SCHNOOGELOCH: In den Himmel

Ulrike Derndinger

Von Ulrike Derndinger

Fr, 02. Oktober 2020

Schwanau

Neulich fürchtet die Tochter, das letzte Stündlein der Mutter habe geschlagen. Es geht ihr nicht gut. Da stellt die Tochter ein Schälchen mit Eiskugeln auf den Tisch und die Mutter meint plötzlich lebhaft: "E Sprutzer Schlagrahm wär nit schlecht gsin. Der rutscht immer so sämig d Gurgel nab." Die Tochter staunt wie sie zum Leben erwacht und genüsslich das Eis verspeist. Und dann noch die Butterbrezel. "E Bretschel kann mer immer esse", begründet die Mutter mit vollem Mund. Als Kind waren Brezeln nämlich ein Luxus, weil immer zuerst das selbstgebackene Brot wegmusste, und war’s noch so alt. Die Tochter scherzt: Erst sterben wollen und dann Eis und Brezel vertilgen. Plötzlich fragt die Mutter kauend, mit welchem Auto die Tochter heute da ist – mit der ziemlich tiefliegenden Limousine oder mit dem Kleinwagen mit den hohen Sitzen? Ach, mit der Limousine? Dann ist ohnehin klar für die Mutter: "No kann i hit sowisso nit in de Himmel fahre. In sell komische Auto kumm i immer so schlecht rii un russ!"