Zweiter Weltkrieg im Elsass

Schicksal der Malgré-Elles bleibt oft im Hintergrund

Hubert Matt-Willmatt

Von Hubert Matt-Willmatt (Freiburg)

Mo, 01. März 2021

Zu: "Schwieriges Erinnern", Beitrag von Bärbel Nückles (Die dritte Seite, 10. Februar)

Mit der Graphic Novel "Die Reise des Marcel Grob" hat der französische Radiojournalist Philipp Collin die Geschichte seines Großonkels eindrücklich aufgearbeitet, der, wie so viele, bereits mit 17 Jahren in die Waffen-SS gezwungen wurde. Die Geschichte der Malgré-Nous fügte unseren elsässischen Nachbarn nach dem Krieg weiteres Leid zu, da sie in Frankreich bis zu einer Rede von Sarkozy 2010 als Verräter an der französischen Sache und Kollaborateure galten und Deutschland 40 Jahre mit Entschädigungszahlungen wartete.

Zur Geschichte gehört auch, dass die 33. SS-Waffen-Grenadier-Division Charlemagne ausschließlich aus Franzosen bestand, die sich freiwillig verpflichtet hatten. In der SS-Panzerdivison "Das Reich", die 642 Einwohner der französischen Ortschaft Oradour-sur-Glane umbrachten, waren 14 Elsässer – davon 13 Zwangsverpflichtete, die 1953 in einem Prozess vor einem französischen Militärgericht mehrjährige Gefängnisstrafen erhielten – eine Woche später erließ die Nationalversammlung, auf elsässische Proteste hin und gegen den Willen der ermordeten Angehörigen, ein Amnestiegesetz. Der Elsässer, der sich freiwillig verpflichtet hatte, wurde zum Tode verurteilt.

Im Hintergrund bleibt das Schicksal der 15 000 Malgré-Elles, den elsässischen, lothringischen Frauen, die zum Reichsarbeitsdienst und zum Dienst in der Wehrmacht verpflichtet wurden. 5800 Überlebende erhielten 2008 eine Entschädigungssumme von 800 Euro. Das Historial auf dem Hartmannswillerkopf wurde zur deutsch-französischen Gedenkstätte des Ersten Weltkriegs. Wäre ein Mahnmal für die elsässisch-lothringischen Gefallenen des Zweiten Weltkriegs nicht auch ein französisch-deutsches Anliegen? Hubert Matt-Willmatt, Freiburg