Wunderbare Miniaturen

Ulrich Senf

Von Ulrich Senf

Mo, 27. Mai 2019

Schallbach

Schallbacher Kulturtage erleben einen regelrechten Run auf das Konzert für Cello und Kontrabass in der Kirche.

SCHALLBACH. Dass die Schallbacher Kulturtage immer wieder für Überraschungen gut sind, hat sich langsam herumgesprochen. Mit viel Einsatz sorgen die Organisatoren nun schon im vierten Jahr dafür, dass in der Kirche Außergewöhnliches zu erleben ist. Mit dem Duo für Cello und Kontrabass haben sie diese Erwartung in ganz besonderer Weise erfüllt – das zeigte schon alleine der enorme Zuspruch, den der Auftritt dieser selten gehörten Besetzung am Freitag beim Publikum fand. Die Schallbacher Kirche war bis auf den sprichwörtlich letzten Platz besetzt.

Was Ana Helena Surgik (Violoncello) und Bernd Schöpflin auf seinem Kontrabass dann zelebrierten, das war ein mitreißendes Hörerlebnis. So selten die Besetzung nämlich zu hören ist, so rar sind auch die Originalkompositionen für Cello und Kontrabass – aber um so leidenschaftlicher haben sich jenen Komponisten, die sich diesem besonderen Duo verschrieben habe, mit den technischen und klanglichen Möglichkeiten der beiden Instrumente auseinandergesetzt. Schließlich, das schilderte Bernd Schöpflin in seinen pointieren Einführungen zu den Werken, waren es in vielen Fällen namhafte Cellisten und Kontrabassisten selbst, die ihrem Instrument und nicht weniger ihrem eigenen Können mit den originellen Miniaturen ein klangvolles Denkmal setzten.

Ana Helena Surgik und Bernd Schöpflin erweisen sich als perfekt aufeinander eingespieltes Team, dem es gelang, die facettenreichen Werke plastisch auszugestalten. Da wechselten furiose Kadenzen mit zartem, gesanglichem Spiel, da sorgten fein gezupfte Passengen für Durchsichtigkeit, da warfen sich die beiden Musiker wenig später in den fugenhaften Passagen die Bälle gegenseitig zu, spornten sich zu immer kühneren Tempi an und federten doch all den überbordenden Schwung im nächsten Moment mit leichter Geste wieder ab.

Besonders in der Sonate c-moll des Mailänder Barockmeisters Giorgio Antoniotti war dieses lebendige Kommunizieren zwischen den Instrumenten sehr fein herausmodelliert. Zwei Fugen hat Luigi Bocchernini für die Besetzung beigesteuert – als Cellist hat er sie für sich und seinen Kontrabass spielenden Vater, mit dem er viel auf Konzertreisen unterwegs war, komponiert. Virtuosität und ein augenzwinkernder Spielwitz vereinte sich hierbei.

Johann Michael Haydn stand zwar im Schatten seines Bruders, des großen Joseph Haydn, aber dafür hat er sich vor allem weniger bekannten Besetzungen verschrieben. Seine Polonaise C-Dur zeugt von dem besondern Ideenreichtum und dem handwerklichen Geschick. Feines Musizieren zelebrierte das Duo auch im Rondo von Ignaz Joseph Pleyel, dem wohl talentiertesten Schüler Joseph Haydns.

Im Zentrum des Programms stand dann aber jenes Rondo, das Gioacchino Rossini im Auftrag eines Londoner Bankiers, der selbst Cello spielte, für die Besetzung komponiert hatte. Hier konnten Ana Helena Surgik und Bernd Schöpflin noch einmal alle Register ziehen. Begeisternd, mit welcher Freude das Duo das Werk anging und wie fein die Nuancen herausgearbeitet wurden.