Musik

Saison bei "Klassik im Krafft-Areal" in Schopfheim ist eröffnet

Roswitha Frey

Von Roswitha Frey

So, 19. Juni 2022 um 16:59 Uhr

Schopfheim

Die Pianistin Andrea Kauten eröffnet die Saison bei "Klassik im Krafft-Areal" in Fahrnau mit feurig-leidenschaftlicher Klaviermusik. Sie wird in dieser Saison noch öfter zu hören sein.

Draußen herrschte Gluthitze, drinnen zog feurig-leidenschaftliche Klaviermusik die Zuhörer in Bann. Mit einem furiosen Recital eröffnete Andrea Kauten am Samstagabend die neue Saison "Klassik im Krafft-Areal". Es war wohl den hochsommerlichen Temperaturen und den Pfingstferien geschuldet, dass mit 60 Zuhörern etwas weniger als sonst in die Halle in der ehemaligen Schuhfabrik Krafft in Fahrnau strömten.

Die Freude war groß bei den treuen Anhängern der Klassikreihe und bei Organisator Werner Geigle, dass "nach langer Zeit wieder ein Konzert unter normalen Bedingungen" stattfinden konnte, ohne Einschränkungen, ohne Anmeldung. Geigle dankte der Mäzenin der Stiftungskonzerte, Karin Benner, die bisher auch in der Organisation mitgeholfen hatte. Die lockere Bestuhlung aus den Corona-Jahren hat man beibehalten, da die Besucher und Künstler dies schätzen gelernt haben. So konnte das Publikum in der angenehm luftigen ehemaligen Industriehalle bei weit geöffneten Fenstern den grandiosen Klavierabend genießen, der ganz im Zeichen der Romantik stand.

Das Programm begann mit vier Stücken aus Schumanns "Album für die Jugend". Leichthändig, differenziert und farbig bildhaft ausgemalt, spielte Andrea Kauten die kleine Romanze, das Ländliche Lied, den Rundgesang und das Reiterstück aus diesem Album voller Empfindsamkeit.

Eine literarische Figur von E.T.A. Hoffmann

Den Höhepunkt im Schumann-Block bildete die "Kreisleriana", in der die Pianistin die steten Stimmungswechsel und Kontraste glänzend ausleuchtete. Schumann spiegelt in diesen acht Fantasien eine literarische Figur von E.T.A. Hoffmann und deren unstetes Wesen zwischen Wahn, Tragik, Emphase und Gespenstisch-Groteskem. In zupackendem Zugriff und romantischem Gefühlsüberschwang ließ Andrea Kauten diesen Wirbel an Stimmungsbildern und Charakterstudien am Zuhörer vorüber ziehen. Mal in der Manier der auftrumpfenden Virtuosin, mal in dahinjagender Bewegtheit, mal draufgängerisch-stürmisch, mal träumerisch-schwärmerisch lotete sie dieses klingende Psychogramm aus.

Nach der Pause widmete sich Andrea Kauten, die seit 16 Jahren künstlerische Leiterin der Reihe im Krafft-Areal ist, dem Alterswerk von Brahms. In fünf seiner Sechs Klavierstücke op. 118 beeindruckte sie mit ebenso leidenschaftlichen wie gefühlvollen Interpretationen. Im ersten und vierten Intermezzo betonte sie das Ruhelose, die wuchtig rollenden Wogen. Ihre Darstellung der Ballade hatte Bewegtheit und Spannungskraft. Aber auch die Gefühlsaufschwünge, die Innigkeit, Wärme und lyrische Tiefe im zweiten Intermezzo horchte sie intensiv aus.

Werke von Tschaikowsky, Mozart und Brahms

Ganz groß trumpfte die Klaviervirtuosin zum Schluss in Liszts "Mephisto-Walzer" auf. Voller Suggestivität, in kraftvoll aufbrausendem Klang, voller Bravour und Verve legte sie diesen "Tanz in der Dorfschenke" aus der Faust-Dichtung als dämonischen Spuk auf die Tasten. Die flirrenden Trillermotive, die sinnlich aufgeladene glitzernde Klangmagie, das hexerische Treiben brachte Andrea Kauten in fulminanter Tastenraserei zu fantastischer Wirkung. Entsprechend feierten die Zuhörer die Pianistin für diesen Bravour-Auftritt.

Andrea Kauten wirkt auch in den nächsten beiden Konzerten der Reihe mit. Schon am kommenden Samstag, 25. Juni, geht es weiter mit dem renommierten Fritz Busch Quartett, das sich aus Musikern der Sächsischen Staatskapelle Dresden zusammensetzt, sowie dem Solo-Klarinettisten Robert Oberaigner und Andrea Kauten am Steinway-Flügel. Aufgeführt werden Werke von Tschaikowsky, Mozart und Brahms.

Unter Leitung von Aurélien Bello gastiert am 23. Juli das Südwestdeutsche Kammerorchester Pforzheim mit Andrea Kauten als Solistin. Es erklingen Werke von Mozart und Beethoven. Mit einem Chopin-Programm sind das Kammerorchester Pforzheim und die Pianistin zum Schluss der Saison am 26. November ein weiteres Mal zu hören.

Zwischen den Orchester-Auftritten gibt es nach der Sommerpause am 24. September einen Jazz-Abend mit dem Trio um den Schlagzeuger Harald Rüschenbaum und dem Sprecher und Erzähler Wolfgang Griep, die sich "Des Knaben Wunderhorn" in Text und jazzigen Klängen vornehmen. Barockfans sollten sich den 15. Oktober vormerken, wenn der Barockgeiger Ilia Korol und der Cembalist Jermaine Sprosse Werke von Bach und Händel spielen.