Rückenstärkung für die Reisebranche

Juliana Eiland-Jung

Von Juliana Eiland-Jung

Mo, 15. Februar 2021

Offenburg

Online-Diskussion der Ortenauer Kandidierenden der FDP und deren tourismuspolitischem Sprecher.

. Mit zum Teil deftigem Vokabular kritisierte Marcel Klinge, FDP-Bundestagsabgeordneter für den Schwarzwald-Baar-Kreis und tourismuspolitischer Sprecher seiner Bundestagsfraktion den Regierungskurs bezüglich der Tourismusbranche in der Corona-Zeit bei einem Online-Treffen.

Marcel Klinge fasste seine Position in drei Punkten zusammen: Unterstützungsgelder müssen endlich fließen, Reisen in sichere Gebiete unter Einhaltung von Hygienemaßnahmen erlaubt werden, und die Tourismusbranche müsse als "tollste Branche in Deutschland und Top-Leistungsträger" anerkannt werden.

Die Aktivitäten der Regierung in diesem Bereich nannte Klinge "lahmarschig", es sei eine "Sauerei", dass erst zehn Prozent der Hilfen ausgezahlt worden seien, die Warnungen vor Reisen von Innenminister Seehofer und Außenminister Maas bezeichnete er als "unverantwortlich".

Die zum Mitdiskutieren eingeladenen Praktiker aus der Reisebranche pflichteten ihm inhaltlich bei und forderten, dass "Reisen trotz Corona" möglich sein müsse, und zwar nicht erst zu Pfingsten. Vierzehn Teilnehmer hatte der gut einstündige Meinungsaustausch, an dem neben Klinge auch die FDP-Bundestagskandidat Martin Gassner-Herz und die Landtagskandidaten Rita Klee (Offenburg), Regina Sittler (Lahr) und Yannick Kalupke (Kehl) teilnahmen. Reisebüro-Unternehmerin Birgit Kaiser (Bahlingen, Emmendingen und Freiburg) schilderte ihre Situation: Die Mitarbeiter in Kurzarbeit und gefrustet vom sinnlosen Aufwand der Buchungen und Stornierungen und vom öffentlichen Druck, der dazu geführt habe, dass Reisende und Anbieter sich als "Verbrecher" fühlten.

Kritik an schleppender Fördergeld-Auszahlung

Christian Otto, Reisebüro-Inhaber aus Wörrstadt, verglich die Situation sogar mit "Stasi-Zeiten", und forderte: "Die Hetze gegenüber Reisenden und Reisebüros muss aufhören". Dazu komme, dass Fördergelder nicht oder zu schleppend ankämen in den Reisebüros, während für Tui- und Lufthansa-Rettung viel Geld fließe. Vor allem bei der Tui sparten Kaiser und Klinge nicht mit Kritik. Die Rettung sei richtig, die Tui verwende allerdings die Gelder dafür, Direkt-Buchungsmöglichkeiten zu verbessern, was den Reisebüros schade. Kaiser äußerte zudem die Befürchtung, dass die Tui Steuerzahlungen in Deutschland umgehen wolle. Für die privaten Ferienwohnungsanbieter, die vor kurzem einen eigenen Verband gegründet haben, sprach Steffen Reiber. Sie bekämen keine Hilfen vom Staat und hätten auch noch keine Perspektiven eröffnet bekommen, obwohl sich der Aufenthalt in einer Ferienwohnung bei Anreise im eigenen Auto nicht von der Situation in der eigenen Wohnung unterscheide. Marcel Klinge pflichtete ihm bei, Rita Klee lenkte den Blick auf mangelnde Kommunikation von Seiten der Politik. Martin Gassner-Herz verglich die strikten Maßnahmen mit "mittelalterlichen Flagellanten, deren Askese das Durchhalten der Corona-Krise" erschwere.

Dabei sei der "Tapetenwechsel" gerade jetzt wichtig, Regina Sittler verwies auf die "medizinischen Wirkungen" von Reisen zum Beispiel für Lungen- oder Psoriasis-Erkrankte.