"Schlüsselakteur" der Energiewende

Georg Voß

Von Georg Voß

Mi, 26. Juni 2019

Emmendingen

Die Bürgerenergiegenossenschaft Emmendingen engagiert sich weiter erfolgreich für die Erzeugung erneuerbarer Energien.

EMMENDINGEN. Für den Klimaschutzmanager der Stadt, Armin Bobsien, ist die Bürgerenergiegenossenschaft Emmendingen (Begem) mit ihrem am Gemeinwohl orientierten Vorgehen einer der Schlüsselakteure der Energiewende in Emmendingen. "Schließlich ist die Vorreiterrolle der Kommunen entscheidend", sagte Bobsien in seiner kurzen Einführung bei der Hauptversammlung über den Klimaschutz in Emmendingen.

Während die Kommune die Kohlenstoffdioxid-Emission von 2011 auf 2014 um acht Prozent senken konnte, sei es im letzten Jahrzehnt auf Bundesebene in dieser Hinsicht zu einem Stillstand gekommen. Dennoch gäbe es auch angesichts der zahlreich vorhandenen Dachflächen in Emmendingen noch genügend Platz und Potential für Photovoltaikanlagen. "Ziel ist ein klimaneutraler Gebäudebestand bis 2050."

So erzeugten die PV-Anlagen der Begem inklusive des Gemeinschaftsprojekts mit der Emmendinger-Teninger Energiegesellschaft auf dem Wöpplinsberg im Vorjahr 370 000 Kilowattstunden Strom, was einer Einsparung von 192,40 Tonnen an CO2 entspricht. Mit den KWK-Anlagen (Kraft-Wärme-Kopplung), die 164 000 Kilowattstunden Strom erzeugten, konnten weitere 59,86 Tonnen an Emissionen eingespart werden. In der Summe für das Jahr 2018 sind es rund dann 252 Tonnen an CO2-Einsparung.

Die Begem will sich für bürgernahe, dezentrale Energiewende einsetzen. Aufsichtsratsvorsitzender Werner Tegeler wies im Sitzungssaal des Emmendinger Rathauses auf die Satzung der Genossenschaft hin, die die "Initiierung von Projekten zur Erzeugung erneuerbarer Energien auf lokaler und überregionaler Ebene" vorsieht. Zum 31. Dezember 2018 hatte die Begem 203 Mitglieder, die insgesamt 4371 Genossenschaftsanteile à 200 Euro zeichneten. Zum 31. Dezember 2017 waren es noch 200 Mitglieder und 4194 Geschäftsanteile.

Nach Angaben des für die Finanzen zuständigen Vorstandsmitglieds Klaus Pleuler beläuft sich das Geschäftsguthaben der Mitglieder im Vorjahr auf 874 200 Euro. 2017 waren es noch 838 800 Euro. Der Bilanzgewinn 2018 liegt bei 25 267,48 Euro (2017: 20 579,23 Euro). Einstimmig genehmigten die Mitglieder den Ergebnisverwendungsvorschlag für das Geschäftsjahr. Vom Jahresüberschuss in Höhe von 25 267,48 Euro werden 22 647,60 Euro an die Genossenschaftsmitglieder ausgeschüttet. Die verbleibenden 2619,88 Euro werden in das nächste Geschäftsjahr übertragen. Auf Grundlage der Zahlen zum 31. Dezember 2017 werden 5,40 Euro oder 2,7 Prozent pro Anteil ausgeschüttet. Sowohl der Vorstand um Werner Strübin, Barbara Schweizer und Klaus Pleuler als auch die Aufsichtsräte wurden einstimmig entlastet.

Das erste Projekt, bei dem die Begem Gesellschafter und finanziell beteiligt ist, ist die Windkraftanlage der SWE-Bürgerwind I GmbH auf dem Weißmoos im Schuttertal. Nach Angaben des Vorstands Werner Strübin warf diese Anlage im Vorjahr einen Totalgewinn von 83 800 Euro ab. Die Windkraftanlage erzeugte 5023 MWh (Megawattstunden), das sind 96,8 Prozent des Solls. "Wir sind zufrieden mit dem Lauf des Projekts", so Strübin. Seit der Inbetriebnahme im Jahr 2013 wurden bis Ende April 2019 rund 27 000 MWh erzeugt oder 96,8 Prozent des Solls. Zudem ist die Begem mit einem Nachrangdarlehen in Höhe von 50 000 Euro bei der Windkraftanlage in Lahr beteiligt, die im Juli 2016 in Betrieb genommen wurde. Die Erträge beliefen sich in den beiden Vorjahren auf jeweils 2250 Euro.

Auf dem Familienzentrum Bürkle-Bleiche ist eine Photovoltaikanlage mit einer Leistung von 65 Kilowattpeak (kWp) installiert, die 2018 insgesamt 60 408 Kilowattstunden Strom erzeugte. 68 Prozent davon oder 41 029 kWh wurden als überschüssiger Strom in das Netz der Stadtwerke gespeist. Im Vergleich dazu lieferte die KWK-Anlage im Wohn- und Geschäftshaus an der Geyer-zu-Lauf Straße 1-9 im Vorjahr 84 100 Kilowattstunden an Strom, wobei 55 Prozent oder 46 433 kWh in das Geschäftshaus eingespeist wurden. Weitere Projekte der Begem sind die Heizungsanlage in Brennwerttechnik und Photovoltaikanlage der Schule Windenreute, die Wohnanlage Neustraße 45 in Emmendingen mit Heizungsanlage in Brennwerttechnik und thermischer Solaranlage sowie die Photovoltaikanlage auf dem Dach der VHS-Musikschule als Pachtmodell. Im Rahmen des Nahwärmekonzepts erhalten die fünf Ramie-Wohnhäuser an der Neubronnstraße eine Heizungsanlage in Brennwerttechnik. "Der Projektausbau läuft plangemäß", so Werner Strübin. Im Januar 2018 wurde schließlich die PV-Anlage auf dem Feuerwehrgerätehaus Mundingen mit einer Leistung von 20,25 kWp in Betrieb genommen und lieferte 2018 genau 20514 Kilowattstunden an Strom.

Die PV-Anlage auf dem Ziegenstall Wöpplinsberg ist das größte Projekt und ein Gemeinschaftsprojekt der Bürgerenergiegenossenschaften Emmendingen und Teningen. Am 1. Oktober 2017 wurde diese Anlage in Betrieb genommen. Die 250 kWp-Anlage erzeugte im Vorjahr 246 250 Kilowatt Strom, ausreichend für 80 bis 90 Haushalte. Das neueste Projekt sind die drei Windkraftanlagen im Windpark Rotzel/Biederbach, bei der die Begem beteiligt ist. Die Baufreigabe für diese Windräder wurde am 3. Juni erteilt.