Rückzug wegen Störungen

BZ-Redaktion

Von BZ-Redaktion

Mi, 01. Juli 2020

Elzach

Bürgerinitiative "GegenWind" erörtert Forschungsprojekt "Auerhuhn & Windenergie".

(BZ). Einige Mitglieder der Bürgerinitiative "GegenWind – für das obere Elztal" haben sich in den vergangenen Wochen intensiv mit dem Forschungsprojekt "Auerhuhn & Windenergie" auseinandergesetzt und danach gefragt, welche Folgerungen daraus für unsere Region zu ziehen sind.

Nachgewiesen wurde, dass Auerhühner ausgesprochen sensibel auf die Errichtung von Windenergieanlagen (WEA) reagieren. Sie ziehen sich zurück und halten, soweit es der Lebensraum zulässt, einen Abstand von mindestens 650 bis 850 Meter von den WEA und den Zuwegungen. Die Tiere gewöhnen sich auch nicht an die Anlagen, sie bedeuten eine dauerhafte Störung. Was sie am meisten stört – der Lärm, der Schattenwurf, die Sichtbarkeit – konnte nicht ermittelt werden. Die BI GegenWind schließt daraus, dass bei der neuen Generation von WEA somit die Distanz noch größer sein könnte.

Abgesehen von diesem Rückzug konnte die Forschergruppe allgemein keinen Einfluss der WEA auf die Bestandsgröße belegen. Sie geht aber davon aus, dass bei kleinen Beständen wie im Schwarzwald nachteilige Auswirkungen zu erwarten sind, wenn die ohnehin schon erheblich verringerten geeigneten Lebensraumflächen weiter eingeschränkt werden. "Die WEA stellen im Übrigen auch eine tödliche Gefahr für Auerhühner dar, weil diese unter bestimmten Bedingungen gegen die Türme fliegen, wenn sie sich doch einmal in der Nähe der Anlagen aufhalten", schreibt die BI und bezieht sich hier auf die Ergebnisse der Untersuchungen.

Für den Schwarzwald ergaben die Forschungen weiter, dass die Auerhühner nach wie vor zwischen den einzelnen Teilgebieten wandern und dabei auch große Entfernungen zurücklegen. Allerdings hat die Häufigkeit abgenommen, die genetische Vielfalt sei damit bedroht. Diese Vielfalt sei jedoch unbedingt notwendig, um den Erhalt des Auerhuhnbestandes zu sichern. Dem Teilgebiet Mitte – also unserer Region – komme für den genetischen Austausch zwischen den einzelnen Beständen eine besondere Bedeutung zu. Hier sei die Anzahl der Auerhühner auch ungefähr gleich geblieben, während in den übrigen Teilgebieten ein dramatischer Rückgang zu verzeichnen ist.

Aus Vorsorge keine weiteren Windkraftanlagen

Die Forschergruppe empfiehlt deshalb, das Vorsorgeprinzip konsequent anzuwenden, die Lebensräume der Auerhühner durch Pflegemaßnahmen zu verbessern und dort keine weiteren Störungen – etwa durch WEA – zuzulassen. Die Landesanstalt für Umwelt wird die praktischen Folgen der Forschungsergebnisse für die Bewertung von WEA in Antragsverfahren prüfen.

"Zahlreiche weitere Ergebnisse eröffnen interessante Perspektiven, erfordern aber zusätzliche Untersuchungen, weil die Datengrundlage noch nicht ausreicht und deren Interpretation folglich unsicher ist", stellt Heiko Haumann aus Yach im Namen der BI GegenWind fest. Die insgesamt beeindruckenden Forschungen zeigen, dass die WEA die Lebensbedingungen der Auerhühner verschlechtern. Die BI fordert deshalb, "für unseren Raum auf weitere WEA zu verzichten". 2019 und 2020 seien im Gebiet um Gschasikopf und Rohrhardsberg ermutigende Beobachtungen von Auerhähnen, Hennen und Küken gemacht worden. Es dürfe nicht zugelassen werden, dass der Lebensraum noch geringer und schlechter wird, sich die Auerhühner zurückziehen und die Gefahr ihres völligen Verschwindens besteht. Angesichts der Bedeutung des Auerhuhns als Leit- und Schirmart hätte dies verheerende Folgen für andere Tiere und Pflanzen und damit letztlich auch für die Menschen.

Info: Das Projekt hatte eine Laufzeit von fünf Jahren. Untersucht wurden sechs Gebiete in Deutschland, Österreich und Schweden. Finanziert wurde das Projekt von den beiden zuständigen Ministerien Baden-Württembergs sowie Windenergieunternehmen, darunter Enercon und Ökostromgruppe Freiburg. Beteiligt waren zehn Wissenschaftler von deutschen, österreichischen und Schweizer Institutionen unter Federführung der Forstlichen Versuchs- und Forschungsanstalt Baden-Württemberg. Die Ergebnisse des Projektes sind unter anderem in einem 128-seitigen Abschlussbericht niedergelegt.