Otto-Film

Satire und ihre Stilmittel zählen seit langem zu den Grundpfeilern der Literatur

Andreas Verstappen

Von Andreas Verstappen (Merzhausen)

Di, 21. Juli 2020

Leserbriefe

Zu: "Wie rassistisch ist ‚Otto – der Film‘"? Agenturbeitrag (Kultur, 15. Juli)
Die Angriffe der "Initiative schwarze Menschen in Deutschland" gegen den Otto-Film zeugen leider von Respektlosigkeit und Kenntnisfreiheit gegenüber den kulturellen Errungenschaften und Entwicklung hierzulande. Satire und ihre Stilmittel gehören spätestens seit dem "Lob der Torheit" von Erasmus von Rotterdam und dem Schelmenroman "Simplizissimus" zu den Grundpfeilern der deutschsprachigen Literatur. Im 19. Jahrhundert waren satirische Zeitschriften wie die Frankfurter Latern Wegbereiter der Entwicklung hin zu den heute üblichen demokratischen Gesellschaften. In den 60/70er Jahren war es vor allem die von den Otto-Film-Autoren Robert Gernhardt und Bernd Eilert mitgetragene Zeitschrift pardon, die postfaschistische und rassistische Strukturen im Nachkriegsdeutschland aufgedeckt und unsere liberale und vergleichsweise rassismusarme Gesellschaft erst möglich gemacht hat. Leider aber wurde das den Ketzern und Satirikern meist nicht gedankt. Und leider sind wir mit den Erdogans und Trumps und Orbans und Bolsonaros wieder auf dem gleichen verhängnisvollen Weg...Andreas Verstappen, Merzhausen