Scheitern im Viertelfinale

dpa

Von dpa

Sa, 23. November 2019

Tennis

Deutsches Tennis-Team unterliegt im Daviscup Großbritannien / Pilic kritisiert neuen Modus.

MADRID (dpa). Deutschlands Tennis-Männer müssen weiter auf den ersten Halbfinal-Einzug im Daviscup seit zwölf Jahren warten. Die Mannschaft von Teamchef Michael Kohlmann verlor am Freitagabend bei der neuen Endrunde in Madrid gegen Großbritannien und schied damit im Viertelfinale aus.

Die Niederlage gegen die Briten stand bereits nach den beiden Einzeln fest. Zunächst unterlag Philipp Kohlschreiber gegen Kyle Edmund mit 3:6, 5:7. Dann musste sich Jan-Lennard Struff gegen Daniel Evans trotz starker Leistung mit 6:7 (6:8), 6:3, 6:7 (2:7) geschlagen geben. Auch die Unterstützung von Geburtstagskind Boris Becker half in der spanischen Hauptstadt nicht. Das Doppel war damit bedeutungslos. In allen drei Spielen gegen Argentinien (3:0), Chile (2:1) und nun Großbritannien war der aus Furtwangen stammende Dominik Koepfer Ersatzspieler – und kam in Madrid nicht zum Einsatz.

Das deutsche Team war voller Selbstvertrauen in das Duell mit die Briten gegangen, die auf den früheren Weltranglisten-Ersten Andy Murray verzichteten. "Unsere Reise hier ist noch nicht beendet", hatte Struff gesagt. Auch das Fehlen von Spitzenspieler Alexander Zverev, der mit Roger Federer derzeit lieber einige Showkämpfe in Südamerika bestreitet, hatten Struff und Co. bislang gut kompensiert.

Doch gegen die Briten lief es von Anfang an nicht optimal für das deutsche Team. Kohlschreiber tat sich gegen den in der Rangliste zehn Plätze besser platzierten Edmund von Beginn an schwer. Der 36 Jahre alte Augsburger wirkte nicht ganz so frisch und entschlossen wie in den Spielen zuvor, als er sowohl gegen Argentinien als auch gegen Chile sein Einzel gewonnen hatte.

Der Druck auf Struff war nun riesengroß. Nur ein Sieg der deutschen Nummer eins hätte das Kohlmann-Team im Spiel gehalten. Und der 29 Jahre alte Warsteiner gab gegen Evans alles. Struff schlug gut auf, spielte druckvoll, doch Evans hatte in den entscheidenden Phasen immer eine Antwort parat.

Der frühere deutsche Tennis-Teamchef Niki Pilic hat das neue Format im Daviscup heftig kritisiert. "Es ist ein Skandal, dass ein spanischer Fußball-Profi und ein japanischer Geschäftsmann 120 Jahre Daviscup-Tradition kaputt machen konnten", sagte der 80 Jahre alte Pilic in einem Interview der Stuttgarter Zeitung und der Stuttgarter Nachrichten (Samstagsausgabe). Der Daviscup wird in diesem Jahr erstmals mit einer Endrunde in Madrid ausgetragen, an der 18 Mannschaften teilnehmen. Früher hatte es vier Runden mit Heim- und Auswärtsspielen über das ganze Jahr verteilt gegeben. Barcelonas Fußball-Profi Gerard Piqué hatte zusammen mit der Investmentfirma Kosmos die Rechte am Daviscup erworben und den Modus komplett verändert. Das japanische Unternehmen Rakuten ist Titelsponsor.