Rosenkrieg und Regenwetter

René Zipperlen

Von René Zipperlen

So, 13. Oktober 2019

Wirtschaft (regional)

Der Sonntag Die zweite Auflage der Dreilandmesse war zugleich die letzte – Sie scheidet im Streit.

Das mutige Gastspiel ist beendet: Schon nach der zweiten Auflage verkündet die Ausrichterin das Ende der Dreilandmesse Rheinfelden. Als Grund gibt sie mangelnde Unterstützung und Gängelung durch die Stadtverwaltung an. Die sieht sich aber im Recht.

"Die Dreilandmesse kommt wieder" – so titelt die Homepage der Messe noch heute. Die Überschrift entstammt freilich einem Artikel über die erste Auflage der Messe im Herbst 2017. Nach Rheinfelden kam Messechefin Regina Rieger aus Rastatt vom 3. bis 6. Oktober tatsächlich, sah – und strich die Segel. Unumstößlich, richtete sie vergangenen Sonntag der Presse aus, sei ihre Entscheidung, die Messe aus Rheinfelden abzuziehen.

In ihrem Statement schreibt die Messeleitung von "Gängelungen" und ausgebliebener "Rückendeckung" vonseiten der Stadtverwaltung. Entzündet hat sich der Ärger nach ihrer Darstellung vor allem an zwei Punkten: der Parksituation und Beschränkungen bei Werbeplakaten. Rieger erklärt, 50 Aussteller, die ihre Fahrzeuge auf dem Grünstreifen des Tutti-Kiesi-Areals geparkt hatten, hätten Strafzettel erhalten. Allerdings erklärt Rheinfeldens Oberbürgermeister Klaus Eberhardt auf Nachfrage, die Veranstalterin sei am Freitag, dem zweiten Messetag, informiert worden, dass die Vereinbarungen nicht eingehalten worden seien. Die Parkraumbewirtschaftung sei Anfang September besprochen und am 24. September schriftlich fixiert worden. "Auf dem Plan ist deutlich aufgezeigt, wo geparkt werden durfte und wo nicht." Für die Einhaltung der Parkregeln habe die Messeleitung mit eigenen Kräften zu sorgen. Die aber seien zum Teil gar nicht richtig über ihre Aufgaben informiert gewesen. Warum Rieger von großzügigeren Parkregeln ausging, ließ sich nicht klären: Auf entsprechende Anfragen des "Sonntag" erging bis Freitagabend keine Antwort.

Der zweite Streitpunkt betrifft Werbeplakate. Hier beschwert sich Rieger laut "Badischer Zeitung", für alles, was vor zwei Jahren bei der Erstauflage der Messe an Werbebannern noch erlaubt, toleriert oder genehmigt worden sei, habe es dieses Mal Verbote unter Kostenandrohungen gegeben. Sie frage sich deswegen, ob die Messe in Rheinfelden überhaupt willkommen sei.

Das bejaht Oberbürgermeister Klaus Eberhardt nachdrücklich: Um den Wunschtermin der Messeleitung zu ermöglichen, habe man sogar den Herbstmarkt verlegt. "Mit großem Bedauern" habe er der Presse entnommen, dass Rieger an einen Rückzug denkt. Die Stadt selbst habe Rieger erst nach einem entsprechenden Schreiben über ihre definitive Absage informiert.

Das zuständige Bürgerbüro hatte der Messeleitung Plakate tatsächlich nur im Innenstadtbereich erlaubt. Allerdings seien Plakate und Werbebanner "nach Paragraf 33 der Straßenverkehrsordnung im Außenbereich grundsätzlich verboten". Die entsprechenden Genehmigungen bewegten sich "im Rahmen bisheriger Genehmigungen".

Nicht genehmigte Plakate müsse die Veranstalterin nach Aufforderung selbst entfernen, ansonsten übernehmen das städtische Mitarbeiter. Die Messe soll aber deutlich mehr als die genehmigten 30 Plakate aufgehängt und eigens Bauzäune aufgestellt haben. Die erbetene dreitägige Frist zum Abbau habe die Messe nicht eingehalten. Die Rechnung folgte prompt.

Rieger erklärte, sie habe diese Streitpunkte im Nachgang mit Gemeinderäten und Behörden mit Blick auf 2021 diskutieren wollen. Warum sie für diese Gespräche nun "keine Basis" mehr sah, bleibt eine offene Frage.

Die Dreilandmesse bewegt sich in einem für klassische Verbrauchermessen schwierigen Umfeld. So strich die traditionsreiche Basler Muba komplett die Segel, und die geschrumpfte Freiburger Badenmesse blieb diesen September mit 37 000 Besuchern unter den Erwartungen. Rieger hatte auf 25 000 Besucher – nach 15 000 im ersten Jahr – gehofft. Besucherzahlen nannte Rieger bislang keine. Der Ansturm fiel aber vor allem Freitag und Samstag bei Regen nur mäßig aus, wie sie selbst erklärt. Kritik gab es an den Eintrittspreisen, die sich mit 7 Euro (Familienkarte 16 Euro) an denen der größeren Regiomesse Lörrach orientierten. Sie seien für das Angebot zu hoch.

Rieger veranstaltet in der Region auch die Hochrheinmesse in Waldshut. Für 2020 kündigte sie an: "Ich werde Waldshut-Tiengen eine grandiose Veranstaltung bescheren."