Jazz

Rymden im Burghof: Friedliche Koexistenz der Stile

Udo Andris

Von Udo Andris

Mo, 18. Februar 2019 um 19:55 Uhr

Rock & Pop

Bugge Wesseltoft, Dan Berglund und Magnus Öström erschaffen mit ihrem neuen Piano-Trio Rymden einen ganz eigenen Ensembleklang. Nachzuhören im Burghof in Lörrach.

Der Name ist Programm. Das schwedische Wort "Rymden" bedeutet Weltraum, Universum, Kosmos. Und das skandinavische Trio Rymden erschafft dann auch einen eigenen musikalischen Kosmos, weitet den Raum seiner Ausdrucksmöglichkeiten, seiner stilistischen Bezüge, gleitet mühelos zwischen Erdnähe, Bodenhaftung und sphärischen Klängen, zwischen Konkretion und Abstraktion.

Rymden setzen sich zusammen aus dem norwegischen Pianisten und Keyboardspieler Bugge Wesseltoft sowie dessen schwedischen Kollegen Magnus Öström an Drums/Perkussion und Dan Berglund am Kontrabass. Wesseltoft besitzt in seiner Heimat und auch international einen klangvollen Namen. Mit seinem Band-Projekt "New Conception of Jazz" gab er der norwegischen Szene zusätzliche Facetten, wirkte genreübergreifend, baute Brücken zwischen Elektronik, Club und Jazz. Das 2001 erschienene Album "Moving" beispielsweise verknüpft stimmig House-Grooves mit Jazzorientierten Improvisationen, schafft eine bis dato selten gelungene Synthese beider Welten. Parallel zum Crossover setzt sich Wesseltoft aber auch immer wieder gerne ans Klavier, glänzt mit Solo-Aufnahmen als virtuoser Pianist.

Alles andere als Unbekannte sind dann auch seine Gefährten Magnus Öström und Dan Berglund, bildeten die beiden doch das Rhythmus-Team des innovativen Esbjörn Svensson Trios (e.s.t.): ein spektakuläres Unternehmen von Weltruf, das die Konzeption des Jazz-Piano-Trios reformierte. Die Equipe um den Bandleader Esbjörn Svensson verstand sich als eine Pop-Band, die Jazz spielte. Das Trio pflegte bei Konzerten das Image einer Rock-Formation, integrierte in sein Spiel auch die Rhythmen des Drum & Bass, bewahrte Jazzsubstanz – und zog auch ein mit Rock groß gewordenes Publikum an. e.s.t., 1993 gegründet, wirkte ohne Umbesetzung bis 2008, als Esbjörn Svensson bei einem Tauchunfall ums Leben kam.

Zurück zu Rymden. Bugge Wesseltoft wollte schon lange ein Piano-Trio gründen und fand nun in Magnus Öström und Dan Berglund ideale Partner. Und das Debüt-Album dieses Super-Trios, "Reflections & Odysseys", lässt dann einfach nur staunen: Rymden erliegen nicht der Versuchung, e.s.t. zu kopieren, sondern kreieren einen eigenen Ensembleklang. Dazu gehört auch, dass Wesseltoft neben dem Flügel auch Synthesizer und vor allem mehrmals das elektrische Rhodes-Piano einsetzt, das mit seinen perlenden Noten an die besten Momente des Electric-Jazz der 1970er Jahre erinnert.

Magnus Öström und Dan Berglund brillieren wie gewohnt. Öströms Drumming schwingt zwischen Rock-Rhythmen und feinsinnigen (Jazz-)Beats, verfügt sowohl über Masse als auch über filigrane Momente. Ein Genuss auch Berglund am Kontrabass. Besonders die gestrichenen Partien besitzen viel Ausdruck, nähern sich klanglich und emotional auch dem Charakter eines Cellos.

Enorm, wie Rymden zu klanglicher Dichte, zu aufleuchtenden orchestralen Wirkungen gelangen, dann wieder zu einer aussparenden und feingliedrigen Tonsprache. In dieser Musik finden Vitalität, Melancholie, bezwingend schöne Melodien/Harmonien, aber auch Avantgardismen zu friedlicher Koexistenz.

Mit Rymdens Gastspiel im Burghof Lörrach wird der Region sicherlich ein Konzert der Extraklasse geschenkt. Ein Konzert, für offene Pop-Hörerinnen und -Hörer ebenso geeignet wie auch für ein scheuklappenfreies, osmotisches Jazz-Publikum.

Rymden: Reflections & Odysseys (Jazzland Recordings / Edel). Konzert: Donnerstag, 21. Februar, Lörrach, Burghof, 20 Uhr.