Bundesliga

SC Freiburg will am Donnerstag ins Mannschaftstraining einsteigen

David Weigend & Frank Hellmann

Von David Weigend & Frank Hellmann

Mi, 06. Mai 2020 um 16:47 Uhr

SC Freiburg

Der SC Freiburg begrüßt die politische Entscheidung, die Bundesliga-Saison in der zweiten Mai-Hälfte fortzuführen. Ab Donnerstag soll beim SC wieder in voller Mannschaftsstärke trainiert werden.

Das gab der Fußball-Bundesligist auf seiner Website bekannt. Bis dato trainiert man im Schwarzwaldstadion und an der Freiburger Fußballschule immer noch in Fünfergruppen. Mehr haben die zuständigen Behörden in Baden-Württemberg bislang nicht zugelassen. Dies dürfte sich aber mit dem jüngsten Signal aus der Politik ändern.

Statement der SC-Vorstände

Die Vorstände des SC Freiburg, Oliver Leki und Jochen Saier, lassen sich wie folgt zitieren: "Die heutige Entscheidung der Politik ist ein ganz wichtiger Schritt für den deutschen Profifußball. Damit ist die Grundlage geschaffen, die Saison 2019/20 zu Ende zu spielen, was aus sportlicher und wirtschaftlicher Sicht für die Clubs von großer Bedeutung ist. Jetzt geht es darum, dass das entwickelte Hygiene- und Organisationskonzept von allen Beteiligten konsequent umgesetzt wird. Der SC Freiburg ist sich dabei seiner Verantwortung bewusst."

Kanzlerin Angela Merkel und die Ministerpräsidenten der Länder hatten sich am Mittwoch auf einen Neustart in der ersten und zweiten Fußball-Bundesliga in Form von Geisterspielen ab Mitte Mai verständigt.

"Der Spielbetrieb wird unter den genehmigten Regeln erlaubt", teilte Merkel mit, wirkte dabei aber nicht wie ein Fan, der deswegen Luftsprünge macht. Die Erklärung lieferte Bayerns Ministerpräsident Markus Söder: "Der Kompromiss beim Fußball ist absolut vertretbar – auch wenn das Thema kontrovers ist." Zum Fall Salomon Kalou sagte Söder: "Ich kann nur appellieren: Es sollten auch Spieler, die sich unvernünftig verhalten, mit Konsequenzen rechnen müssen. Es war von dem einen Spieler von Hertha BSC schon ein schweres Eigentor." Der Ivorer hat mit seinen Inneneinsichten die gesamte Branche in beinahe existenzgefährdenden Verruf gebracht. Die meisten Clubs dürften nun jedoch aufatmen. Mit der politischen Erlaubnis ist der Geldfluss der Fernsehgelder abgesichert. Mit der Wiederaufnahme des Spielbetriebs können zwar nicht die sämtlichen 770 Millionen Euro vereinnahmt werden, die alle Erlösbereiche erbringen würden, aber weit mehr als die Hälfte davon.

Dem Bundesliga-Neustart vorweggehen muss eine Quarantäne-Maßnahme bei allen Vereinen, gegebenenfalls in Form eines Trainingslagers. Dies machte die Politik zur Bedingung. Der Ball liegt jetzt wieder bei der Liga-Organisation, die bereits am Donnerstag eine Video-Mitgliederversammlung angesetzt hat. So akribisch die Task Force unter Leitung von Tim Meyer den Hygiene- und Sicherheitsplan erarbeitet hat, so detailliert dürfte sich der für Fußball-Angelegenheiten zuständige Direktor Ansgar Schwenken Gedanken über die Spielpläne gemacht haben. Für die dritte Liga und Frauen-Bundesliga soll das mehrfach gelobte DFL-Konzept in leicht abgewandelter Form gelten. Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) wird von der Politik gebeten, "für die anderen Ligen tragfähige Zukunftskonzepte zu entwickeln."

Bedenken wegen Fiasko bei Hertha

In der Beschlussvorlage für den Profifußball hieß es, dass die "Fortsetzung des Spielbetriebs und mithin die Begrenzung des ansonsten entstehenden wirtschaftlichen Schadens in der 1. und 2. Fußball-Bundesliga für die dort startberechtigten 36 Vereine auf deren Kosten" als vertretbar gilt. Einschränkung ist, dass die benötigten Testkapazitäten keinesfalls die Prioritäten des Gesundheitswesens beeinträchtigen dürfen. Bislang besteht diese Gefahr eingedenk vieler nicht genutzter Testkapazitäten nicht.

Berechtigt scheinen Bedenken, dass das Facebook-Fiasko aus Berlin viel Vertrauen zerstört hat. Anja Stahmann (Grüne), Vorsitzende der für den Fußball nicht unwichtigen Sportministerkonferenz, äußerte sich in einem Radio-Interview geschockt. Ihr Gremium hätte das DFL-Konzept zwar durchgewunken, aber "uns haben große Zweifel beschlichen, als wir uns das Video angeschaut haben." Der deutsche Profifußball startet offenbar in vielerlei Hinsicht ein waghalsiges Versuchsprojekt mit immer noch sehr ungewissem Ausgang.