung im ländlichen Raum immer schwieriger wird, ist nicht neu. Der Beruf des Hausarztes, der rund um die Uhr für seine Patienten da ist und dafür mit einem hohen sozialen Ansehen belohnt wird, mag vor 50 Jahren noch erstrebenswert gewesen sein. In die heutige Zeit passt dieses Ideal aber für viele nicht mehr. Schließlich konnte der allzeit bereite Hausarzt seiner Profession nur so leidenschaftlich nachgehen, weil die Ehefrauen ebenso uneingeschränkt für Haushalt und Familie da waren. Für die meisten Frauen ist diese Rolle schon lange nicht mehr erstrebenswert. Wie ihre Partner wollen sie einen Beruf ausüben und die Work-Life-Balance dabei nicht vernachlässigen. Das trifft natürlich auch auf sehr viele junge Mediziner zu. Trotzdem verwundert es, dass Dr. Eilert Voget keine Nachfolge für seine gut eingeführte Praxis in Ihringen gefunden hat. Schließlich liegt die Kaiserstuhlgemeinde im Speckgürtel der beliebten Metropole Freiburg, die mit öffentlichem Nahverkehr bestens erreichbar ist. Und Tag und Nacht muss in Ihringen schon lange kein Hausarzt mehr für seine Patienten erreichbar sein. Bereitschaftsdienste an Wochenenden und Feiertagen entfallen, denn auch für die Ihringer Patienten ist dann die hausärztliche Notfallpraxis in Freiburg zuständig. Zudem bietet gerade die Digitalisierung viele Möglichkeiten, den Praxisalltag effektiver zu organisieren und Zeit einzusparen. Gemeinschaftspraxen sind ebenfalls eine Alternative, um den Arbeitsaufwand in einem überschaubareren Rahmen zu halten. Die über 6000 Einwohner von Ihringen und Wasenweiler müssen sich jetzt auf nur noch vier Hausarztpraxen verteilen. Das wird bei Ärzten und Patienten zu Verdruss führen. Umso bedauerlicher ist es, dass es die Helios-Rosmann-Klinik abgelehnt hat, eine Filiale des Medizinischen Versorgungszentrums in Ihringen einzurichten. Hier wurde eine Chance vertan.