SCHNOOGELOCH: Einfach nur nachgefragt

Ulrike Derndinger

Von Ulrike Derndinger

Sa, 19. Oktober 2019

Schwanau

Die Mutter ist vermutlich die am besten informierte Bewohnerin in ihrem Altendomizil. Weil sie noch "reecht im Kopf" ist, verraten ihr die Schwestern viel über das, was sie in Beruf und Privatleben bewegt, meint sie stolz. Ob sie auch mal Ratschläge verteile? Klar, sagt die Mutter. Der einen Schwester, die wegen ihres Knies dringend abnehmen will, hat sie gut zugesprochen: "Si soll nur langsam mache mit em Abnemme. Au dirri Geiße häns in de Glenker." Als sie von einer anderen Pflegerin erfuhr, dass ein Mitbewohner gestorben war, der viel im Garten wühlte und schaffte, meinte die Mutter: "Jetzt mien er e Trauerflor ans Gartehiisli hänke." Manchmal findet sie dann auch ziemlich persönliche Details heraus, wie sie beim jüngsten Besuch der Tochter verkündet: "Der einde Pfleger suecht e Frau". Woher sie das weiß? "Ich hab halt gfrogt." Die Tochter staunt, wie offen der Pfleger, der sicher Ende 50 ist, sich zeigt. Die Mutter findet das dagegen ziemlich normal. Der muss vielleicht zu Potte kommen, ist ihre These: "Wahrschiins isch em d Muetter vor Kurzem gstorbe." Wissen tut sie es aber nicht, räumt sie ein. Sie wird es aber herauskriegen. Und dann grinst sie wieder und wird sagen: "Ich hab halt mol widder gfrogt."