Sanfter Zugang zu einem harten Job

Annika Sindlinger

Von Annika Sindlinger

Mo, 22. Juli 2019

Herbolzheim

Die Herbolzheimer Wehr richtete am Wochenende den Landesjugendfeuerwehrtag aus / Nachwuchsgewinnung als Thema.

HERBOLZHEIM. Zum ersten Mal fand am Wochenende im Kreis Emmendingen der Landesjugendfeuerwehrtag statt. Auf dem Programm standen ein Symposium zum Thema Kinderfeuerwehr, die Delegiertenversammlung und der BWBW-Cup, der Landesentscheid für die Jugendfeuerwehren. Thomas Häfele, der Landesjugendleiter, verabschiedete sich nach 15 Jahren im Amt und übergab seine Aufgabe an seinen bisherigen Stellvertreter Andreas Fürst.

Landrat Hanno Hurth begrüßte die rund 200 anwesenden Delegierten in der Breisgauhalle. "Wir freuen uns sehr, dass der Landesjugendfeuerwehrtag in Herbolzheim stattfindet", sagte er. Auch im Landkreis Emmendingen leiste die Feuerwehr hervorragende Jugendarbeit und die gesamte Gesellschaft profitiere von der Wehr, so Hurth. Derzeit gebe es im Kreis 22 Jugendgruppen mit rund 500 Mitgliedern und auch drei Kindergruppen, sagte er. Hurth dankte der Stadt und der Wehr für die Organisation. "Ich danke der Herbolzheimer Wehr umso mehr, denn sie ist gerade durch einen Brandstifter zusätzlich belastet", sagte Hurth.

In Herbolzheim gibt es eine der drei Kindergruppen im Kreis. "Es macht Spaß zu sehen, mit wie viel Spaß die Kinder dabei sind und wie das sanfte Heranführen, an das, was die Feuerwehr jeden Tag macht, in Herbolzheim gelingt", sagte Bürgermeister Thomas Gedemer. Das Interesse der Städte und Gemeinden sei sehr groß daran, Kinder früh an das Feuerwehrwesen heranzuführen.

Im Anschluss wurde Andreas Fürst zum neuen Landesjugendleiter gewählt. Martin Stürzl-Rieger ist sein erster, Oliver Semmler sein zweiter Stellvertreter.

Außerdem verabschiedeten die Delegierten ein neues Bildungskonzept und den Kinderfunken, ein Abzeichen speziell für Kindergruppen. Die konkrete Umsetzung der Jugendfeuerwehren liegt weiterhin in der Hand der Wehren vor Ort. Allerdings bekommen sie nun Richtlinien und -werte als Orientierungshilfe für verschiedene Altersstufen, die eine einheitliche und qualitativ hochwertige Jugendarbeit garantieren sollen.

Bei einem zeitgleich stattfindenden Symposium dienten Workshops als Austauschplattform für Kindergruppenleiter, Betreuer und alle Interessierten. Ausbilder von der Landesfeuerwehrschule sprachen in Gruppen mit bis zu zehn Teilnehmern über die Verwendung von Feuerwehrtechnik mit Kindern, den Übergang von der Kinder- in die Jugendfeuerwehr, Versicherungsschutz und Rechte. Sie erklärten, was beim Umgang mit Kindern beachtet werden muss und wo mögliche Stolpersteine liegen.

Mit einem Spreizer kann man ein Überraschungsei öffnen

In den Workshops wurde deutlich, dass eine altersgerechte und spielerische Wissensvermittlung besonders im Umgang mit Geräten wichtig ist. Spreizer müsse man beispielsweise nicht an einem Autodach vorführen, sondern an einem Überraschungsei. Außerdem könne man damit eine Banane schälen, erzählte einer der Ausbilder. Wichtig sei es, das Gefährdungspotenzial zu senken. "Ihr kennt die Kinder und wisst, was sie hinkriegen", sagte er. Es gelte, maßvoll und mit Gefühl zu handeln. "Für einen Zehnjährigen reicht ein Teil einer Steckleiter vollkommen aus, der muss nicht ein vierstöckiges Gebäude hochklettern", sagte er.

Wichtig sei es, auch die Betreuer der Kindergruppen qualifiziert auszubilden. Eine andere Ausbilderin gab den Teilnehmern den Tipp, pädagogisch ausgebildete Kräfte wie Erzieher oder Lehrer mit ins Boot zu holen. Für den Übergang von der Kinder- in die Jugendfeuerwehr sei es wiederum wichtig, Jugendliche bereits als Paten oder Mitbetreuer in die Kindergruppe zu integrieren. Zur Sprache kam auch mehrfach die Konkurrenz der Kinderfeuerwehr zu anderen Vereinen oder Hobbys der Kinder.

Zum Abschluss des Tages fand die Siegerehrung des BWBW-Cups auf dem Handballplatz statt. 15 Mannschaften aus ganz Baden-Württemberg waren hier am Nachmittag gegeneinander angetreten. Den Cup holte sich die Jugendfeuerwehr aus Villingen Schwenningen. Zusammen mit der zweitplatzierten Jugendfeuerwehr aus Brigachtal darf sie im September in Xanten beim Bundesentscheid Baden-Württemberg vertreten.

Die Ausrichtung des Landesjugendfeuerwehrtages war eine Herausforderung für die derzeit stark geforderte Herbolzheimer Feuerwehr. Martin Hämmerle, der Kommandant, war mehr als zufrieden mit dem Einsatz seiner Kameraden. "Es hat alles super geklappt, vom Wettkampf bis zur Versammlung. Ein großes Lob geht an meine Mannschaft", bilanzierte Hämmerle.